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Weltbühnchen Wachenbuchen eröffnet Herbstsaison mit der Komödie

Maintal

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    Nana, eigentlich tot gegelaubt, erscheint quicklebendig, aber offensichtlich schwerhörig. Dies hindert sie nicht, sich Gillian gegenüber abfällig zu äußern. Foto: Ulrike Pongratz

Maintal. Zur lange ersehnten Premiere der Komödie „37 Ansichtskarten“ blickte das Publikum auf den Rängen im evangelischen Gemeindehaus von zwei Seiten aus nach unten auf die Bühne, in das gut bürgerliche Wohnzimmer der Familie Sutton im amerikanischen Darien nahe New York.

Artikel vom 28. Oktober 2019 - 11:39

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Von Ulrike Pongratz

 Dort saß die Dame des Hauses, Evelyn Sutton, großartig verkörpert von Katharina Lüer, und blätterte etwas ruhelos in Zeitschriften. Bereits der erste Smalltalk mit ‚Tante Ester‘, herrlich gespielt von Helene Schadt-Pryzlas, offenbarte zumindest schrullige Charaktere oder schrägen Humor im Hause Sutton. 

Als ein „bisschen exzentrisch“ hatte Sohn David (Christoph Goy) seine Eltern bei seiner Verlobten Gillian Moore (Katharina Spies) eingeführt. David kam nach sechs – oder acht? – Jahren aus Europa in sein Elternhaus zurück, um seine künftige Ehefrau vorzustellen. „Alles andere als normal“ empfindet Gillian die Suttons und drückt vermutlich damit das Empfinden der meisten Zuschauer aus. 

Eine Frage der Perspektive

Im ersten Teil der Komödie entfalten sich die Charaktere mit überraschenden Auftritten, skurrilen, witzigen Dialogen und schrägem Humor. Für die größten Lacher sorgt dabei „Nana“, die von Evelyn tot geglaubte Mutter, die sich trotz Rollator als quicklebendig erweist und sich an keine Anstandsregeln mehr halten will. Sabine Wulf spielt ihre Rolle einfach grandios. Auch Jens-Peter Wulf ist als Ehemann Arnold P. Sutton eine hervorragende Besetzung, der – so scheint es – den Golfsport aus wohltuenden Ausgleich gefunden hat. 

Wie die beide Ankömmlinge David und Gillian, die zunächst nicht verstehen, was in diesem Haus mit „Schieflage“, blickt auch das Publikum vor allem im zweiten Teil hinter die Fassade der Personen. Nichts ist so, wie es scheint. Tante Ester kümmert sich nicht nur um Töpfe und Pfannen, sondern auch, auf ihre Art, um über 80-Jährige. Dies sei eine Frage der Perspektive, meint sie. Evelyn und Arnold, haben, jeder auf seine Art, Wege gefunden, mit dem Leben zurechtzukommen, ihr Schicksal anzunehmen.

Nicht nur zum Lachen

 Ob der Heimkehrer aus Europa und seine Verlobte Gillian, die auch nicht nur von edlen Motiven geleitet wird, dies erkennen und annehmen können, soll hier nicht verraten werden. 

Tatsächlich werden die „37 Ansichtskarten“ im Stück nur kurz erwähnt, auch auf der metaphorischen Ebene bleiben sie offen. Dennoch hat die Komödie die Zuschauer nicht nur zum Lachen, sondern auch ein wenig in Grübeln gebracht – über schrullige Personen und merkwürdiges Verhalten. Ist nicht jeder Mensch irgendwie komisch? Ein wenig kürzer und an manchen Stellen mehr Tempo hätte vielleicht gutgetan. 

Weitere Vorstellungen von „37 Ansichtskarten“ finden statt am Freitag, 1. November, und Samstag, 2. November, 20 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus Wachenbuchen. 



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