Lesezeichen hinzufügen hanauer.de als Startseite
heiter
3 ° C - heiter
» mehr Wetter

Über die Schulter geschaut: Robert Giese testet Calisthenics

Maintal

  • img
    Unser Reporter Robert Giese hat sich den sportlichen Herausforderungen von Calisthenics gestellt. Fotos: Mike Bender

Maintal. Seit gut einem Jahr hat die Turngemeinde Dörnigheim einen Calisthenics-Kurs im Angebot – doch was genau ist das überhaupt? Wir haben unseren Mitarbeiter Robert Giese losgeschickt, um aus erster Hand Erfahrungen zu sammeln. Und er kam mit einem schweißgetränkten Erlebnisbericht zurück.

Artikel vom 04. November 2019 - 11:03

Anzeige

Von Robert Giese

Sonntagvormittag: Wie im Vorfeld mit Übungsleiter Jubin Engelhardt verabredet, finde ich mich in der kleinen Sporthalle der Waldschule in Bischofsheim ein, wo Engelhardt und eine kleine Gruppe junger Sportler bereits auf mich warten. Wir absolvieren zunächst eine kurze Aufwärm- und Stretchingeinheit, die sich nicht großartig von dem unterscheidet, was ich von anderen Sportarten kenne. Allerdings fällt mir auf, dass wir die Handgelenke sehr intensiv dehnen – warum, sollte ich bald herausfinden. Bevor es richtig losgehen kann, bauen wir aber erst einmal Reck und Barren auf, die schon kurz darauf eine zentrale Rolle spielen sollen.

Anders als beim klassischen Krafttraining im Fitnessstudio oder Kraftraum kommt bei Calisthenics nur das eigene Körpergewicht zum Einsatz, um die Muskeln in Form zu bringen. Dabei benutzt Übungsleiter Engelhardt mehrere Hilfsmittel, die ich noch aus meiner überschaubar erfolgreichen Zeit beim Kinderturnen kenne, unter anderem den bereits erwähnten Barren und das Reck. Ich selbst muss außer normalen Sportsachen nichts zur normalerweise zweistündigen Trainingseinheit mitbringen – praktisch.

Von Liegestützen zum Reck

Als die Turngeräte stehen, geht es ans Eingemachte: Zunächst stehen 20 Liegestütze auf dem Programm, die wir in der Gruppe absolvieren. Fies ist dabei, dass wir die Position zwischendurch immer eine Weile halten müssen, was auf Dauer ziemlich an die Substanz geht – so ein Körper kann mit der Zeit verdammt schwer werden!

Danach nehmen wir das Reck in Angriff, wo Engelhardt ein paar kurze Anweisungen gibt und wir uns daraufhin in eine aufrechte Stützposition auf der Reckstange bringen. Dann geht es los: Wir beugen unsere Arme, wodurch unser Körper nach unten sinkt, und drücken selbigen dann wieder nach oben. Das sorgt nicht nur für ein zünftiges Brennen in der Schultermuskulatur, sondern auch in anderen Muskeln, denn ich muss mich dabei permanent ausbalancieren. 

Gruppe trifft sich sonntags von 12 bis 14 Uhr

„Ein Vorteil von Calisthenics gegenüber normalem Krafttraining ist, dass dabei auch die Stabilität und das Gleichgewicht trainiert werden“, meint Engelhardt, und ich verstehe, was er meint, muss ich meine baumelnden Beine bei dieser Übung doch einigermaßen stabil halten, um nicht die Balance zu verlieren.

Zu Calisthenics kam Engelhardt, der gerade Abitur macht, durch den Austausch mit einem Trainer im Fitnessstudio. Rasch entstand die Idee, eine eigene Gruppe unter dem Dach der TGD zu gründen, Engelhardt legte seinen Übungsleiterschein ab und begann im September vergangenen Jahres mit den ersten Trainingseinheiten. Momentan trifft sich die Gruppe immer sonntags von 12 bis 14 Uhr, auch wenn Engelhardt den Kurs gerne häufiger anbieten würde, „aber in Maintal sind Hallenzeiten leider sehr knapp“.

Man könne Übungen gut an das Niveau anpassen

Ich selbst bin mittlerweile ins Schwitzen gekommen, denn nach der Übung am Reck hat uns Engelhardt an eine Bank gebeten, wo wir so genannte Dips machen, danach gibt es eine ähnliche Übung am Barren, die mich allmählich an meine Grenzen bringt. Obwohl sich viele Übungen ähneln, sorgt Engelhardt mit kleinen Variationen immer wieder für Abwechslung, sodass es trotz der Quälerei und zunehmend brennender Arme jede Menge Spaß macht. Dabei merke ich, dass bei praktisch jeder Übung nicht nur Arme und Schultern beansprucht werden, sondern quasi nebenher auch die Rumpfstabilität. So langsam wird mir klar, warum es Calisthenics-Profis gelingt, sich wie eine „menschliche Flagge“ an eine senkrechte Stange zu hängen.

Das Niveau finde ich durchaus fordernd, und auch Engelhardt sagt, „dass es von Vorteil ist, wenn jemand schon vorher etwas Kraftsport betrieben hat. Aber man kann die Übungen gut an das jeweilige Niveau anpassen und gewissermaßen auch bei null anfangen.“ In der Gruppe gebe es einige Anfänger, die aber schon große Fortschritte gemacht hätten. 

Mitgliedsbeitrag: für Kinder vier Euro, für Erwachsene sieben Euro

Dabei fokussiert sich die Calisthenics-Gruppe nicht nur auf eine Muskelgruppe, sondern wechselt im Wochenrhythmus den Schwerpunkt – mal liegt der Fokus mehr auf der Brust und dem Bizeps, mal mehr auf den Beinen.

Bevor es an jenem Sonntag mit den Bein-Übungen losgeht, trete ich aber den taktischen Rückzug an – im Rückblick nicht die schlechteste Entscheidung, denn am nächsten Tag habe ich von der ungewohnten Belastung einen ordentlichen Muskelkater in den Schultern. Ich hatte dennoch viel Spaß und für all jene, die eine Alternative zu dem üblichen Krafttraining suchen, könnte Calisthenics die richtige Wahl sein. Günstig ist es obendrein: Außer dem normalen Mitgliedsbeitrag der TG Dörnigheim – für Kinder vier Euro, für Erwachsene sieben – kommen für den Kurs keine weiteren Kosten hinzu.



Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.