Lesezeichen hinzufügen hanauer.de als Startseite
stark bewölkt
5 ° C - stark bewölkt
» mehr Wetter

Grünpatenschaften: Vom Guerilla Gardening zum urbanen Gärtnern

Nidderau

  • img
    „Hier pflegen Grünpaten“: Schilder weisen auf Flächen hin, die von Bürgern beackert werden. Elke Hetzel (links) und Mathias Just (rechtes Bild, rechts) sind Vorreiter und haben die Patenschaft für einen Blumenkübel und eine Baumscheibe übernommen. Umweltdezernent Rainer Vogel (rechtes Bild, links) bedankt sich. Fotos: PM

Nidderau. Die heimliche Aussaat von Pflanzen im öffentlichen Raum galt noch vor wenigen Jahren als subtiles Mittel politischen Protests und zivilen Ungehorsams. Inzwischen hat sich dieses „Guerilla Gardening“ zum urbanen Gärtnern gewandelt und liegt in Zeiten des Insektensterbens voll im Zeitgeist. 

Artikel vom 16. Oktober 2019 - 14:36

Anzeige

Nachdem sich die Kommune mit dem Projekt „Nidderau blüht“ einer überregionalen Kampagne angeschlossen hat, geht die Stadt nun den nächsten Schritt und bietet „Grünpatenschaften“ an. „Oft bleibt bei öffentlichen Grünflächen wenig Spielraum für eine abwechslungsreiche und individuelle Gestaltung“, heißt es in einer Mitteilung des Umweltdezernats.

„Bürger oder Firmen sind daher herzlich eingeladen, selbst als Paten tätig zu werden. Vielleicht für das Beet vor der eigenen Haustür? Vielleicht für eine Fläche, an der man täglich vorbeikommt? Vielleicht ist es ein anderes Eckchen, welches einem besonders am Herzen liegt?“

Eine Grünpatenschaft sei kostenlos und könne jederzeit beendet werden, erklärt Umweltdezernent Rainer Vogel (Grüne). Die Stadtverwaltung dokumentiert das Engagement, zudem zeigt ein Schild eine bestehende Patenschaft an. „Patenschaften können für Bäume, Baumscheiben, für Pflanzbeete an Straßen, Pflanzkübel oder im Bereich von Spielplätzen und Pflanzflächen in Parkanlagen übernommen werden.“ 

Nachfolgend wird beschrieben, wie so eine Patenschaft aussieht.

  • Bäume: Die Pflege durch die Grünpaten beschränkt sich auf das Mähen von vorhandenem Rasen und die Entfernung von wildem Abfall. In den Sommermonaten ist ein Wässern der Bäume wünschenswert. Die Sicherheitskontrolle und der Pflegeschnitt der Bäume verbleiben in vollem Umfang bei der Stadt Nidderau. Die städtischen Baumpfleger sorgen auch für die Nachstellung oder Entfernung der an Jungbäumen vorhandenen Baumgurte. Wenn ein Pate feststellt, dass die Baumsicherungen zu straff oder zu lose sitzen, so sollte dies bitte gemeldet werden.
  • Baumscheiben und Pflanzbeete an Straßen: Die vorhandene Bepflanzung in den Beeten oder unter den Bäumen sollte erhalten werden. Bestehende Pflanzlücken können durch die Grünpaten bepflanzt werden. Bei der Pflanzenauswahl sind nur einige Grundsätze zu beachten: Die Bepflanzung darf die Höhe von 80 Zentimetern nicht überschreiten. Außerdem dürfen in den Randbereichen zu vorbeilaufenden Wegen keine stachligen oder dornigen Pflanzen verwendet werden. Die Verwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln ist auf allen Flächen untersagt. Bevorzugt sollten heimische und Insektenfördernde Pflanzen verwandt werden. Im Rahmen der „essbaren Stadt Nidderau“ (siehe Infokasten) können zum Beispiel auch Kräuter ausgepflanzt werden.
  • Pflanzkübel: Wenn die Kübel eine intakte Bepflanzung aufweisen, ist diese zu erhalten. In den Lücken können die Paten nach ihren Vorlieben einzelne Pflanzen ergänzen. Die Pflanzhöhe darf 30 Zentimeter nicht überschreiten. In Einzelfällen ist auch der Besatz mit niedrigen Gehölzen nach Rücksprache möglich. Besonders wichtig sind regelmäßige Wassergaben, auch im Winter.
  • Spielplätze: Alle Spielanlagen werden regelmäßig von geschulten Spielplatzkontrolleuren in Augenschein genommen. Die Pflege im Rahmen der Patenschaft ist auf das Entfernen von wildem Abfall begrenzt. Wenn einem Paten darüber hinaus eine unmittelbare Beschädigung zum Beispiel durch Vandalismus auffällt, so sollte dies bitte gemeldet werden. Das Gleiche gilt für Verschmutzungen zum Beispiel durch Scherben.
  • Pflanzflächen in Parkanlagen: Für einzelne Beete in Grünanlagen wird ebenfalls eine Patenschaft sehr begrüßt. Bei Interesse an einer Patenschaft und um die Möglichkeiten einer Neu- oder Nachpflanzung zu klären, kann gerne Kontakt aufgenommen werden.

„Die Stadtverwaltung Nidder‧au freut sich bereits über das Engagement zahlreicher Bürger, die schon länger als Grünpaten aktiv sind – herzlichen Dank dafür!“, so Erster Stadtrat Rainer Vogel. „Und für jede weitere tatkräftige Unterstützung, die durch eine Patenschaft zur Verschönerung der Stadt beitragen möchte.“ jow

So werden Sie Pate
Möchten Sie Pate werden? Ihre Ansprechpartner sind die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs, Telefon 0 61 87/9 07 48 90, E-Mail bauhof@nidderau.de.

 

Die „Essbare Stadt“
Die Stadtverordneten haben in ihrer Septembersitzung einstimmig dem Antrag von Grünen und SPD zugestimmt, der Magistrat solle prüfen, wie das Projekt „Essbare Stadt“ in Nidderau umgesetzt werden kann. Laut Begründung mache die Idee der „Stadtgärten zum kostenlosen Selbstbedienen“ Schule. Städte wie Andernach, Kassel, Darmstadt oder Offenbach hätten es vorgemacht. Grünflächen würden mit Unterstützung der Bevölkerung mit Kräutern, Obst und Gemüse bepflanzt. „Das städtische Grün übernimmt im Rahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung nicht nur ästhetische Funktionen, sondern auch ökologische und ökonomische“, so der Antrag. So könnten neben den Blühflächen für Insekten also bald auch Erdbeeren, Tomaten, Kartoffeln, Zucchini, Kürbisse oder Karotten im öffentlichen Raum und zum Nutzen der Allgemeinheit sprießen. Frei nach dem Motto „Pflücken erlaubt” statt „Betreten verboten”. jow


Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.