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Hegeringleiter Klaus Weyland über Gefahren beim Wildwechsel

Maintal

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    Die Wildunfall-Schwerpunkte in und um Maintal in der Illustration. Die Landesstraßen 3209 und 3008, sowie die K 872 zwischen Wachenbuchen und der Hohen Tanne sind potenzielle Gefahrenstellen, besonders im Herbst bei diffusem Licht. Karte: OpenStreetMap-Mitwirkende, Illustrationen: Pixabay

Maintal. Die Zeit zwischen Herbst und Winter ist die Zeit schwerer und zahlreicher Wildunfälle. Der Hauptgrund dafür: Massen von Pkw bewegen sich am Morgen und Abend viel zu schnell durch diffuses Licht. Die Tiere – in Maintal Rehe, Füchse, Dachse oder Wildschweine – werden dann oft übersehen.
 

Artikel vom 31. Oktober 2019 - 12:28

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Von Christian Balke

In und um Maintal gibt es drei Wildwechsel-Schwerpunkte, an denen die Unfall-Gefahr besonders groß ist, sagt der Leiter des Hegeringes Klaus Weyland: „An der Gemeindegrenze von Maintal zu Frankfurt am Main, rund um den Charlottenhof“, sagt Unternehmer Weyland beim Gespräch in seinem mittelständischen Betrieb in Schöneck-Kilianstädten, „gibt es einen starken Wildwechsel von Schwarzwild und vereinzelt Rehwild über die Landesstraße 3209 ins Enkheimer Ried.“

Und zurück – die Wildschweine und Rehe würden die Fahrbahn dort in beide Richtungen queren: „Eigentlich sind die Sauen schlau und bleiben stehen, wenn sie Scheinwerfer sehen“, sagt Weyland, „aber die Gefahr von Unfällen, gerade wenn die Pkw zu schnell unterwegs sind, ist dennoch da.“

Drei Schwerpunkte um Maintal

Ein zweiter Gefahrenschwerpunkt sei an der östlichen Gemeindegrenze Maintals zu Hanau: „Die Kreisstraße 872, die von Wachenbuchen in Richtung Hoher Tanne verläuft, ist ein Schwerpunkt, gerade bei Wildunfällen mit Rehwild.“ Rotwild, also Hirsche, gebe es in Maintal nicht, sagt der naturbegeisterte Unternehmer lächelnd: „Ich sage immer, dass der Hirsch nicht der Papa von Bambi ist, sondern der Rehbock.“

Auch an der K 872 seien überhöhte Geschwindigkeit und schlechte Sicht Hauptgrund für die Unfälle. Dritter Schwerpunkt mit Bedeutung für Maintal, sagt der Mann aus Mittelbuchen, „ist die Landesstraße 3008, die auf der es nach der langwierigen Sperrung richtig häufig kracht.“ Von dort würde Rehwild in Richtung Maintal die Fahrbahn queren: „Viele Füchse werden auch überfahren.“

Ein Appell an die Autofahrer: 

Die Gefahr von Wildunfällen machten sich Verkehrsteilnehmer leider erst dann klar, wenn es schon gekracht habe: „Dann sind die Leute geschockt und reagieren sehr emotional, wenn ich oder meine Jäger-Kollegen am Unfallort auftauchen.“ Denn die Polizeien im Großraum Hanau/Maintal informieren bei Wildunfällen mittlerweile die Hegeringleitungen, die dann Jäger an die Unfallstellen entsenden: „Ich fotografiere die Fahrzeuge, stelle den Beteiligten die nötigen Papiere aus“, sagt Weyland.

Den Schaden, den ein 100 Kilogramm schweres Wildschwein oder ein 15 bis 18 Kilogramm schweres Reh am Fahrzeug verursachen könnten, würden sich auch nur wenige Verkehrsteilnehmer vergegenwärtigen: „Das sind schon enorme Schäden und Gefahren“, sagt Weyland, „und obwohl die Rehe viel leichter sind, werden sie häufig in die Windschutzscheibe geschleudert. Also langsam fahren!“

Förderung des Lebens und der Vielfalt

Der bürokratische Teil sei dennoch meist Routine, sagt der ranghöchste Jäger der Region, schwierig werde es, wenn das verunfallte Tier schwer verletzt sei und leide: „Mit der Situation können die Menschen oft nicht umgehen“, sagt der Jäger, „und wenn ich sage, dass das Tier erlöst werden muss, reagieren einige sehr emotional.“ Ein schwieriges Verhältnis zum Thema Tod hätten die Menschen, denen der Bezug zur Natur fehle, die nur einen theoretischen, ideologischen Bezug zum Thema hätten.

Ein Unternehmer und „Naturbursche“ mit Liebe für Tiere und Obstbäume im Gespräch: Klaus Weyand. Foto: Christian Balke

Der Mittelbuchener, Jahrgang 1965 und Vater zweier erwachsener Söhne ist nicht des Schießens wegen Jäger: „Wenn man etwa sieht, wie wir an 30 Stellen im Hegering die Population der Rebhühner und Fasane fördern, oder an 30 Stellen Salzlecksteine für Rehwild aufgestellt haben – wir fördern das Leben und die Vielfalt in der Natur und wollen sie erhalten.“

Hundebesitzer müssten vorsichtig sein

Salzlecksteine? „Ja“, sagt der Mann, der betont, wie sehr er die Streuobstwiesen und Wälder seiner hessischen Heimat liebt, „die Rehe, wie anderes Wild auch, lieben die Mineralien aus dem Salz.“ Würden er und seine Kollegen ihnen dies nicht fernab von Straßen zur Verfügung stellen, „dann würden sie das Streusalz von der Straßen lecken und leider häufig totgefahren.“

Überhaupt wolle er an die Maintaler appellieren, bestimmte Regeln zu beachten: „Ich möchte Radfahrer und Mountainbiker bitten, auf ausgewiesenen Wegen zu bleiben“, sagt der Mann, der erst 2004 zur Jägerei kam, „ebenso wie Hundebesitzer bitte darauf achten sollten, dass ihre Tiere nicht durch hohes Gras rennen oder das Unterholz durchstreifen.“

Nähe zur Natur kommt aus der Familie

All' dies sei dazu angetan, dass Rehkitze und auch andere Tiere in Panik versetzt und aus ihren Ruheräumen getrieben würden: „Dann kommt es nämlich auch im Frühjahr oder im Sommer zu Wildunfällen, weil die Tiere vor Menschen oder Hunden flüchten.“ Gegen Hunde, die in der Natur unangeleint laufen würden, sei generell nichts zu sagen: „Nur dann, wenn der Halter sie nicht richtig steuern kann, dann gehört der Hund an die Leine.“ Von Hunden zu Tode gehetzte Rehe gebe es leider viel zu häufig.

Warum ihn die Jagd gereizt habe, fragt die Redaktion. „Ich komme aus einer Familie, in der Landwirtschaft und Obstanbau als Nebenerwerb zum täglichen Leben gehörten“, sagt der Unternehmer in Sachen Medizintechnik, „das hat mich geprägt.“ Jäger habe es vor ihm in der Familie keine gegeben, über die intensive Beschäftigung mit der heimischen Natur sei er in die Jägerschaft hinein gewachsen.

Wer nur schießen will, ist bei den Jägern falsch

Eine tiefe Freundschaft verbinde ihn zudem mit dem ehemaligen Hegeringleiter, zu dem er aufblicke, und der das Amt aus gesundheitlichen Gründen habe abgeben müssen. Der Heimat sei er seit 2015 eben auch über das Ehrenamt des Hegeringleiters verbunden: „Ich bin auch im Vorstand des Dackelvereins.“

Einen kritischen Blick auf die Jagd habe er sich bewahrt: „Wer bei uns mitmachen will, muss bereit sein, zu lernen und in der Natur zu arbeiten“, sagt Klaus Weyland, wer nur schießen wolle, der sei bei ihm und seinen Jägern an der falschen Adresse.

 

Bislang 40 Wildunfälle im Jahr 2019 – Wachenbuchen als Schwerpunkt

Im laufenden Jahr 2019 gab es im Bereich der Hegegemeinschaft II (Bischofsheim, Büdesheim, Dörnigheim, Hochstadt, Kilianstädten, Mittelbuchen, Nidder, Niederdorfelden und Wachenbuchen) 40 gemeldete, behördlich erfasste Wildunfälle. Auf Maintal entfielen 14 davon; Wachenbuchen (7) ist hier vor Hochstadt (4) und Bischofsheim (3) Schwerpunkt.

Im Vorjahr gab es 24 Wildunfälle in Maintal und 61 in der Hegegemeinschaft II. Wachenbuchen (9) lag hier stadtintern vor den Stadtteilen Bischofsheim und Hochstadt (beide 7) und Dörnigheim (1). Insgesamt stiegen die Fallzahlen bei Wildunfällen im Zehn-Jahres-Vergleich in und um die Stadt Maintal stetig an. cwb


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