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Ein Besuch zum Valentinstag bei den Floristen im "Garten Eden"

Maintal

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    Einfarbig, schlicht oder bunt gemischt: Die Floristinnen Carola Lapp (Mitte) und Nicole Pooch (links) lassen ihrer Kreativität beim Gestalten der Sträuße freien Lauf und zeigen HA-Reporterin Jasmin Jakob wie es geht. Foto: Axel Häsler

Maintal. Kleine Herzchen stecken in den Pflanzkörben mit bunten Frühlingsboten. Sie säumen gemeinsam mit einer bunten Mischung an Schnittblumen den Eingangsbereich des Blumencenters Lapp in Dörnigheim. In einem erhöht stehenden Blumentopf steckt ein Schild. 

Artikel vom 14. Februar 2020 - 09:15

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Von Jasmin Jakob

Auf diesem Schild steht: „Wenn Worte nicht genug sind, dann übernehmen wir.“ Das gilt natürlich besonders am Tag der Liebe. Hier laufen am Dienstagmorgen bereits die Vorbereitungen zu einem der wichtigsten, aber auch stressigsten Tage für Floristen. Zum Valentinstag haben wir den beiden Floristinnen des Fachgeschäfts mit dem offiziellen Namen „Blumen im Garten Eden“ über die Schulter geschaut. 

Die Seniorchefin Carola Lapp begrüßt mich freundlich, reicht mir eine Schürze und schon kann es losgehen. Sie wird im Laden von ihrer langjährigen Mitarbeiterin Nicole Pooch unterstützt. Die erste Lieferung des Tages muss aus dem Lager geholt und zur Weiterverarbeitung vorbereitet werden: An einer Theke im Verkaufsraum stehen bereits mit Wasser gefüllte Eimer. Daneben liegen gebündelt die Rosen einer ganz besonderen Sorte.

Übung macht den Meister

Ihr Name klingt verheißungsvoll wie ein Zauberspruch „Hokus Pokus“. Und sie sehen auch aus, als hätte sie jemand verhext, um den speziellen Farbmix der Rose zu erzeugen. Denn sie ist rot-cremefarben meliert. Am Valentinstag ist sie einer der Bestseller. „Die Rosen sind im Laufe des Tages immer schnell weg“, sagt Lapp. 

Gar nicht mal so einfach: Da die Blumen in der Hand leicht verrutschen, muss die Fachfrau nachhelfen. Foto: Axel Häsler

„Wir entfernen etwa die Hälfte der Blätter und schneiden sie unten an, damit sie das Wasser besser aufnehmen und nicht so schnell faulen“, erklärt sie. Und ich darf gleich mitmachen. Lapp steht links, Pooch rechts von mir. „Am besten ist ein langer, schräger Anschnitt, so tief, dass das Mark zu sehen ist und dann müssen sie sofort ins Wasser“, sagt Lapp, deutet auf den vorbereiteten Eimer und setzt das Messer schräg an den Stängel. Sie macht es vor und ich mache es nach. Das klappt mal besser und mal schlechter. „Es braucht schon so 1000 Rosen, bis man das richtig kann“, sagt sie und lacht. 

Blumencenter mit dazugehörigem Restaurant

Während ich vorsichtig die einzelnen Blätter abzupfe, fallen links und rechts von mir die Blätter rasend schnell auf den Boden. Bei den Mengen an Blumen und der jahrzehntelangen Erfahrung sind die beiden Floristinnen natürlich um ein Vielfaches schneller als ich. 27 Jahre arbeitet Nicole Pooch schon im Blumencenter und Carola Lapp hat das Geschäft von ihren Eltern übernommen. Seit über 140 Jahren gibt es den Familienbetrieb mittlerweile, der nun in der 5. Generation von Lapps Tochter Judith mitgeführt wird.

Sie und ihr Mann Emrah Ulus firmieren als die Inhaber des Blumencenters und des dazugehörigen Restaurants „Café im Garten Eden“. Während sich die Tochter hauptsächlich um das Café kümmert und nur an stressigen Tagen Carola Lapp und ihre Kollegin unterstützt, führt die Mutter hauptsächlich den Blumenladen. „Auch Judith ist eine ausgebildete Floristin“, erzählt Pooch. 

An der Rose ginge kein Weg vorbei

Zweimal in der Woche kommt eine Blumenlieferung, damit die Blumen möglichst frisch im Lager des Blumencenters ankommen und genug Zeit haben, um aufzugehen. „Die Qualität der Blumen ist uns sehr wichtig“, betont Lapp. Knapp 40 verschiedene Sorten an Schnittblumen führt der Laden, allerlei Bindegrün sowie blühendes Beiwerk wie Schleierkraut oder Ginster in den verschiedensten Farben, die alle angeschnitten und ins Wasser gestellt werden wollen. Außerdem gibt es Topfpflanzen für den Innen- und Außenbereich und jede Menge Dekoartikel. 

Die rote Rose hat ihr Image als Sinnbild der Liebe auch im 21. Jahrhundert nicht eingebüßt. „An ihr geht kein Weg vorbei“, sagt Lapp. Daher ist sie auch der Hingucker im traditionellen Valentinstagstrauß: genau genommen drei langstielige rote Rosen, auf unterschiedlichen Höhen „gestaffelt“, hier und da etwas Grünes und weißes Schleierkraut. „Dann wirken die Rosen nicht so dunkel. Das ist noch mal ein schöner Kontrast“, erklärt Lapp. Außerdem arbeitet sie noch zwei Weidenzweige ein, „damit das Ganze etwas ausgeflippter wird“. 

Rosengestecke gingen immer schnell weg

Nachdem sie den Strauß einmal zusammengestellt hatte, legt sie die einzelnen Komponenten auf die Theke und ich bin dran. Und das ist gar nicht mal so einfach. Denn man muss den Strauß mit einer Hand halten, fest genug, dass nichts verrutscht, und so locker, dass man immer dort, wo man es gerade möchte, etwas dazustecken kann. Daher hilft Frau Lapp nach und zeigt worauf man achten sollte. Wenn alles passt, wird er mit Bast zusammengebunden. „Dann noch ein Herzchen rein“, schön verpacken und schon ist er fertig. 

Das richtige Anschneiden der Rosen will gelernt sein. Foto: Axel Häsler

Dann darf ich noch ein kleines Rosengesteck machen. „Solche Gestecke gehen immer schnell weg, wie die Süßigkeiten an der Supermarktkasse“, sagt Pooch und lacht. 

Rosen über Rosen

Ihr gefällt die Arbeit besonders gut, da sie immer in Kontakt mit Menschen ist: „Ich unterhalte mich gern mit den Leuten. Als Floristin kann man kreativ sein, das macht mir einfach Spaß.“ Der erfahrenen Vorbereitung zum Tag jedes Jahr aufs Neue ein Stresstest. „Eine Floristin hätte diesen Tag bestimmt nicht erfunden“, sagt sie und lacht. „Die Kunden kommen bis abends nonstop. Das müsste einfach ein bisschen verteilter sein.“

Rosen sind der absolute Verkaufsschlager am Valentinstag, erzählt Carola Lapp. „Rosen in allen Farben und Größen, nicht immer unbedingt rot. Im letzten Jahr waren eher bunte Sträuße gefragt.“ Aber es müsse auch nicht immer die symbolträchtigste Blume der Liebe sein, denn viele Frauen hätten farbliche Vorlieben und Lieblingsblumen, die den Strauß persönlicher und indivdueller machen würden. „Manche wollen auch lieber Topfpflanzen, um etwas Haltbareres zu verschenken. Mit Herz oder Manschette sieht das dann auch nett aus.“ 

Meisten männlichen Kunden suchten nach einer spontanen Überraschung

Einen Tag vor dem großen Ansturm frage ich am Nachmittag noch mal nach, wie die Vorbereitungen laufen. Am Telefon erreiche ich Carola Lapp, die gerade Gäste bedient. „Sehr gut“, sagt sie. „Wir haben heute schon 600 Rosen angeschnitten und 30 bis 40 Sträuße gebunden.“ Diese werden teils ausgeliefert, verkauft und teils für den Valentinstag vorbereitet. Um die 20 Blumensträuße sollen nämlich direkt am Valentinstagsmorgen zum Abverkauf zur Verfügung stehen. Denn die meisten männlichen Kunden suchen spontan eine Überraschung für ihre Liebste. 

 

So bleiben Blumenlänger frisch

Auch die Blumen vom Floristen sollten bevor sie in die heimische Vase kommen, angeschnitten werden. Ein geringerer Wasserstand erhöht die Sogkräfte der Pflanzen. Alle zwei Tage sollten die Blumen neu angeschnitten und das Wasser ausgewechselt werden. „Manche machen auch einen Würfel Zucker ins Wasser“, sagt Nicole Pooch. „Das braucht man aber nicht unbedingt und gerade bei Frühblühern wie Tulpen sollte man Nährstoffe im Wasser lieber weglassen.“ 


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