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Maintal ist bunt: Syrer Ahmed Al Hamoud arbeitet bei der Stadt

Maintal

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    Er dürfte als Musterbeispiel der Integration gelten: Der Syrer Ahmed Al Hamoud kam im August 2015 als Flüchtling nach Deutschland. Seit ein paar Monaten macht er eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Maintal. Foto: Privat

Maintal. Mit dem großem Flüchtlingsstrom 2015 kam auch Ahmed Al Hamoud nach Deutschland. Kein Wort Deutsch sprach der Syrer damals. Seine Aussichten, hier Fuß zu fassen, waren nicht die besten. Heute darf er als ein Musterbeispiel der Integration gelten. 

Artikel vom 31. Januar 2020 - 12:09

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Von Ulrike Pongratz

Nach Dienstschluss, bei einer Tasse Kaffee erzählte der 29-Jährige von seinem langen Weg nach Deutschland und wie Maintal seine Heimat wurde. „Ich mache eine Ausbildung als „Verwaltungsfachangestellter“ bei der Stadt Maintal“, sagte Al Hamoud zufrieden und selbst das typisch deutsche Wort ‚Verwaltungsfachangestellter‘ kam ihm ganz selbstverständlich über die Lippen. 

Seit dem 2. September vergangenen Jahres ist er Azubi bei der Stadt Maintal. „Ich freue mich, dass ich die Berufsschule besuchen darf. Ohne Unterstützung der Kollegen hätte ich das nicht geschafft“, meinte er dankbar. Gerade sei er in der Finanzabteilung, das mache ihm „mega Spaß“. Im Stadtladen habe er bereits gelernt, wie man Personalausweise beantrage, Reisepässe aushändige oder Meldebescheinigungen bearbeite.

Er lernte die wesentlichen Grundlagen als Praktikant

Ahmed Al Hamoud ist in der Maintaler Kommunalverwaltung kein Unbekannter. Vor seiner regulären Ausbildung hatte er sich schon einmal erfolgreich bei der Stadt Maintal beworben. Bereits 2018 hatte die Stadt im Rahmen des Förderprojektes „Qualifizierung von syrischen Flüchtlingen in der kommunalen Verwaltung“ ein einjähriges Praktikum angeboten. Ziel des Projekts war es, syrische Flüchtlinge für Verwaltungstätigkeiten in ihrer Heimat fit zu machen. 

Als Praktikant hatte er damals wesentliche Grundlagen kennengelernt. „Am Anfang habe ich erfahren, wie eine Kommune funktioniert. Ich habe alle Abteilungen gesehen, die letzten vier Monate konnte ich selbst wählen. Liegenschaften, zentrale Verwaltung und Gesetze, da hatte ich so eine Freude gehabt,“ erinnerte sich Ahmed Al Hamoud mit strahlenden Augen. 

Viele neue Freunde in Maintal

Vor allem die Kollegen hätten ihn warmherzig empfangen. Sie waren sehr freundlich und offen, er habe mit allen Fragen zu ihnen kommen dürfen. „Ohne die Unterstützung der Kollegen und Freunde hätte ich das nicht geschafft,“ beurteilte Al Hamoud die Bedeutung des guten Arbeitsklimas und von sozialen Kontakten.

Schon bevor der Syrer am 1. Dezember 2016 als Flüchtling anerkannt wurde, hatte er Kontakt zu Deutschen geknüpft. Eine Familie in Mannheim sei seine Ersatzfamilie in Deutschland, die ihn sehr unterstützt hätte. Als Musiker – Ahmed spielt die Oud, eine Kurzhalslaute – habe er über Herbert Begemann viele Menschen und neue Freunde in Maintal kennengelernt, unter anderem auch Ellen Rahn, die sich um ihn wie um einen Sohn gekümmert habe. „Es ist toll, dass mich Menschen wie Familie Heller und Ellen Rahn aufgenommen und mir vertraut haben“, sagte Al Hamoud. 

Er konnte seine Sprachkenntnisse immer weiter verbessern

So habe er auch die deutsche Kultur besser verstehen und kennenlernen können. „Das lernt man nicht in der Flüchtlingsunterkunft“, meinte der Syrer nachdenklich. Die Grundlagen der deutschen Sprache allerdings hat er sich selbst während seines viermonatigen Aufenthalts im Aufnahmelager in Gießen beigebracht. „Du bist mit sechs Personen in einem Zelt, jeder will was anderes machen. Ich bin wissbegierig, habe über Youtube und Sprachapps Deutsch gelernt.“ 

Als Ahmed Al Hamoud dann über Gelnhausen nach Maintal kam, konnte er sich bereits ganz gut verständigen. Mit Unterstützung von Anja Bothe und Christina Simon vom Arbeitskreis Asyl konnte der Syrer seine Deutschkenntnisse verbessern, auf den Level B1, später auf B2. „Deutschland hat mich aufgenommen, mir Sicherheit gegeben. Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen“, meinte Al Hamoud rückblickend. Auch wenn es nicht immer einfach war und er auch viel kämpfen musste.

Ein glücklicher und stolzer Maintaler

Vor seiner Ankunft in Bayern am 27. August 2015 hatte der Syrer schon eine lange Reise hinter sich gebracht. In Syrien herrschte Krieg, Homs, „das Herz Syriens“, wie Al Hamoud seine liberale Heimatstadt nennt, ist zerstört. Seine Eltern, Schwester, Schwager und Bruder waren bereits in die Türkei geflohen. „Es geht ihnen dort gut, sie haben Arbeit gefunden“, so der junge Syrer erleichtert. Er selbst habe zu dieser Zeit in Ägypten Jura studiert, konnte weder zurück nach Syrien noch in Kairo bleiben. Also kam er über Griechenland, Mazedonien, Belgrad, Ungarn schließlich in die zentrale Aufnahmeeinrichtung nach Zirndorf und schließlich über Gießen nach Maintal. 

Die Unterstützung durch die Mannheimer Gastfamilie und Freunde habe ihm das Leben von Anfang an leichter gemacht. Oft war er dort zu Besuch. „Wenn jeder diese Chance gehabt hätte, wäre die Integration noch besser“, meinte Al Hamoud, der sich augenblicklich in Maintal sehr wohlfühlt. „Es macht mir sehr große Freude, hier zu leben und zu arbeiten. Ich bin glücklich und stolz, Maintaler zu sein. Für mich ist es ein neues Zuhause.“ 



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