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Maintal ist bunt: Safia Ahmed lebt seit 19 Jahren in Bischofsheim

Maintal

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    In ihrer Wahlheimat Bischofsheim fühlt sich die gebürtige Somalierin wohl. "Hier bin ich angekommen", sagt sie im Gespräch mit dem TAGESANZEIGER. Foto: Carolin-Christin Czichowski

Maintal. „Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist “, sagt Safia Ahmed. „Ich lebe nun schon mehr als die Hälfte meines Lebens in Deutschland.“ Sie nippt an ihrem Kaffee, ihre dunklen Augen leuchten.

Artikel vom 31. Oktober 2019 - 12:10

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Von Carolin-Christin Czichowski

 „Ich fühle mich wohl in Maintal, bin hier angekommen“, sagt sie. Geboren und aufgewachsen ist Ahmed in Somalia. Ganz im Süden, da, wo Ende des 19. Jahrhunderts die italienische Kolonie entstand. „Mit 15 Jahren bin ich dann mit meiner Mutter und meinen Geschwistern nach Deutschland gekommen“, erinnert sich die heute 39-Jährige. 

Der Weg in ihr neues Zuhause Maintal führte sie zunächst quer durch den Main-Kinzig-Kreis. „Ich habe in Wächtersbach und in Nidderau gelebt“, sagt sie. Doch in Maintal gefällt es ihr am besten. „Ich hatte damals eine Freundin, die in Maintal lebte. Da habe ich noch in Nidderau gewohnt“, erklärt Ahmed. „Als ich meine Freundin in Maintal besucht habe, hat es mir so gut gefallen, dass ich auch hier leben möchte.“

„Meine beiden ältesten Töchter studieren“

Sofort hat sie sich in Maintal wohlgefühlt, hat Anschluss gefunden. Besonders die Mitarbeiter und die Freiwilligen im Stadtteilzentrum Bischofsheim haben ihr das Ankommen sehr erleichtert. „Es gibt in Maintal so viel Hilfe, so viele Stellen, an die man sich wenden kann“, sagt sie. Genau das schätzt sie auch so sehr an ihrer Wahlheimat. „Die Menschen in Maintal sind einfach hilfsbereit“, sagt sie. 

Mittlerweile lebt Ahmed seit 19 Jahren in Bischofsheim, mit ihrem Mann und ihren Kindern. „Meine beiden ältesten Töchter studieren“, sagt die Mutter stolz. „Die eine studiert in Darmstadt soziale Arbeit. Und die Jüngere ist 18 Jahre alt, hat im Sommer ihr Abitur gemacht und hat in Frankfurt begonnen, Wirtschaftswissenschaften zu studieren.“ 

„Es war nicht leicht, die deutsche Sprache zu lernen.“  

Das wäre in Ahmeds Heimatland nicht ohne Weiteres möglich gewesen. „Als ich Ende 1995 mit meiner Familie geflohen bin, herrschte in Somalia der Bürgerkrieg“, sagt die 39-Jährige mit ernster Stimme. „Aber heute ist es noch viel, viel schlimmer. Damals wurden keine Frauen und Kinder getötet. Und es gab da auch noch keine Selbstmordattentäter.“

Dafür, dass sie und ihre Familie hier in Sicherheit leben können, ist Ahmed sehr dankbar. Auch wenn sie dafür hart kämpfen musste. „Es war nicht leicht, die deutsche Sprache zu lernen. Und ich musste mich auch erst mal an die Kultur hier gewöhnen“, sagt sie. Vor allem daran, dass Jugendliche in der Regel früh von zu Hause ausziehen, etwa um zu studieren oder eine Ausbildung zu machen. „In Somalia zieht man erst aus seinem Elternhaus aus, wenn man verheiratet ist“, sagt Ahmed. Ihre beiden ältesten Töchter ziehen zu lassen, hat ihr daher sehr zugesetzt. „Aber ich weiß, dass sie sicher sind und ihnen nichts passieren wird“, sagt die 39-Jährige.

„Das gehört einfach dazu“

Auch an das deutsche Essen musste sich Ahmed zunächst gewöhnen. „Das hat lange gedauert“, sagt sie und lacht. „Hier ist vieles mit Chemie, zum Beispiel mit Geschmacksverstärkern. In Somalia ist alles viel natürlicher, und es schmeckt vieles anders, wie zum Beispiel das Gemüse oder das Fleisch.“ 

Regelmäßig kocht sie afrikanisches Essen, wenn sie sich mit ihrer afrikanischen Frauengruppe des Stadtteilzentrums Bischofsheim trifft. „Einmal im Monat kommen wir zusammen“, erklärt Ahmed. Oft nehmen sie auch an kulturellen Veranstaltungen oder Festen in Maintal teil. „Das gehört einfach dazu“, sagt Ahmed.

 „Um es den Menschen ein bisschen leichter zu machen“

Dafür, dass sie heute so gut in die Gesellschaft integriert ist, hat sie hart arbeiten müssen. „Das kommt nicht von alleine“, sagt die gebürtige Somalierin. Das Stichwort laute Kommunikation. „Integration beginnt durch Sprache. Wenn ich mich nicht unterhalten kann, dann kann auch Integration nicht funktionieren.“ Deshalb hat sie schon als 15-Jährige, kurz nach ihrer Flucht nach Deutschland, mit Sprachkursen begonnen. Immer wieder hat sie neue Kurse besucht. „Auch als ich eigentlich schon ganz gut deutsch sprechen konnte. Aber ich wollte eben immer besser werden“, sagt sie und lacht.

Ihr Wissen und ihre Erfahrungen gibt sie nun weiter, an Flüchtlinge, die gerade erst nach Deutschland gekommen sind. „Ich helfe ihnen bei Behördengängen oder beim Ausfüllen von Anträgen und beim Lernen der deutschen Sprache“, sagt sie. „Um es den Menschen ein bisschen leichter zu machen“, sagt Ahmed. 



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