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Selbstbehauptungskurs an der Wilhelm-Busch-Schule

Maintal

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    Erschöpft , aber stolz und glücklich: Die Dritt- und Viertklässler der Wilhelm-Busch-Schule nach dem erfolgreichen Selbstbehauptungstraining. Foto: Ulrike Pongratz

Maintal. Andreas Baumbach hat an der Wilhelm-Busch-Schule einen Kurs für Grundschüler geben, bei denen die Kinder lernen sollten, sich in gefährlichen Situationen richtig zu verhalten. 

Artikel vom 06. Dezember 2019 - 12:38

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Von Ulrike Pongratz

„Nein! Lassen Sie mich los!“ Doch der kräftige Mann in Schwarz hält das Kind weiter fest am Handgelenk. „Bitte, helfen Sie mir!“, sagt das Kind laut und deutlich. Auch der Aggressor wendet sich kurz der Angesprochenen zu – das ist der Moment, ihm ordentlich ans Schienbein zu treten und so schnell wie möglich abzuhauen. Für diese gelungene Vorführung ist den Dritt- und Viertklässlern der Wilhelm-Busch-Schule der Applaus der Eltern sicher.

Mit Bravour meistern die Kinder die letzte Übung, die ihnen Trainer Andreas Baumbach zum Abschluss des fünfstündigen Kurses „Starke Kinder – von Anfang an!“ mit auf den Nachhauseweg gibt. Viel Lob vom Trainer gibt es außerdem. Alle Schüler haben begeistert mitgemacht – und viel gelernt. Man sehe deutlich, wie sich nach nur einem Training die Körpersprache der Kinder verändern würde, so der Trainer.

Kinder lernen sich in gefährlichen Situationen richtig zu verhalten

Andreas Baumbach ist Polizist der Bundespolizei am Flughafen Frankfurt und gibt darüber hinaus Kurse zu Konflikttraining und Selbstbehauptung. Er kam auf Einladung des Fördervereins der Wilhelm-Busch-Schule nach Dörnigheim. Insgesamt drei Kurse für jeweils 28 Kinder fanden im November statt, alle unter Leitung des Instituts für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konflikttraining (i-gsk), das von Polizeihauptkommissar Peter Wengler gegründet worden ist. Am vergangenen Samstag lernten die Schüler der Jahrgänge drei und vier in der Turnhalle der Grundschule, wie sie sich in Gefahrensituationen selbst helfen und behaupten können. 

Andreas Baumbach hat sich mit seinem Selbstbehauptungstraining auf Grundschüler spezialisiert. „Die Kinder lernen hier, sich in gefährlichen Situation entsprechend zu verhalten“, sagt Baumbach, „damit sie erst gar nicht eine 'Opferrolle' einnehmen.“ Ein selbstbewusster, aufrechter Gang, eine laute Stimme und ein deutliches „Nein“ seien gute Voraussetzungen, um sich gut behaupten zu können und sich aus gefährlichen Situationen befreien zu können. 

Simulation von Situationen

Im Selbstbehauptungstraining wird mit Gesprächsrunden, Rollenspielen und Übungen gearbeitet. Dabei lernen die Schüler in fünf Stunden mit sehr viel Spaß und Spiel drei wesentliche Verhaltensweisen, die sie spielerisch ausprobieren und im Alltag leicht umsetzen können. Das Auftreten sei enorm wichtig, müsse man sich selbst helfen. Sätze wie „Hau ab!“, „Lass mich!‘“ oder „Hör auf!“ sollten laut und deutlich signalisieren, dass man Übergriffe nicht dulde. Kein Kind solle sich schämen, Angst zu haben. „Deine Angst kann dein Leben retten!“ steht als sechste Regel auf dem Flyer, den die Kursteilnehmer von Andreas Baumbach erhalten. 

Trainer Andreas Baumbach will, dass Kinder Haltung zeigen – auch beim Empfmag der Urkunde.

Mit der letzten Übung vor ihren Eltern zeigen die Grundschüler, dass sie auch die Schritte zwei und drei an‧wen‧den können. Trainer Andreas Baumbach und Anna Stahnke, Mutter einer Schülerin und wertvolle Unterstützung beim Selbstbehauptungstraining, simulieren die Konflikt- und Stresssituation täuschend echt. Böse schaut Baumbach die Kinder an und packt sie fest. Je nach Temperament treten manche Kinder heftig gegen sein Schienbein, das der Polizist wohlwissend mit einem Protektor gut geschützt hat.

Urkunden für die Teilnehmer

„Einige Kinder machen den Kurs bereits zum zweiten Mal. Es ist schön zu sehen, dass sie das richtige Verhalten schnell wieder abrufen können“, so Baumbach. Schließlich enthält der Flyer auch einige Tipps für Eltern, damit ihre Kinder selbstbewusst und selbstständig aufwachsen. Viel Geborgenheit und eine sichere Vertrauensbasis sowie Respekt vor der Persönlichkeit des Kindes sind die Basis, auf der sich selbstbewusstes Verhalten entfalten kann. 

Dass sie auf einem guten Weg sind, haben die 29 Dritt- und Viertklässler eindrucksvoll auch der Konrektorin Ines Rahner bewiesen. Erschöpft, aber stolz und glücklich, nahmen sie ihre Urkunden in Empfang. Mit Handschlag überreichte Andreas Baumbach das Zertifikat jedem Teilnehmer persönlich – und freute sich über Haltung, Augenkontakt und einen festen Händedruck.

 



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