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Cetiner macht Ernst: Unternehmer bewirbt sich als Erster Stadtrat

Maintal

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    Ahmet Cetiner macht im Gespräch deutlich, dass es ihm mit seiner Bewerbung als Erster Stadtrat ernst ist. Foto: Privat

Maintal. Ahmet Cetiner, der Anfang September satirisch die politische Debatte um die Wahl eines Ersten Stadtrats kommentierte, indem er sich selbst zum Bewerber krönte, will nun tatsächlich eine Bewerbung einreichen. Damit ist Cetiner der erste, der öffentlich seine Kandidatur bekannt gibt – als parteiloser Bewerber.
 

Artikel vom 28. Oktober 2019 - 12:17

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Von Martina Faust

Wir treffen uns mit Ahmet Cetiner in seinem Co-Working-Space „The Roof“ im Gewerbegebiet Dörnigheim. Während des Gesprächs macht der studierte Wirtschaftsfachwirt wiederholt darauf aufmerksam, dass es ihm ernst ist – mit seiner Bewerbung und vor allem mit seinem Engagement für Maintal. 

Seit 17 Jahren lebe er in der Stadt, so Cetiner, doch erst mit dem Umzug seiner Unternehmern nach Maintal vor etwa vier Jahren sei auch er hier angekommen. Seit dieser Zeit habe er sich mit seinen verschiedenen Unternehmungen für die Stadt stark gemacht, und zwar in drei großen Themenfeldern: Mobilität, Leben und Arbeiten. 

„Das sind Sachen, die ich gerne in Maintal umsetzen möchte“

2017 begann der 41-Jährige, in Maintal eine Ladesäuleninfrastruktur für Elektroautos aufzubauen und etablierte zeitgleich ein Carsharing-Angebot für E-Autos. Ein Jahr zuvor wagte er das Pilotprojekt einer Sommergastronomie am Dörnigheimer Mainufer. Seitdem hat sich die „Mainkultur“ stetig weiterentwickelt. Ende 2018 gründete er den ersten Co-Working-Space, der vom Main-Kinzig-Kreis als Gründerzentrum zertifiziert ist.

„Das sind Sachen, die ich gerne in Maintal umsetzen möchte, auch wenn sie für mich als Unternehmer zunächst keine Erträge bringen“, sagt der Bischofsheimer und möchte damit unterstreichen, dass es ihm in erster Linie darum geht, attraktive Angebot tatsächlich zu schaffen, anstatt lange über Realisierbarkeit oder Wirtschaftlichkeit zu diskutieren. Denn einige der Unternehmungen subventioniert er durch die Gewinne in anderen Sparten. „Die Mainkultur hat drei Jahre lang rote Zahlen geschrieben und ich habe es trotzdem aufrecht erhalten“, sagt er. In diesem Jahr steht erstmals ein Plus unter der Bilanz.

Investitionen für die Zukunft

Wie schon auf seinen Satireplakaten im Sommer präsentiert sich Cetiner als Macher. „Ich will nicht theoretisch irgendwas planen, sondern ich will Sachen umsetzen“, betont er. 

Tätig werden würde er beispielsweise gerne, wenn es um die Belebung der Zentren der Stadtteile geht. Hier müssten dringend Anreize für Unternehmer, Selbstständige und Gründer geschaffen werden, etwa durch Förderprogramme oder eine Neustrukturierung des Immobilienangebots. Kleinere Läden, damit die Mieten niedriger sind, das Angebot dafür vielfältiger wird. „Wir müssen die Menschen unterstützen“, sagt er und sieht eine Subvention mit Steuergeldern als probates Mittel. „Jeden Euro, den wir investieren, sollten wir in Sachen investieren, wo wir in Zukunft zwei Euro zurückbekommen“, erklärt er. 

Cetiner sieht sich der Aufgabe gewachsen

Neben Investitionen müsste auch die öffentliche Wahrnehmung der Angebote geschärft werden. „Ansonsten laufen wir Gefahr, dass wir unsere Bürgersteige bald hochklappen müssen.“

Mit den Erfahrungen aus seinen privatwirtschaftlichen Unternehmungen – deren Leitung er im Falle einer Wahl abgeben würde – sieht sich Cetiner den Aufgaben des Ersten Stadtrats durchaus gewachsen, wobei er deutlich macht, dass er nicht der Verwalter mit fachlicher Expertise, sondern der Macher sei, der die Ärmel hochkrempele. Doch genau einen solchen Stadtrat braucht Maintal aktuell aus seiner Sicht.

Inhalte müssten geliefert werden

Was die in der Ausschreibung geforderte Erfahrung im Umgang mit kommunalpolitischen Gremien betrifft, verweist er darauf, dass er die „am eigenen Leib“ gemacht habe – eben durch seine verschiedenen Unternehmungen. Wichtig sei, der Politik Inhalte zu liefern, die die Stadt bereicherten – und die Stadtverordneten einzubeziehen. Kooperation und Kommunikation sind zwei Schlagwörter, die er in diesem Kontext nennt – nicht nur im Kontakt mit den Stadtverordneten, sondern auch mit den Bürgern. 

Dass sich Maintal gerade großen Herausforderungen gegenübersieht – Bevölkerungswachstum, dadurch steigender Bedarf an (bezahlbarem) Wohnraum und die Entwicklung neuer Baugebiete, Millioneninvestitionen in die Infrastruktur durch ein neues Schwimmbad, Bürgerhaus und Dienstleistungszentrum – ist für ihn Chance und Anspruch. „Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Unternehmen zu führen: Wir sparen oder investieren und machen uns auf den Weg. Dann wissen wir nicht, wo wir in zehn Jahren landen, aber wir haben viel zu erwarten.“



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