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Historisches Rathaus in Marköbel nach Sanierung wiedereröffnet

Hammersbach

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    Fast komplett: Bis auf die Lücke im Sockel, die noch von einem rekonstruierten Wappenstein gefüllt wird, erstrahlt das frisch sanierte Historische Rathaus in neuem Glanz. Bild rechts: Architekt Klaus Heim (links) vollzieht mit Hartmut Schneider (Mitte) und Michael Göllner die symbolische Eröffnung. Fotos Thomas Seifert

Hammersbach. Viel länger als zunächst geplant, nämlich seit Herbst 2017, wurde das Historische Rathaus in Marköbel einer gründlichen Sanierung „im Bestand“ unterzogen und am Montag mit vielen Gästen wieder seiner Bestimmung als „gute Stube“ der Gemeinde der Öffentlichkeit übergeben.

Artikel vom 28. Januar 2020 - 13:41

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Von Thomas Seifert

Rund 650 000 Euro wurden in das Projekt investiert, 250 000 Euro kamen als Zuschuss vom Dorferneuerungsprogramm. Bürgermeister Michael Göllner und der Vorsitzende des Vereins für Kultur und Heimatgeschichte, Hartmut Schneider, führten durch die über einstündige akademische Feier, die von der auf ein Duo geschrumpften Gruppe „Quattrio“ musikalisch umrahmt wurde.

Aufwändige Sanierung lief nicht immer nach Plan

Als „schönstes Projekt der Dorfentwicklung“, dem noch die Umgestaltung des hinter dem Historischen Rathauses liegende Martin-Luther-Platz folgen soll, bezeichnete Schneider die aufwändige Sanierung, die einige Überraschungen parat gehalten hatte. „Deshalb haben die Arbeiten sich auch so in die Länge gezogen“, fügte Michael Göllner hinzu, der scherzte, zu Beginn der Sanierung habe Architekt und Planer Klaus Heim noch schwarze Haare gehabt. 

Der Bürgermeister lobte, dass Gemeindevertretung und Gemeindevorstand sowie alle an der Planung und Ausführung Beteiligten an einem Strang gezogen hätten, damit das „Juwel“ wieder in neuem Glanz erstrahlen kann. Immerhin seien seit der letzten Sanierung 35 Jahre vergangen.

Kosten schnellten in die Höhe

Erst als man sich intensiver zum Beispiel mit dem Fachwerk befasst hatte war klar geworden, dass die ursprünglich veranschlagten 400 000 Euro Sanierungskosten nicht ausreichen würden. An dem historischen Gebäude habe doch an vielen Ecken und Enden der Zahn der Zeit genagt, und immer wieder habe man zusätzliche Arbeiten vergeben müssen, was natürlich die Kosten in die Höhe getrieben habe. Aber alle Handwerker hätten viel Herzblut in die Sanierung gesteckt, was man an vielen Details sehen könne, stellte der Rathauschef fest.

„Als wir das erste Mal das Gebäude besichtigt haben, sagte ich zum Architekten, die Lampen im Saal im Erdgeschoss müssen raus. Nun, da sie aufgearbeitet sind, gehören sie zu den Charakteristika des Bauwerks“, berichtete Göllner. Klaus Heim fügte hinzu, als man die Lampen wieder aufhängen wollte, seien sie erst einmal weg gewesen, weil sehr gut verstaut. Aber man habe sie wieder gefunden und sie würden dem Saal, in dem nach dem Wunsch von Göllner und Schneider bald wieder das Leben toben soll, einen besonderen Charme verleihen. 

Politisch gab es keine Streitereien

Der Bürgermeister erwähnte ausdrücklich, dass es keinerlei politisches Hickhack wegen der Kostensteigerung gegeben habe, sondern ein notwendiger Haushaltsnachtrag einstimmig gebilligt worden sei. „Ausstellungen, Konzerte und Familienfeiern“ wünscht sich Hartmut Schneider im Saal des Historischen Rathauses, in den eine kleine Theke eingebaut worden ist.

Genutzt werden die Räume im Dachgeschoss von der Malgruppe „Guckloch“, deren Mitglieder auch regelmäßig in dem Gebäude ausstellen, und vom Verein für Kultur und Heimatgeschichte, der eine Dauerausstellung einrichten wird. Am Eröffnungstag waren schon einige Exponate zu bewundern wie etwa ein Fachwerkmodell des Historischen Rathauses, ein liebevoll gestaltetes Modell des alten Marköbel sowie Modelle von einstigen Toren der Befestigung.

Historisches Wappen fehlt noch

Auf eine Besonderheit machte Göllner zudem aufmerksam, denn in der Fassade des Historischen Rathauses klafft noch eine Lücke. Dort wird demnächst wieder das Wappen von 1631 von Hanau-Münzenberg prangen, das derzeit von einem Steinmetz aus Aschaffenburg angefertigt wird. Schneider fügte hinzu, dass die Darstellung dieses Wappens in der Ortschronik von 1989 falsch sei, denn es stünde auf dem Kopf, was lange niemandem aufgefallen sei. Das in Auftrag gegebene Wappen soll dann aber richtig herum an der Fassade angebracht werden.

„Man kann nicht in die Zukunft schauen, aber die Zukunft gemeinsam bauen“, zitierte Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler den Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry und verwies darauf, wie wichtig es sei, einer Dorfgemeinschaft auch einen Mittelpunkt zu geben, wo Traditionen gepflegt und weitergegeben werden können. Das Historische Rathaus sei solch ein Ort für Marköbel und Hammersbach, und auch aus diesem Grund sei das Geld aus dem Kreisprogramm für den ländlichen Raum gut angelegt.

„Eine Gemeinschaft funktioniert nur, wenn in sachlichen Auseinandersetzungen ein tragbarer Kompromiss gefunden wird“, betonte Simmler und ermunterte die Besucher, „auf das Gemeinwesen aufzupassen und es nicht den Nörglern und ewigen Besserwissern zu überlassen“.

Rückblick auf vergangene Ausstellungen

Ein buntes Programm wartete auf die Besucher des Historischen Rathauses bis in den Nachmittag hinein. Fotografien von Horst Stenner dokumentierten die Ausstellungen, die in den vergangenen 20 Jahren im Historischen Rathaus zu sehen waren.

Lokalmatador Matthias Baselmann trat mit einem Soloprogramm auf, gefolgt vom „Trio Dolce“ mit Monika Marner, Burkhard Rieger und Klaus Dengler. Hartmut Schneider berichtete von der Geschichte des Hauses und zum Abschluss spielten noch die „Fingerprints“ mit Karin Kraft, Hans Matter und Martin Kurz, alle Musikgruppen übrigens unter Beteiligung von Hammersbacher Musikern.



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