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Hochstadt: 80 Prozent stehen ohne Hortplatz da

Maintal

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    In Hochstadt sind Eltern angehender Grundschulkinder verunsichert. Symbolbild: Pixabay

Maintal. Es ist das Schreckgespenst berufstätiger Eltern mit Kindern im Vorschulalter: die Absage für einen Hortplatz. Insbesondere für Mütter, die nach der Elternzeit auch durch den Ausbau des Betreuungsangebots für Kinder unter drei Jahren be​ruflich wieder Fuß fassen, sind mit der Hiobsbotschaft Existenzängste verbunden.  

Artikel vom 18. November 2019 - 11:18

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Von Martina Faust

In Hochstadt gibt es gerade eine Reihe von Familien, die dieses Gefühl nur zu gut kennen. Seit jenem Tag vergangener Woche, als sie in der Kita einen Infobrief des Vereins Kaleidoskop erhalten haben, der über das allgemeine Vorgehen bei der Vergabe eines Betreuungsplatzes für Grundschüler der Hochstädter Fritz-Schubert-Schule aufklärte. Dort findet sich eine Formulierung, die viele Familien verunsichert: „Legen wir die aktuellen Prognosen und Anmeldungen zugrunde, können wir nur an etwa 20 Prozent der Vormerkungen einen Platz vergeben“, heißt es dort.

79 Vormerkungen für nur 19 Betreuungsplätze

Diese aktuellen Prognosen basieren auf den bekannten Abgängen der vierten Klassen und den bereits eingegangenen Vormerkungen beziehungsweise Schulanmeldungen, erläutert der zuständige Ansprechpartner bei Kaleidoskop, Mike Schäfer auf Anfrage. 

In Zahlen übersetzt stellt sich die Situation wie folgt dar: Voraussichtlich 19 Betreuungsplätze werden vakant. Dem gegenüber stehen 79 Vormerkungen. „Selbstverständlich ist dies nur eine Momentaufnahme und kann sich bis zum Schuljahresbeginn verändern. Sowohl, was die Anzahl der Vormerkungen als auch die der freiwerdenden Plätze betrifft“, fügt Schäfer hinzu.

Mangel an Alternativen

Doch dieser Hinweis dürfte nur bedingt geeignet sein, um die Eltern zu beruhigen. Damit Familien von Schulanfängern so früh wie möglich eine verlässliche Planungsgrundlage für das Schuljahr 2020/21 erhalten, empfiehlt der Verein, „bereits frühzeitig alternative Betreuungsmöglichkeiten anzufragen“. Außerdem habe man das Vergabeverfahren im Vergleich zum Vorjahr um drei Monate nach vorne gelegt.

Für die Familien der jetzigen Vorschulkinder stellt sich allerdings die Frage, wo sie nach diesen Alternativen suchen sollen. Denn in der benachbarten städtischen Kita Bücherweg beispielsweise wurden die Hortplätze in den vergangenen Jahren zugunsten der Betreuung von Kindern unter und über drei Jahren gestrichen. Schließlich besteht hier ein Rechtsanspruch, den die Stadt erfüllen muss. Bei Betreuungsplätzen für Grundschulkinder sieht das anders aus. Entsprechend ist der Übergang von Kita in Schule für berufstätige Familien eine sensible Zeit. Denn ohne Betreuungsplatz steht mitunter der Job eines Elternteils auf der Kippe. 

Erhöhung der Kapazitäten nicht möglich

„Wir Eltern sind verzweifelt“, erklärt eine Mutter, die namentlich nicht genannt werden möchte, gegenüber unserer Zeitung. „Auch wir haben ein Haus gekauft und können mit einem Gehalt definitiv nicht die Hypothek und so weiter bezahlen“, erzählt sie und verweist darauf, dass sie bei weitem kein Einzelfall seien.

Während Kaleidoskop darauf verweist, dass „unter den derzeitigen Voraussetzungen eine Erhöhung der Kapazitäten (finanzielle, personelle und räumliche Möglichkeiten, Anm. d. Redaktion) nicht möglich ist, da dies zu einer erheblichen Minderung der Betreuungsqualität führen würde“, können betroffene Eltern das Argument nur bedingt nachvollziehen und verweisen darauf, dass man Räumlichkeiten in der Adolf-Diesterweg-Schule nutzen könnte und bis zum Sommer ausreichend Zeit bliebe, um Personal einzustellen. 

Stadt gibt sich überrascht

Unabhängig von der Ankündigung von Kaleidoskop, „nach Perspektiven zu suchen, wie eine potenzielle Entwicklung aussehen könnte“, hat sich mittlerweile auch die Stadt Maintal eingeschaltet, die selbst erst vor wenigen Tagen über die Situation informiert wurde.  „Die Aussage, dass es für das kommende Schuljahr nicht ausreichend Betreuungsplätze geben soll, hat uns überrascht. Denn eine Erweiterung für das Schuljahr 2020/21 wurde durch den Träger in Aussicht gestellt“, erklärt Pressesprecherin Nicole Bilz.

Bürgermeisterin Monika Böttcher habe sich im vergangenen Schuljahr intensiv für eine Erweiterung der Platzkapazitäten eingesetzt und einen Runden Tisch mit allen Akteuren – Schulleitung, Schulträger, Träger der Betreuung und Eltern – eingerichtet, sodass Eltern mit dringenden Bedarf einen Betreuungsplatz erhalten hätten.
„Wir haben schon Gespräche mit den Schulträger aufgenommen und werden gemeinsam mit den Beteiligten an einer Lösung arbeiten, die die Bedürfnisse der Eltern berücksichtigt“, kündigt Nicole Bilz an. Derzeit gibt es insgesamt 123 Betreuungsplätze an der Fritz-Schubert-Schule – und schon jetzt eine Warteliste.



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