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Bienenklau: Dieb tappt vor Wildtierkamera

Maintal

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    Nächtlicher Bienenklau wurde durch Zufall entdeckt: Die Wildtierkamera eines Freundes von Hobby-Imker Michael Münz filmte den Dieb, der sich offenbar mit den Insekten auskennt und über das entsprechende Handwerkszeug wie einen Bienenbesen verfügt. Foto: Privat (1)

Maintal. Ein Bienendieb hält derzeit Maintals Imker in Atem. Allein in der Nacht zum Freitag wurden auf zwei entlegenen Grundstücken am Bischofsheimer Ortsrand insgesamt acht Bienenvölker entwendet.

Artikel vom 06. Februar 2020 - 09:44

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Von Jasmin Jakob

Aufgefallen ist das jedoch nur durch Zufall. Der Hobby-Imker Mathias Fey hatte nämlich eine Wildtierkamera auf seinem Grundstück aufgestellt. Doch als er am nächsten Morgen die Aufnahmen ansah, traute er seinen Augen kaum. Klar und deutlich war darauf zu sehen, wie sich ein großer, schlanker Mann in dunkler Kleidung und mit einer weißen Wollmütze an den Bienenstöcken zu schaffen machte und zwei Bienenvölker klaute.

Daraufhin alarmierte er seinen Freund, den Imker Michael Münz, der seine Bienen in etwa 300 Meter Luftlinie entfernt auf dem eigenen Grundstück stehen hat. Gleich um acht Uhr morgens fuhr Münz zu den Bienen und musste feststellen, dass sechs seiner insgesamt 18 Völker fehlten. Dieser Verlust würde die Zucht in diesem Jahr unmöglich machen, sagt er. Auch bei einem dritten Imker, der sein Grundstück in der Nähe des Tennisheims habe, seien ihm zufolge die Deckel der Bienenstöcke entfernt worden. Hier sei es jedoch bei dem Versuch geblieben, die Bienen zu stehlen. Noch am selben Abend erstatteten Fey und Münz Anzeige gegen unbekannt. 

Ohne Kamera wäre Diebstahl nur schwer zu bemerken gewesen

„Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, hätte ich das nicht geglaubt“, so Münz. Im Video sei deutlich zu erkennen, dass sich der Bienendieb selbst mit den Insekten gut auskenne und entsprechendes Imkerwerkzeug mitgebracht habe. Allerdings habe er die Bienen bei den kalten Wintertemperaturen einer großen Gefahr ausgesetzt, was Münz besonders ärgere. „Mich regt das richtig auf, wenn ich sehe, wie der gearbeitet hat“, sagt er wütend. „Der hat die Bienen mit einem Besen in einen Pappkarton gekehrt.“ Und das obwohl die Bienen in der Winterruhe eigentlich nicht gestört werden sollten. „Das ist ein massiver Eingriff in den Wärmehaushalt“. Für ihn sei das unbegreiflich. 

„Hätten wir die Videoaufzeichnung nicht gehabt, wären wir gar nicht darauf aufmerksam geworden und hätten den Verlust vielleicht erst in zwei, drei Wochen bemerkt und auf den Winterschwund geschoben.“ Auffällig war jedoch, dass in einer Magazinbeute, so nennt man den Holzkasten, in dem die Bienen leben, auch Holzrahmen mit Bienenwaben fehlen. Auch im vergangenen Jahr seien zwei bis drei Bienenstöcke im Frühjahr leer gewesen. Nun gehe er davon aus, dass ein Imker seine Winterverluste auf diese Art und Weise ergänzen wollte. 

Sachschaden von mindestens 1 000 Euro

Im Winter rührt Münz selbst seine Bienenstöcke eigentlich nie an. „Die Bienen sitzen in der Wintertraube, um sich gegenseitig zu wärmen.“ Sogar bei minus 20 Grad Außentemperatur könnten sie so im Inneren des Bienenstocks eine Kerntemperatur von zirka 25 Grad halten. Ansonsten würden sie bei Temperaturen von höchstens sechs bis acht Grad bewegungsunfähig und schließlich sterben. „Die können die Temperatur ganz genau bestimmen und halten“, erzählt Münz. „Das sind wahre Wunderwerke der Bienen.“ Die Faszination für die besondere Lebensweise der Tiere sowie die Freude an der Naturerfahrung sind das, was das Imkern für ihn ausmache. „Ich betreibe mein Hobby mit sehr viel Herzblut, wenn man das jetzt so pathetisch sagen darf.“

Sechs Bienenstöcke sind jetzt leer: Hobby-Imker Michael Münz bedauert den Verlust von seinen sechs Völkern sehr. In einem Kasten wurden sogar die Holzrahmen mit Bienenwaben gestohlen. Foto: Jasmin Jakob

Den durch den Bienenklau entstandenen Sachschaden schätzt die Polizei derzeit auf mindestens 1000 Euro. Bei Münz würde die Versicherung für den Neukauf von sechs Bienenvölkern aufkommen. „Aber das macht die ganze Arbeit, die Mühe und alles, was dahintersteckt nicht wett“, sagt er. So ist er zum Beispiel für bestimmte Völker mit der Bienenkönigin extra zweimal nach Thüringen gefahren, um sie begatten zu lassen. Im Frühjahr will er die zwölf übrig gebliebenen Völker wieder auf 20 vermehren, um im nächsten Jahr mit der Zucht fortfahren zu können.

Polizei nimmt Hinweise entgegen

Münz ist seit zehn Jahren Hobby-Imker, bildet andere aus und züchtet Bienen, die gegen den bedeutendsten Bienenschädling, die Varroa-Milbe, tolerant sind. Bis dahin kann er im Sommer wieder den überschüssigen Honig mit dem verheißungsvollen Namen „Bischofsheimer Frühlingsduft“ ernten.

 

Polizei ruft zur Wachsamkeit auf  Zeugen, die sachdienliche Hinweise machen können, melden sich bitte bei der Polizeistation Maintal unter Telefon 0 61 81/4 30 20. Außerdem bittet die Polizei alle Bienenbesitzer in Maintal und Umgebung aufmerksam und wachsam zu sein. 


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