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Maintaler Kinderbeauftragte Irene Morgenstern hört auf

Maintal

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    Begegnung auf Augenhöhe. Für Irene Morgenstern war das Amt der Kinderbeauftragten eine Herzensangelegenheit. Archivfoto: PM

Maintal. Es ist eine Entscheidung, die mit großem Bedauern verbunden ist. Aber sie war unumgänglich. Irene Morgenstern hat ihr Ehrenamt als Kinderbeauftragte im Sommer niedergelegt. Aus persönlichen Gründen. „Ich habe pflegebedürftige Eltern, um die ich mich stärker kümmern muss“, sagt sie im Gespräch mit dem TAGESANZEIGER.

Artikel vom 05. November 2019 - 11:32

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Von Martina Faust

Zurückgezogen aus dem Ehrenamt, das sie im April 2016 als Nachfolgerin der heutigen Bürgermeisterin Monika Böttcher übernommen hatte, hat sie sich bereits im Juli. Breit kommuniziert wurde die Vakanz des Amtes bislang nicht. Lediglich auf der Internetseite der Stadt findet sich ein Hinweis, verbunden mit dem Dank für das Engagement Morgensterns.

Ehrenamt eine Herzensangelegenheit

Dieses Engagement war für die Bischofsheimerin eine Herzensangelegenheit. Es bot ihr die Möglichkeit, den eigenen Blick zu weiten. Als langjährige Leiterin der Waldschule war sie Wegweiserin für die Kinder. Jetzt ließ sie sich von den Jungen und Mädchen leiten. Durch deren Augen beleuchtete sie im vergangenen Jahr im Rahmen einer groß angelegten repräsentativen Umfrage die Situation der Grundschulbetreuung. „Als Schulleiterin wurde ich vor allem mit den Unzulänglichkeiten konfrontiert und war überrascht, wie selbstbewusst und akzeptiert die Betreuung aus Sicht der Kinder ist“, berichtet sie.

Überhaupt beschreibt sie ihr Ehrenamt als „sehr interessant“, insbesondere durch die politische Gremienarbeit. „Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und die Möglichkeit, in die Kommunal‧politik reinzuriechen, waren spannend. Das kannte ich bis dahin überhaupt nicht“, erzählt die 66-Jährige. Diese Anbindung sollte aus ihrer Sicht intensiviert werden.

Kinder- und Jugendbüro geplant

„Es gibt viele ehrenamtliche Kinderbeauftragte in Hessen. Aber idealerweise ist das Amt in der Stadtverwaltung angesiedelt, etwa in einem Kinderbüro. Ich denke, dass das der Weg der Zukunft sein sollte“, sagt sie. Durch den offiziellen Beitritt Maintals zum Programm Kinderfreundliche Kommune, der im September erfolgte, hat Morgenstern große Hoffnung, dass das Ehrenamt der Kinderbeauftragten institutionalisiert wird.

Diese Pläne gibt es auch bei der Stadtverwaltung. „Im Rahmen des Projekts Kinderfreundliche Kommune planen wir die Einrichtung eines Kinder- und Jugendbüros. Dieses soll unter anderem Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche sein und sich für deren Belange einsetzen. Diese Funktion erfüllte bislang die ehrenamtliche Kinderbeauftragte. Wir wollen mit einem Kinder- und Jugendbüro eine hauptamtlich besetzte Anlaufstelle bieten. Damit schließen wir uns auch einer Empfehlung der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunale Kinderinteressenvertretungen an“, informiert die Pressestelle. 

Stelle wird nicht neu ausgeschrieben

Welche Aufgaben das geplante Kinder- und Jugendbüro übernehmen wird, ist noch vollkommen offen. Hierzu soll ein Aktionsplans erstellt werden, der dann von den politischen Gremien beraten und beschlossen werden soll. „Möglicherweise ergeben sich während des Prozesses auch Aufgaben, die weiterhin in ehrenamtliche Hände gegeben werden können. Deshalb können wir aktuell auch nicht ausschließen, dass es künftig eine mit der Kinderbeauftragten vergleichbare ehrenamtliche Position gibt“, erläutert Pressesprecherin Nicole Bilz.

Daher strebt der Magistrat derzeit auch keine Ausschreibung der Stelle an. „Ob die Position weiter bestehen soll und wenn ja, mit welchen Aufgaben, sollte erst entschieden werden, wenn der Weg des Kinder- und Jugendbüros klarer ist. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre aus unserer Sicht eine Ausschreibung sicher nicht sinnvoll, da dann parallele Strukturen geschaffen würden“, erläutert sie die Position des Magistrats. 

WAM fordert zeitnahe Neubesetzung

Für die Wahlalternative Maintal (WAM) steht indessen fest, dass die Stadt zeitnah wieder eine Kinderbeauftragte oder einen Kinderbeauftragten erhalten sollte. Für sie ist das Amt „ein wichtiges Bindeglied zur Stadtverordnetenversammlung“.  Der Wunsch der Wählergemeinschaft nach einer umgehenden Ausschreibung der Stelle wird deshalb heute Abend in der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Jugend, Sport und Kultur Thema sein, der sich ab 19 Uhr im Gemeinderaum von St. Bonifatius an der Klosterhofstraße 4-6 in Hochstadt trifft. Die Entscheidung könnte dann am kommenden Montag, 11. November, in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung fallen.

 

Kinderbeauftragte in Maintal
Maintal war eine der ersten hessischen Kommunen mit einer Kinderbeauftragten. 1990 übernahm Editha Kaudelka das Ehrenamt und prägte es über einen Zeitraum von 15 Jahren. Bis heute ist ihr Name mit dem Amt der Kinderbeauftragten verknüpft. Anfang 2006 wurde die mittlerweile verstorbene Editha Kaudelka mit der Ernennung zur „Ehrenkinderbeauftragten“ in den Ruhestand verabschiedet. Eine weitere Amtsträgerin war die heutige parteilose Bürgermeisterin Monika Böttcher. Die Übernahme der Amtsgeschäfte als Rathauschefin Anfang 2016 führte dazu, dass das Ehrenamt wieder frei und im April desselben Jahres durch die langjährige und zwischenzeitlich pensionierte Leiterin der Waldschule, Irene Morgenstern, besetzt wurde.


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