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Busstreik: Pendler und Schüler müssen auf Autos umsteigen

Maintal

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    Chaotisch ging es zuweilen rund um das Bischofsheimer Schulzentrum vor, weil viele Eltern ihre Kinder durch den Busstreik mit dem Auto zur Schule brachten Foto: Jan-Max Gepperth

Maintal. Vor dem Schulzentrum in Bischofsheim bildeten sich am Dienstagmorgen lange Autokolonnen. Statt des regulären Schulbusverkehrs waren vor allem Eltern im Einsatz, um den Nachwuchs zur Schule zu fahren. Der Stadtverkehr Maintal hatte mitgeteilt, dass ab Dienstag, „und bis auf Weiteres die SVM-Linien bestreikt werden“.

Artikel vom 19. November 2019 - 16:37

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Von Jan Max Gepperth und Martina Faust

Deshalb ist auch in den Folgetagen damit zu rechnen, dass der Busverkehr in Maintal und den umliegenden Städten ruht. Nach einer weiteren gescheiterten Verhandlungsrunde für bessere Arbeitsbedingungen hat die Gewerkschaft Verdi unbefristete Streiks ausgerufen, um den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen. Dieser Druck wird zu den Stoßzeiten im Straßenverkehr besonders anschaulich. Von Pendlern und Schülern ist derzeit Flexibilität gefragt. 

Pendler haben Verständnis für streikende Busfahrer

Es ist 7.40 Uhr. Am Bischofsheimer Schulzentrum, genauer gesagt auf dem Parkplatz des Albert-Einstein-Gymnasiums, herrscht reger Verkehr. Autos halten an, Eltern lassen ihre Kinder schnell rausspringen und fahren anschließend weiter. Obwohl viele nach Bekanntwerden des unbefristeten Streiks binnen weniger Stunden neu planen mussten, zeigen die meisten Verständnis für den Ausstand.

„Ich finde es wichtig, dass die Busfahrer streiken“, sagt Sanya Toteva. Sie unterstützt zudem, dass die Streikenden auch konsequent bleiben, fügt aber hinzu, dass die Situation für sie dadurch nicht leichter werde. Dem kann sich ein Vater, der anonym bleiben möchte, nur anschließen: „Man muss alles umorganisieren. Besonders schwierig wird es, wenn man mehrere Kinder an unterschiedlichen Schulen hat.“

Fahrgemeinschaften die Lösung

Die meisten befragten Eltern fahren ihre Kinder üblicherweise nicht zur Schule oder nur sehr selten. „Man hofft, dass alles ein gutes Ende nimmt und der Streik nicht zu lange dauert“, erklärt eine weitere Mutter. Einige haben sich zu Fahrgemeinschaften zusammengefunden, um die Situation ein wenig zu entspannen.

Doch nicht alle Eltern zeigen diese Initiative. „Beim letzten Busstreik waren nur zwölf von 29 Kindern in der Klasse“, berichtet eine andere Mutter, die den Kopf über die Reaktion mancher Eltern schüttelt. 

Bei Abmeldungen soll die Schule großzügig bleiben

Auch die stellvertretende Schulleiterin der Einsteinschule, Katharina Schmitt, ist gespannt, wie voll ihre Klassen sein werden. „Wir müssen einfach mit der Situation klarkommen“, sagt Schmitt. Auf die Fragen ihrer Schüler, wie sie denn zur Schule kommen sollten, empfahl die stellvertretende Rektorin, Fahrgemeinschaften zu bilden. Auch sie habe Verständnis für die Busfahrer, fände es aber selbstverständlich nicht gut, wenn Schüler nicht zum Unterricht erschienen. 

Abmeldungen von Schülern, die aufgrund des Streiks nicht zum Unterricht erscheinen könnten, lagen gestern Morgen allerdings keine vor, wie Sekretärin Bettina van der Stap erklärt. Auch beim letzten Streik sei die Anzahl sehr überschaubar gewesen. „Generell haben wir jedoch die Anweisung vom Schulamt, dass wir großzügig vorgehen sollen“, so van der Stap.

Taxiunternehmen profitieren

Und während die Busse im Depot blieben und bleiben, brummt das Geschäft bei den Taxiunternehmen. „Solche Tage sind wie Weihnachten und Geburtstag zusammen“, sagt Zdravko Milovanovic von Taxilo Maintal. Als regelmäßiger Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel könne er nachempfinden, vor welchen Herausforderungen manche Pendler stünden.

„Aber wir sind froh, dass es solche Tage gibt, an denen das Telefon nicht still steht, gerade, weil wir durch Uber in Frankfurt starke Konkurrenz bekommen haben“, sagt er. Uber, das ist ein Fahrdienstvermittler, bei dem Privatpersonen die Beförderung übernehmen, zu Konditionen, die etwas günstiger sind als reguläre Taxifahrten.

Auch Taxis können Nachfrage kaum bewältigen

Allerdings könne man nicht alle Kundenanfragen bedienen. „Ich musste leider auch einigen Kunden absagen. Wir sind heute zu dritt im Einsatz und dauernd unterwegs. Wir können uns auch nicht teilen. Hinzu kommt der Berufsverkehr und auch mal Stau, weil jetzt alles auf der Straße ist. Dadurch können wir manche Termine nicht einhalten“, erzählt er. 

Auch beim Taxiunternehmen Maintaler Taxi gingen gestern zahlreiche Anfragen ein. „Es geht vor allem um Fahrten nach Frankfurt und Hanau“, erklärt Geschäftsführer Hsain Fettat, der durch den Busstreik ebenfalls mehr Umsatz macht. Des einen Freud' ist eben des anderen Leid.



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