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Bürgerinitiative fordert Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt Windecken

Nidderau

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    Seit Ende 2019 gilt nachts Tempo 30 im Freiligrathring. Aus Sicht der Anwohner bringt diese Maßnahme keine Verbesserung. Foto: Mike Bender

Nidderau. Seit etwa 20 Jahren beschweren sich die Anwohner der Ortsdurchfahrt Windecken über die zunehmende Verkehrsbelastung auf der Landesstraße 3009, die direkt vor ihren Häusern vorbeiführt. Nun ist ihre Geduld am Ende. Am 27. November gründeten sie die Bürgerinitiative „Verkehrsberuhigung der Windecker Landesstraße L3009“. 

Artikel vom 22. Januar 2020 - 10:47

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Von Jan-Otto Weber

„Für engagierte Anwohner entstand immer wieder der Eindruck, die erhebliche Einschränkung ihrer Wohn- und Lebensqualität durch Verkehr werde seitens der Politik und Behörden bagatellisiert und das komplexe Zusammenspiel zwischen Kommunalpolitik, Stadtverwaltung und überörtlichen Baulastträger (Hessen Mobil) entzieht sich für betroffene Einzelpersonen der Einflussnahme“, so eine jetzt veröffentlichte Erklärung der BI.

Einkaufszentrum sorgt für mehr Verkehr

Das Verkehrsaufkommen der Ortsdurchfahrt habe sich über die vergangenen Jahre zunehmend verdichtet. Ursächlich für den Anstieg der Verkehrslast auf der Landesstraße, die in die Abschnitte Kilianstädter Straße, Rathenauring, Freiligrathring und Ostheimer Straße unterteilt ist, sei unter anderem das neu entstandene Einkaufszentrum Nidder-Forum.

Außerdem die Fertigstellung der Ortsumgehung mit ihrer Anbindung der östlichen Region Nidderaus in Richtung Hanau, Karben, Friedberg und Frankfurt. „Für die Anwohner der L3009 ist somit durch Straßenbau- und Stadtentwicklung ein Nadelöhr mit einer erheblichen Zunahme an Lärmbelastung entstanden“, beklagt die BI.

Der Anstieg der Lärmemission sei jedoch nicht ausschließlich durch den Anstieg des Verkehrsaufkommens begründet, sondern entstehe im Besonderen durch einen mittlerweile stark zerstörten Fahrbahnbelag. „Durch Fahrbahnschäden leiten Lkw, Stadtbusse und landwirtschaftliche Fahrzeuge zudem massive Erschütterungen in die zum Teil über hundertjährigen Gebäude ein.“

Ziel ist Begrenzung auf 30km/h

Um unmittelbar Lärm, Abgase und Erschütterungen zu reduzieren, ist das Nahziel der Bürgerinitiative die Durchfahrtsgeschwindigkeit Tag und Nacht im gesamten Streckenverlauf der L3009 auf 30 Kilometer pro Stunde zu senken. Dadurch würde zudem der Schulweg zur Kurt-Schumacher-Schule sicherer, argumentieren die Anwohner, die sich auch durch einen Fachanwalt beraten lassen.

Der Blitzer in der Ortsdurchfahrt von Windecken ist schon länger defekt. Ihn zu reaktivieren wäre teuer. Die Stadt setzt auf seine optische Wirkung und mobile Messgeräte. Foto: Mike Bender

„Da die Belastungen durch Verkehr unmittelbar mit der maroden Fahrbahndecke in Zusammenhang stehen, fordert die Bürgerinitiative mittelfristig eine Grundsanierung des ortsdurchführenden Streckenverlaufs.“

Temporeduzierung in der Nacht wenig sinnvoll

Dass im Herbst Schilder mit Tempo 30 zwischen 22 und 6 Uhr morgens aufgestellt wurden, empfindet mancher Anwohner als Hohn. „In diesem Zeitraum fahren hier nur wenige Autos, kaum Laster, einige Busse“, schrieb etwa Udo Bauer aus dem Rathenauring in einem Leserbrief an unsere Zeitung.

„Am Tag wenn hier mehrere tausend Autos, Laster, Busse und übergroße Traktoren zum Teil mit überhöhter Geschwindigkeit durchfahren, spielt Lärmbelästigung anscheinend keine Rolle. Will man uns auf den Arm nehmen? Noch ein Tipp: Vielleicht sollte man die seit Jahren defekte Radaranlage reparieren.“

Bürgermeister unterstützt Anwohner

Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) ist sich der Situation bewusst und stellt sich eindeutig auf die Seite der Anwohner. „Wir sind froh, dass wir bei Hessen Mobil wenigstens nachts etwas erreichen konnten. Doch bei Landesstraßen haben wir keinerlei Kompetenz, mehr anzuordnen.“

In früheren Jahren habe sogar durchgängig Tempo 30 gegolten. „Aber das wurde bei einer Verkehrsschau von den übergeordneten Behörden zurückgenommen. Das kann man keinem erklären.“ Um die Querung der Straße für die Schulkinder sicherer zu machen, habe die Stadt Pfosten und Ketten am Gehweg installiert. 

Schilderwald könnte abgebaut werden

Das Thema Lärmschutz wurde am Dienstagabend auch im Struktur- und Bauausschuss diskutiert. Das Gremium beschloss, die Forderung nach durchgängig Tempo 30 in die Stellungnahme der Stadt zum hessischen Lärmaktionsplan an das Regierungspräsidium in Darmstadt aufzunehmen, auch um den „Schilderwald“ der gestückelten Tempo-30-Zonen abzubauen.

In puncto Blitzer musste der Bürgermeister die Erwartungen jedoch dämpfen. „Um die vorhandene Radaranlage wieder in Betrieb zu nehmen, müssten wir einen sechsstelligen Betrag in digitale Messtechnik investieren“, so Schultheiß. „Wir setzen deshalb auf mobile Geschwindigkeitsmessungen.“

Kontakt zur BI
Für Fragen und Anregungen können Interessierte Kontakt zur Bürgerinitiative über die Mailadresse 
Tempo30Nidderau@gmail.com aufnehmen.


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