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Das Ehepaar Hübner sucht eine behindertengerechte Wohnung

Maintal

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    Pause auf einem bereitstehenden Stuhl. Die knapp 50 Stufen bis hinauf in die Dachgeschosswohnung sind für Horst Hübner eine Qual. "Die Muskeln und die Puste machen nicht mehr mit", sagt der gehbehinderte Rentner. Foto: Martina Faust

Maintal. Stufe folgt auf Stufe. Für Horst Hübner eine Qual. Eine Qual, die scheinbar nicht endet. Die knapp 50 Treppen vom Untergeschoss bis hinauf in die Dachgeschosswohnung im dritten Stock sind für den gehbehinderten Rentner eine Tortur. Auf jedem Treppenabsatz pausiert er, schnappt nach Luft. 

Artikel vom 05. Januar 2020 - 16:52

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Von Martina Faust

Ähnlich geht es seiner Frau. Seit zehn Jahren sucht das Ehepaar deshalb eine andere Wohnung. Bislang vergebens.

Bezahlbarer Wohnraum ist in Maintal knapp. Noch schwieriger ist es, eine günstige Mietwohnung zu finden, die zudem barrierefrei ist. „Wir würden ungern ausziehen. Wir wohnen seit Mitte der 70er Jahre in diesem Haus. Unsere Kinder sind hier groß geworden. Das Dachgeschoss haben wir damals zusammen mit dem Vermieter selbst ausgebaut. Es ist eine wunderbare Wohnung“, erzählt Horst Hübner.

Verlassen der Wohnung graut

Aber alle behagliche Gemütlichkeit hilft nichts, wenn dem Ehepaar vor jedem Verlassen der Wohnung graut. „Erledigungen wie Arztbesuche und Einkäufe mache ich mit meinem Elektromobil“, erzählt der Senior. Mit dem Gefährt kann er über eine mobile Rampe direkt ins Untergeschoss und es dort abstellen. Soweit, so gut. Aber dann geht sein Blick nach oben und sieht Stufen, Stufen und scheinbar kein Ende. „Ein Treppenlifter kostet ungefähr 30 000 Euro. Das können wir uns nicht leisten“, sagt er. Also nimmt er den langen Weg nach oben in Angriff. Stufe um Stufe geht es voran. Langsam. Ganz langsam.

Die Hübners hatten auf eine der behindertengerecht hergestellten Wohnungen in dem Mehrfamilienhaus Am Weides 67 in Hochstadt gehofft. „Dort hätten wir unseren behandelnden Arzt im Haus und hätten es nicht so weit zum Friedhof, wo unsere Tochter und ein Enkelkind bestattet sind“, erzählt Horst Hübner. Allerdings richten sich die mit öffentlichen Mitteln des Kreises geförderten Wohnungen an Menschen mit mittlerem Einkommen. Für einen Zwei-Personen-Haushalt liegt es bei 23 627 bis 28 351 Euro jährlich. Das erreichen die Hübners nicht.

„Ich beziehe eine kleine Rente und meine Frau Grundsicherung“, erläutert Hübner. Für den Neubau Am Weides kommen sie damit nicht in Frage. Zwar hat die Stadt das Belegungsrecht für weitere acht barrierefreie Sozialwohnungen, die sich alle im Stadtteil Hochstadt befinden, allerdings „erfolgte die letzte Freimeldung einer dieser Wohnungen 2014“, informierte Maintals Pressesprecherin Nicole Bilz kürzlich.

Eine Portion Glück

Sobald eine dieser Wohnungen verfügbar ist, braucht es für den Zuschlag allerdings noch eine Portion Glück. „Wird eine solche Sozialbauwohnung frei, muss der Vermieter dies der Stadt Maintal melden. Die Stadt darf dann mindestens drei Bewerber vorschlagen. Die Entscheidung über die Vergabe der Wohnung durch die Auswahl eines der Bewerber trifft allein der Vermieter“, erläutert Bilz das Procedere.

Die Suche des Ehepaars Hübner war bislang erfolglos. Dass die neuen Wohnungen im Baugebiet Am Weides ausschließlich für Menschen mit mittlerem Einkommen gedacht sind, können sie nicht nachvollziehen. „Wir zahlen seit Jahrzehnten zuverlässig unsere Miete, aber das zählt scheinbar nicht“, sagt Hübner konsterniert.

Weitere 28 barrierefreie und seniorengerechte Wohnungen gibt es im Betreuten Wohnen des Deutschen Roten Kreuzes in der Ascher Straße/August-Bebel-Straße. Allerdings möchten die Hübners in Hochstadt bleiben. Hier sind sie verwurzelt. „Wir würden wirklich ungern ausziehen. Aber jetzt, wo die Knochen kaputt sind, sind wir auf eine behindertengerechte Wohnung angewiesen“, sagen sie und hoffen, dass sich vielleicht doch noch die Chance dazu ergibt.



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