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Prozess um Vergewaltigung einer 16-Jährigen wird umfangreicher

Maintal

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    Symbolfoto: Thorsten Becker

Maintal. Für Niko T. geht es bei dem Prozess um alles oder nichts: Entweder die Hauptbelastungszeugin, eine 20-jährige Maintalerin, lügt oder er muss für mindestens zwei Jahre ins Gefängnis. Seit dem 20. Januar sitzt er auf der Anklagebank der 5. Großen Strafkammer des Hanauer Landgerichts. 

Artikel vom 02. Februar 2020 - 17:30

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Von Jasmin Jakob

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet: mehrfache Vergewaltigung mit Freiheitsberaubung. Doch der Fall ist sehr verstrickt. Dazu kommt nämlich ein anderer Tatvorwurf, der gesondert angeklagt wurde: Körperverletzung, räuberische Erpressung und Raub. All das soll Niko T. an einem Frühlingstag vor vier Jahren der damals 16-jährigen Maintalerin angetan haben. 

Nach einem Streit in der Drogenszene um eine größere Menge Haschisch habe er das Mädchen geschlagen, ihr gedroht und soll mit ihr nach Frankfurt in ein Hotelzimmer gefahren sein. Dort habe er sie vergewaltigt und eine Nacht lang festgehalten. Zudem hätten er und zwei weitere Männer ihr Handy, Schlüssel und Personalausweis abgenommen. Vor vier Tagen wurden die beiden Hauptverhandlungen durch einen Gerichtsbeschluss zusammengeführt. Damit sich der Verteidiger nun angemessen auf den erweiterten Tatbestand vorbereiten kann, wurde die Verhandlung vertagt. 

Schweigen des Angeklagten

Während der Angeklagte an den ersten drei Prozesstagen geschwiegen hatte, sagten bereits die Eltern der Maintalerin, ein Polizeibeamter sowie die damals 16-Jährige aus. Da die Maintalerin nach dem Vorfall große Angst gehabt habe, sich geschämt und vor sich selbst geekelt habe, seien etwaige Verletzungen von einem Arzt nicht dokumentiert worden. Auch ihre Eltern hätten ein Jahr lang nichts davon gewusst. 

Die Tochter sei für drei Tage weg gewesen. Sie hätten alle Freunde abtelefoniert und sie nicht gefunden. Als sie wieder nach Hause kam, habe sie der Vater fast nicht mehr wiedererkannt. „Die Augen waren total verheult, das Gesicht total verquollen und aufgedunsen.“ Auch seien ihm blaue Flecken an den Armen aufgefallen.Nachgefragt, was passiert sei, habe er nicht. „Ich war einfach froh, dass sie wieder zu Hause war.“ Sie sei daraufhin direkt in ihr Zimmer gegangen und habe geschlafen. 

Er habe von der ganzen Sache erst erfahren, als sie von der Hanauer Polizei zu einer Zeugenvernehmung geladen wurde. Denn sie stand unter Verdacht, als sogenannte „Bunkerhalterin“ Drogen für einen gewissen Zeitraum aufbewahrt zu haben. Diesem Polizisten habe sie als erstes erzählt, was passiert sein soll. Daher sollte dieser am gestrigen Freitag vernommen werden, um ihn zur Glaubwürdigkeit der Zeugin zu befragen. Denn es müsse auch in Betracht gezogen werden, dass sie die sogenannte „Kronzeugenregelung“ ausgenutzt haben könnte. Demnach hätte sie eine umfangreichere Aussage gemacht, um selbst eine mildere Strafe zu erhalten. 

Da der Verteidiger jedoch nach Zusammenlegung der Prozesse nicht genügend Zeit hatte, sich in den anderen Tatbestand einzuarbeiten, wurde der Ermittler wie alle anderen geladenen Zeugen wieder nach Hause geschickt. Sie sind für den kommenden Verhandlungstag am Montag, 17. Februar, geladen.

Unruhe des Vaters

Als die Vernehmung vor drei Jahren in der Hanauer Polizeidirektion länger gedauert habe, sei der Vater unruhig geworden und habe den Polizeibeamten und seine Tochter darauf angesprochen. „Davor hat sie geschwiegen wie ein Grab“, sagt der Vater. „Sie hat alles mit sich rumgetragen und mit niemandem darüber gesprochen. Das war für mich der Horror.“ Auf dem Parkplatz vor der Polizeistation habe sie ihm dann alles erzählt. 

Als der Verteidiger, Rechtsanwalt Thorsten Tuma, nachhakt und fragt, was sie genau gesagt habe, antwortet er: „Dass sie von dem jungen Mann mehrfach vergewaltigt wurde.“ Dabei zeigt er auf den Angeklagten. Doch der lacht nur über diesen Vorwurf und schüttelt mit dem Kopf. Die Mutter habe sogar noch später davon erfahren und noch weniger nachgefragt, um ihre Tochter damit nicht zu belasten. 

Auch die zwei Männer, die an dem Drogenstreit beteiligt gewesen sein sollen, saßen in den ersten Verhandlungs‧tagen auf der Zeugenbank. Dort machten sie allerdings bislang, um sich selbst in dem laufenden Verfahren nicht
zu belasten, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht gebrauch. Dadurch, dass die Hauptverhandlungen jetzt zusammengelegt wurden, könnten sie auch noch mal geladen werden. 



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