Lesezeichen hinzufügen hanauer.de als Startseite
wolkig
6 ° C - wolkig
» mehr Wetter

Aktion für erkrankte Ostheimerin stößt auf große Resonanz

Nidderau

  • img
    Das Engagement zur Aktion „Sabine will leben“ war überwältigend: Nicht nur im Ostheimer Bürgerhaus, auch beim Brauchtumsfest der Interessengemeinschaft Historische Landmaschinen auf dem Baiersröderhof in Marköbel konnten sich die Besucher als Stammzellenspender registrieren lassen. Zudem hatte eine Maintaler Apothekerin eine Registrierstelle eingerichtet. Fotos: Bongartz

Nidderau. Der gute Zusammenhalt der Ostheimer Dorfgemeinschaft ist bekannt. Doch dass sich am Ende so viele Menschen an der Aktion für die an Blutkrebs erkrankte Sabine Schwabe beteiligen würden, überstieg sogar die optimistischen Erwartungen der Organisatoren. 

Artikel vom 21. August 2018 - 09:28

Anzeige

Von Fred Bongartz und Jan-Otto Weber

Genau 1229 Menschen haben sich am Sonntag für die Stammzellenspenderdatei der DKMS registrieren 
lassen. 

„Wir können es kaum glauben“, hatte Sigurd Schwabe, der Mann der erkrankten Sabine aus Ostheim, bereits im Vorfeld der Aktion mitgeteilt. Die Familie ist unendlich dankbar und überwältigt von der riesigen Hilfsbereitschaft, die ihr seit Bekanntwerden der Krebserkrankung der 46-jährigen Mutter von der Dorfgemeinschaft und zahlreichen Menschen aus der gesamten Region entgegengebracht wird. 

Aus Hilferuf Bewegung geworden

Ein achtköpfiges Team aus den Reihen der Vereinsgemeinschaft Ostheim ist seit zwei Wochen unermüdlich auf den Beinen, um alle Vorbereitungen für das bevorstehende Wochenende zu planen. Tausende Handzettel wurden verteilt, hunderte Plakate geklebt, umfangreiche digitale Aufrufe gestartet, Feuerwehr, Polizei, Schulen, Unis, Firmen, Vereine und Kindergärten wurden mobilisiert. 

„Nie hätten wir mit einer solchen Unterstützung gerechnet. Die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Menschen gibt uns in dieser schweren Zeit viel Kraft“, so die Familie. „Aus unserem Hilferuf ist eine Bewegung geworden, die Zusammenhalt gibt und uns allen Hoffnung schenkt. Ihr schenkt etwas Außergewöhnliches – die Hoffnung auf ein neues Leben.“

"Mischung aus Adrenalin und Erschöpfung"

Als Reinhard Weider, Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft Ostheim, und DKMS-Mitarbeiterin Bettina Steinbauer am Sonntagabend gemeinsam mit Sigurd Schwabe und dessen Tochter auf der Bühne des Ostheimer Bürgerhauses den rund 100 ehrenamtlichen Helfern und den vielen Spendern für ihre Unterstützung danken, übermannt es den Familienvater. Euphorie, Bangen und Hoffen – die Woge an Gefühlen ist einfach zu groß.

Selbst am Montag sind den Beteiligten die Emotionen noch anzumerken. „Es war eine Mischung aus Adrenalin und Erschöpfung“, beschreibt Steinbauer die Stimmung von der Registrieraktion am Sonntag. „Wenn man aus der Großstadt kommt und dann so einen Zusammenhalt sieht, das ist schon der Wahnsinn. Es hat sich zwar in den Vorgesprächen schon abgezeichnet, dass es ein Erfolg wird“, lobt die DKMS-Mitarbeiterin. „Aber mit so einer riesigen Resonanz habe ich nicht gerechnet.“

"Ehrenamt gelebt"

Sonntag, 15.30 Uhr, im Bürgerhaus Ostheim: Bis zu diesem Zeitpunkt haben sich bereits über 1000 Menschen bei der Aktion „Sabine will leben“ registrieren lassen. Über 70 Helfer sind allein im Bürgerhaus im Einsatz. Sie verteilen Anmeldebögen, assistieren bei der Entnahme der Zellen der Mundschleimhaut mit einem Wattestäbchen, führen Listen, verwahren die Proben, nehmen Spenden entgegen. Das DRK Nidderau und ortsansässige Ärzte leisten fachliche Unterstützung. Andere Helfer geben Würstchen, Kuchen und Getränke aus. Drei lange Tischreihen sind alle besetzt. Vor der Tür hatte sich zeitweise eine Schlange bis auf die Straße gebildet. Und selbst jetzt, am Nachmittag, ist ein Ende nicht in Sicht. 

Auch bei der IHGL-Veranstaltung auf dem Baiersröderhof hatte die DKMS einen Stand mit 30 freiwilligen Helfern eingerichtet. Hier sind es bis zum Ende der Veranstaltung 200 Menschen, die sich registrieren lassen.
„Das ist absolut nicht selbstverständlich“, sagt VGO-Vorsitzender Weider am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung. „Schließlich waren die Leute dort auf dem Fest, um sich die Traktoren anzuschauen. Es wird viel über Ehrenamt gesprochen, aber hier wurde es wirklich gelebt.“ 

Spendenkonto ist noch geöffnet

Weider lobt die Geduld und Disziplin der Wartenden, aber auch die gewissenhafte Arbeit der Helfer. „Diese Aktion wird Ostheim noch etwas mehr zusammenbringen.“ Vor dem Bürgerhaus hatte am Sonntag die Feuerwehr die Regelung des Verkehrs übernommen. Weider berichtet von 60 Kuchenspenden, in erster Linie aus den Reihen der Landfrauen. Dazu Brötchen und Wurst von ortsansässigen Geschäften.

Doch auch die Spendenboxen sind am Ende gut gefüllt: 12 360 Euro in bar allein in Ostheim. Zuvor war das Spendenkonto bereits mit 20 300 Euro bestückt. Weitere Spenden sind angekündigt, etwa vom Kioskbetreiber des Schwimmbads Wächtersbach, der die Einnahmen des Sommerfestes zur Verfügung stellt, ebenso wie das Alloheim-Seniorenzentrum in Windecken. Weitere Firmen beteiligen sich. Zudem stehen in 35 Nidderauer Geschäften noch bis zum Ende der Woche Spendendosen aus. Und auch das Spendenkonto ist noch geöffnet.

Abgleich mit Datenbank läuft

„Wir haben schon jetzt einen hohen Deckungsbeitrag erreicht, denn die Aktion kostet die DKMS etwa 43 000 Euro“, erklärt Bettina Steinbauer am Montag. Sie hatte die eingesammelten Proben noch am Sonntagabend mit nach Köln genommen. Bereits am Montag wurden sie zur Analyse weiter ans DKMS-eigene Labor nach Dresden gebracht. Bis die letzte Probe ausgewertet ist, dauert es etwa drei Wochen. „Mit jeder dieser Registrierungsaktionen vergrößern wir unseren Spender-Pool“, beschreibt Steinbauer. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich unter den 1200 Menschen einer oder mehrere befinden, die tatsächlich jemandem das Leben retten können.“ 

Ob auch ein passender Spender für Sabine Schwabe dabei ist, bleibt ungewiss. „Im Hintergrund läuft aber auch immer noch der Abgleich mit unserer Datenbank, wo bereits 8,4 Millionen Spender registriert sind“, erläutert Steinbauer. Ähnliche Datenbanken gibt es im weltweiten Ausland. Die Hoffnung für Familie Schwabe ist also lebendig – erst recht nach diesem Wochenende.

Die DKMS ist als gemeinnützige Organisation finanzielle Unterstützung angewiesen. Auch nach der Registrierungsaktion für Sabine Schwabe ist das Spendenkonto noch geöffnet. Spenden gehen an die DKMS, Kreissparkasse Limburg, IBAN DE02 5115 0018 0000 0327 30, Verwendungszweck: Sabine.



Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.