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Muslimische Gemeinde räumt den Silvestermüll von den Straßen

Maintal

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    Schon früh auf den Beinen: Die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde legten gleich nach nach dem Morgengebet los. Mit Besen und Greifern ausgerüstet rückten sie dem Unrat zu Leibe. Foto: Rainer Habermann

Maintal. Alle Jahre wieder: eigentlich ein geflügeltes Wort, das mit Weihnachten eng verbunden ist. Doch es trifft auch auf die Ahmadiyya Muslim Jamaat zu. Seit rund 20 Jahren machen sich am Neujahrsmorgen die Muslime dieser Gemeinde auf zum gemeinschaftlichen Gebet, danach zum  Frühstück und anschließend zum kollektiven Putzen. 

Artikel vom 01. Januar 2020 - 15:03

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Von Rainer Habermann

Sie reinigen Straßen, Gehwege und Plätze von dem, was beim Feuerwerk am Silvesterabend übrig geblieben ist. Und das ist der Müll, in den sich Böller, Batterien und Raketen verwandelt haben, nachdem der Knall- und Leuchteffekt verpufft ist. 

Erst wird gebetet, dann aufgeräumt

Bereits um 6 Uhr in der Früh versammelten sich die Gemeindemitglieder in ihrem Gebetszentrum in der Dörnigheimer Breitscheidstraße, um gemeinsam mit dem Imam Sajil Malik und dem Gemeindevorsteher Faheem Ahmad das Morgengebet zu sprechen. Und sich auch etwas aufzuwärmen, denn das Thermometer zeigt deutliche Minusgrade.

Frauen, Kinder und Männer der muslimischen Gemeinde (Jamaat) versammeln sich hier. Ein paar leckere Speisen, ein heißer Tee, dann schwärmen gut 50 jüngere und ältere Ahmadi aus in die Straßen Dörnigheims, Bischofsheims und Hochstadts, ausgerüstet mit Greifzangen, Besen, Schaufeln und Müllsäcken. 

Aktion findet bundesweit statt

„Wir machen das bundesweit in rund 240 Kommunen, in denen unsere Gemeinde präsent ist“, erzählt der Imam. „Wir leben als Muslime hier in Deutschland, wir fühlen uns auch als Deutsche. Und für uns heißt Integration, dass man das Land, in dem man lebt, auch liebt. Wir wollen der Stadt oder der Kommune, in der wir wohnen, arbeiten und leben, auch etwas zurückgeben“, schildert Sajil Malik die Beweggründe für die regelmäßig stattfindende Aktion.

Natürlich können die Muslime keine komplette Straßenreinigung ersetzen, ihr Handeln hat symbolische Bedeutung und ist tief im Glaubensbekenntnis und Selbstverständnis der Ahmadi (so nennen sich ihre Mitglieder selbst) verwurzelt. 

Aber wer sich am Neujahrsmorgen als Anwohner beispielsweise in der Bischofheimer Goethestraße, am Bürgerhaus oder an der Feuerwehr aus dem Fenster lehnte, mag sich verwundert die Augen gerieben haben: „Nanu? Wer sind denn die Heinzelmännchen, die da die Straße fegen und die ganzen Kartonagen und den Dreck mit all dem, was heute Nacht noch so schön geknallt hat, wegräumen?“ 

Auf den Straßen ist wenig los

Ein dick vermummter Hunde-Gassigeher kommt vorbei, lächelt und wünscht „Prost Neujahr!“ Die Antwort ist ein freundliches „Wassalam“ zurück. Salam ist das arabische Wort für Frieden, als Gruß bedeutet es in etwa: „Friede sei mit Dir“. Aber es sind nur wenige Menschen auf der Straße, früh am Morgen des 1. Januar. Die meisten schlummern wohl noch im warmen Bett, nach einer Feiernacht.

Und so entgeht ihnen eine freundliche Geste, gedacht als Dienst an der Allgemeinheit. Von (um nur einige Namen zu nennen) Sahid und Mohammed Ahmed, Malhi Mudassar, oder Ibehaj Cheema. „Der Sohn des Präsidenten“, sagt einer. Alle lachen fröhlich, es herrscht eine überaus spaßige Atmosphäre während der gesamten Putzarbeit. Und man versteht, warum der Leitspruch dieser Muslime lautet: „Liebe für alle, Hass für keinen“. 



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