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Sozialwohnungen: In Maintal gibt es zwei Berechtigungsscheine

Maintal

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    Interesse an einer der Sozialwohnungen, die Am Weides 67 entstehen, hat eine dreiköpfige Familie aus Bischofsheim. Doch hierfür ist ein spezieller Wohnberechtigungsschein erforderlich, auf den die Familie auf Grundlage ihres Einkommens keinen Anspruch hat. Foto: Carolin-Christin Czichowski

Maintal. Sie haben ordentlich Wut im Bauch, sprechen von Diskriminierung und fühlen sich als Dritte-Klasse-Menschen. Die Rede ist von einer dreiköpfigen Familie aus Bischofsheim, die sich als Empfänger von Sozialleistungen um eine der neun geförderten Neubauwohnungen Am Weides 67 in Hochstadt beworben hatte

Artikel vom 21. November 2019 - 11:09

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Von Martina Faust

Ohne Erfolg. Der Grund: Die Sozialwohnungen, die dort entstehen, richten sich an Menschen mit mittlerem Einkommen. 

Sozialwohnungen sind mit öffentlichen Geldern geförderte Wohnungen, die einer Mietpreisbindung unterliegen und nur mit einem Wohnberechtigungsschein bezogen werden können. Bei diesem Wohnberechtigungsschein gibt es in Maintal neuerdings eine Abstufung, indem er für niedrige und für mittlere Einkommen ausgestellt wird.

Deutlich unterhalb der Grenze

Das Wohnbauprojekt Am Weides 67 ist das erste und bislang einzige in Maintal, das sich an Personen mit mittlerem Einkommen richtet. Weitere Wohnungen sollen in der Siemensallee in Dörnigheim entstehen. Diese Wohnungen können dann von Maintalern bezogen werden, deren Jahreseinkommen bei einem Zwei-Personen-Haushalt zwischen 23 627 und 28 351 Euro liegt. Für jedes zum Haushalt gehörende Kind werden zusätzlich 650 Euro jährlich angerechnet.

Das Bischofsheimer Ehepaar samt Tochter, das namentlich nicht genannt werden möchte, liegt deutlich unterhalb dieser Grenzen. „Wir finden, es ist ein Armutszeugnis für die Stadt Maintal, ihren Mitbürgern eine Wohnung zu verweigern, nur weil wir Frührente und Grundsicherung sowie Hartz IV beziehen“, sagen sie. Denn durch die staatlichen Sozialleistungen hätte die Familie „nur“ Anspruch auf eine Sozialwohnung für Menschen mit niedrigem Einkommen. Hier liegt die Obergrenze für einen Zwei-Personen-Haushalt bei einem Jahreseinkommen von 23 626 Euro. Hinzu kommen 650 Euro pro Kind.

Anzahl der Wohnungen ist stark gesunken

„Bislang gibt es in Maintal ausschließlich Sozialwohnungen für Personen mit niedrigem Einkommen“, erklärt Pressesprecherin Nicole Bilz. Von den 456 Sozialwohnungen in Maintal hat die Stadt Maintal allerdings nur Zu-
griff auf 233 Wohnungen. Für 158 Wohnungen hat die Stadt Frankfurt das Belegungsrecht, für 35 Wohnungen die Baugenossenschaft Maintal.

Die Zahl der Sozialwohnungen ist in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Mitte der 90er gab es rund 2000, zehn Jahre später etwa 1300. Mittlerweile sind es deutlich unter 500, doch der Bedarf ist deutlich größer. Deshalb gibt es den politischen Beschluss, dass bei Neubauten im Geschosswohnungsbau der Anteil an Sozialwohnungen bei mindestens 30 Prozent liegt. „Nutznießer dieser geförderten Wohnungen sind insbesondere Personen mit niedrigem Einkommen“, erläutert Bilz.

Diverse Kriterien bei der Auswahl

Auf diese Wohnungen hätten die Bischofsheimer Anspruch. Nicht aber auf die Drei-Zimmer-Wohnung Am Weides 67, um die sie sich beworben hatten. An einem Umzug waren sie vor allem deshalb interessiert, weil ihre aktuelle Wohnung nach einem Brand starke Löschwasserschäden aufweise. „Dass wir nicht für diese Wohnung geeignet sind, empfinden wir als Diskriminierung und fühlen uns sehr benachteiligt“, sagt das Ehepaar. „Wir sind eine dreiköpfige sozial schwache Familie und bekommen keine dieser Wohnungen für sozial schwache Menschen. Dabei sind wir sogar noch unter der angegebenen Einkommensgrenze.“

Für die neun mit öffentlichen Mitteln geförderten Wohnungen Am Weides 67 wurden aktuell zwei entsprechende Wohnberechtigungsscheine ausgestellt, weitere Anträge werden bearbeitet. Sollte die Zahl der Interessenten die Zahl der Wohnungen übersteigen, wendet die Stadt bei der Vergabe zusätzliche soziale Kriterien wie drohende Obdachlosigkeit an, aber auch aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Maintal haben zur Sicherung der Einsatzbereitschaft Vorrang.



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