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16-Jährige vergewaltigt? Maintaler steht vor Gericht

Maintal

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    Aus Scham habe sie niemandem davon erzählt: Eine Maintalerin sagt vor Gericht aus, als 16-Jährige in einem Frankfurter Hotelzimmer vergewaltigt worden zu sein. Symbolfoto: Pixabay

Maintal/Hanau. Als sich zwei Jugendliche bei der Polizei melden, weil sie eine große Menge an Haschisch aufbewahrt hatten, gerät eine junge Maintalerin ins Visier der Ermittler. Sie hatten ihren Personalausweis bei den mutmaßlichen Drogenhändlern gefunden. Ihre Vernehmung förderte aber ein ganz anderes Verbrechen zutage.

Artikel vom 21. Januar 2020 - 10:53

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Von Jasmin Jakob

Im Frühjahr 2016 sei die damals 16-Jährige in der Drogenszene in Streitigkeiten verwickelt worden. Noch am selben Abend habe der damals 22-jährige Niko T. das Mädchen wegen vermeintlicher Schulden mit in ein Frankfurter Hotelzimmer genommen, sie vergewaltigt. Bis zum nächsten Morgen habe er sie dort mit sich eingesperrt. 

Am Montag musste sich Niko T. zum Prozessauftakt vor der 5. Großen Strafkammer des Hanauer Landgerichts gegen den Vorwurf der Vergewaltigung und Freiheitsberaubung verantworten. Für ihn hätte das Urteil weitreichende Folgen: In einem anderen Verfahren wurde er wegen Drogenhandels angeklagt. Dabei ist vor allem die Vorgeschichte der Vergewaltigung von Belang. Denn die dreht sich um eine große Kühltasche, die mit „Haschisch und Gras“ gefüllt war. 

Freundschaftsdienst mit fatalen Folgen

Die 16-Jährige habe ihrer besten Freundin Alexandra nur einen Gefallen tun wollen: Die habe in ihrer Wohnung nämlich die Drogen ihres festen Freundes versteckt. Als Alexandra in den Urlaub fahren wollte, musste der „Stoff“ jedoch übergangsweise den Besitzer wechseln. 

Daraufhin habe der besagte Freund der 16-Jährigen die Tasche übergeben. Einen Tag lang sollte sie darauf aufpassen. Allerdings war es ihr dann doch nicht geheuer, die Drogen mit in ihr Elternhaus zu nehmen: Direkt nachdem sie die Kühltasche bekommen habe, sei sie mit dem Bus zu einem Spielplatz in Dörnigheim gefahren, erzählt die Maintalerin. „Da hab ich die Tasche unter einem Laubhaufen versteckt.“ Gemeinsam mit einem Freund habe sie darauf aufgepasst und auf einmal sei die Tasche weg gewesen.

Panisch sei sie nach Hause gegangen und habe sich nicht wie vereinbart bei Alexandras Freund gemeldet. Am Abend habe er dann mit seinem Bruder vor der Tür gestanden. „Sie hatten angenommen, ich hätte es verkauft“, sagt die junge Frau noch relativ gefasst, als sie im Zeugenstand aussagt.

Heftige Drohung gegen 16-Jährige

Daraufhin hätte sie die beiden zu Niko T. begleiten sollen, „um die Sache zu klären“. Dort hätten sie ihr Personalausweis, Schlüssel und Handy abgenommen, sie zur Rede gestellt, wem sie die Drogen gegeben habe.
„Sie haben gesagt, dass sie mich so lange Anschaffen schicken, bis ich die ganze Summe abbezahlt habe“, erzählt sie mit brüchiger Stimme und Tränen in den Augen.

Sie muss sich sammeln, bevor sie fortfährt: „Niko hat mich bedroht und geschlagen“, sagt sie und schluchzt. Die Verhandlung muss unterbrochen werden. Niko T. sei dann mit ihr nach Frankfurt gefahren und habe sie dort in einem Hotelzimmer mehrfach vergewaltigt. Als sie gehen wollte, habe er sie festgehalten. 

Angeklagter sagt keinen Ton

An vieles könne sie sich nicht mehr erinnern. „Ich wollte das alles nur verdrängen.“ Mehrere Stunden wird sie vom Vorsitzenden Richter Dr. Mirko Schulte und Nikos Verteidiger Thorsten Tuma zu allen Details des Tattages befragt.
Dabei richtete sich Tuma eindringlich an die Zeugin, die in dem Prozess auch als Nebenklägerin auftritt: „Für meinen Mandanten steht einiges auf dem Spiel“, sagt er.

Im Falle eines Geständnisses würden ihm mindestens zwei Jahre Haft drohen. „Wenn Sie also lügen, wäre es jetzt an der Zeit, das zu sagen.“ Doch von einem Geständnis war nur kurz die Rede, als Tuma klarmachte, dass zu Prozessbeginn keiner damit rechnen brauche. Sein Mandant äußerte sich an keiner Stelle.

Facebook-Chats sollen Aufklärung bringen

Stattdessen hat er zusammen mit dem Vorsitzenden Richter eine schiere Aufklärungswelle losgetreten: Denn für die weitere Verhandlung sollen mehrere Facebook-Chats, medizinische Gutachten zur Einschätzung der psychischen Gesundheit sowie diverse zusätzliche Zeugen zu Rate gezogen werden. 

Am  Dienstag wird die Verhandlung fortgesetzt. Als Zeugen sind unter anderem die Eltern des mutmaßlichen Opfers, die ermittelnden Polizeibeamten sowie zwei junge Männer geladen, die an den Drogengeschäften beteiligt gewesen sein sollen. 

 

Der Fall
Im Frühjahr 2016 soll der 22-Jährige Niko T. eine 16-Jährige Maintalerin, nach einem Streit in der Drogenszene in einem Hotelzimmer mehrfach vergewaltigt haben. Er habe sie darin bis zum nächsten Morgen festgehalten und gegen ihren Willen sexuelle Handlungen an ihr vollzogen. 
3. Mai 2018: Die Staatsanwaltschaft erstattet gegen Niko T. wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung Anzeige. 
20. Januar: Beim Prozessauftakt vor der 5. Großen Strafkammer des Hanauer Landgerichts schweigt der Angeklagte zu den Vorwürfen. Die zum Tatzeitpunkt noch minderjährige Nebenklägerin sagt als Zeugin aus.
21. Januar: Beim zweiten Verhandlungstermin sollen die Eltern des mutmaßlichen Opfers, zwei Polizeibeamte sowie zwei junge Männer in den Zeugenstand treten, die in die Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein sollen.


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