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Seilbahn kommt nicht: Strecke sei unrentabel

Niederdorfelden/Maintal

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    So ähnlich hätte sie aussehen können: die Seilbahn zwischen Niederdorfelden und Bad Vilbel. Verkehrsplaner fanden jedoch heraus, dass sich die Strecke wirtschaftlich nicht rechnet. Sie wird also nicht gebaut. Symbolfoto: pixabay

Niederdorfelden/Maintal. Technisch machbar, aber ökonomisch nicht sinnvoll – das ist das Ergebnis der kürzlich abgeschlossenen Machbarkeitsstudie zur Seilbahnprojekttrasse von Niederdorfelden nach Bad Vilbel. 

Artikel vom 08. August 2019 - 10:26

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Studenten hatten unter der Leitung von Professor Jürgen Follmann, Verkehrsplaner und Seilbahn-Fachmann an der der Hochschule Darmstadt, eine Streckenführung vom Hühnerberg, gelegen zwischen Niederdorfelden und Maintal-Wachenbuchen, bis zum Festplatz in Bad Vilbel, nahe am Bahnhof gelegen, untersucht. 

Die Studie entstand im Auftrag des Regionalverbandes Frankfurt/RheinMain, der Gemeinde Niederdorfelden und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern.

Ernüchternde Ergebnisse

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für die vorgegebene Strecke sind teils ernüchternd. „Die Kapazität einer Seilbahn ist mit der einer S-Bahn vergleichbar, das habe auch ich unterschätzt. Etwa 4500 Passagiere pro Stunde wären gut für einen rentablen Betrieb zwischen Niederdorfelden und Bad Vilbel“ erläutert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde die Ergebnisse der Studie. „So viele Pendler gibt es in diesem Teil des Main-Kinzig-Kreises gar nicht. Zudem verkürzt das Umsteigen vom Auto in die Seilbahn und weiter in die S-Bahn nach Frankfurt die Fahrtzeit nicht ausreichend, um noch mehr Pendler in die Seilbahn zu locken“, so Quidde.

Unabhängig von der Studie ist das Thema urbane Seilbahnen in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main nicht verworfen. „Trotz des Ergebnisses für diese spezielle Trasse bleiben Seilbahnen aus Sicht des Regionalverbandes ein attraktives Instrument, um den öffentlichen Personennahverkehr zu entlasten. Vorteile einer Seilbahn sind unter anderen deren vergleichsweise schnelle Realisierbarkeit, geringere Baukosten und die Unabhängigkeit vom übrigen Straßenverkehr.

Da die Seilbahn als urbanes Verkehrsmittel in der Region noch gar nicht etabliert ist, sei es wichtig, ein Pilotprojekt mit guten Erfolgsaussichten zu wählen“, betont Thomas Horn, Verbandsdirektor des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main. 

Die Machbarkeitsstudie zeigt, dass eine Seilbahn für die Berufspendler im Main-Kinzig-Kreis nicht das optimale Verkehrsmittel ist. „Die Seilbahn hilft uns also nicht, um das Pendeln zwischen dem Nordwesten des Main-Kinzig-Kreises und Frankfurt zu erleichtern. Die Machbarkeitsstudie hat deshalb ganz klar gezeigt, worauf es jetzt ganz besonders ankommt: Den schnellen Ausbau der Niddertalbahn und ergänzend einen guten Radweg neben der Strecke, um das Mobilitätsangebot zu vergrößern.

Schnell Unterstützer gefunden

Es kommt jetzt alles darauf an, hier rasch Fortschritte zu erzielen, um die Verbindung nach Frankfurt entscheidend zu verbessern“, ergänzt Niederdorfeldens Bürgermeister Klaus Büttner. Das Gemeindeoberhaupt hatte die Seilbahnprojekttrasse für seine Kommune ins Gespräch gebracht und schnell Unterstützer gefunden. 

Enttäuscht, dass es nun nichts wird mit der Seilbahn, sei er nicht, sagt Büttner im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Idee an sich war ja nicht schlecht. Ich bin immer dafür, alle Möglichkeiten zu prüfen und nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen.“ Er sei weiterhin der Meinung, dass Kreativität gefragt sei, um die Verkehrsprobleme der Zukunft zu lösen. Straßenbau alleine reicht nicht nicht.

Kritisch äußerte sich Josef Mistetzky von den Grünen Niederdorfelden nach Bekanntwerden des Studienergebnisses. Seine Partei hatte der Idee von Anfang an skeptisch gegenübergestanden. „Es ist traurig und bedauernswert, auf diese Weise Geld zu verbrennen“, so Mistetzky. Dass der Regionalverband für so eine Studie Gelder locker gemacht habe, statt eine hilfreiche und zeitsparende Verlängerung der Buslinie 42/43 von Frankfurt Bergen Ost zum Bahnhof Niederdorfelden einzuleiten, schade dem Öffentlichen Nahverkehr, betonte er weiter.

Die Präsentation der Machbarkeitsstudie kann im Internet abgerufen werden. fmi
›› hanau.ihk.de/seilbahn 



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