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Wildtierfreunde: Mähroboter gefährden Igel & Co.

Maintal

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    Rebecca Kuner ist eine der ehrenamtlichen Helfer, die sich um verletzte und verwaiste Wildtiere kümmern. Für zwei Ricken und zwei Böcke ging es am Wochenende zurück in die Freiheit. Siezogen um in ein Revier in der Pfalz. Fotos: Privat (2)/Martina Faust

Maintal. Der Anblick ist grausig. „Die Tiere werden regelrecht skalpiert“, schildert Sabine Klein aufgebracht und meint Igel, die unter die Messer eines Mähroboters geraten. Die Überlebenschancen der schwer verletzten Tiere seien gleich null. „Bisher mussten wir alle Igel nach einem Mähunfall einschläfern lassen“, erzählt sie. 

Artikel vom 28. Oktober 2019 - 11:27

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Von Martina Faust

Noch sind es Einzelfälle. Aber die Wildtierfreunde befürchten, dass die Zahl verletzter Wildtiere durch Mähroboter steigt – parallel mit der Zahl der autonomen Rasenmäher. „Gartenschläfer, Mäuse oder Siebenschläfer können genauso in die Messer geraten“, machen sie deutlich. Daher appellieren sie an Gartenbesitzer, die Mähroboter nicht unbeaufsichtigt und nicht nachts fahren zu lassen.

Wer noch mehr zum Schutz der Igel beitragen möchte, der kann Igelhäuser aufstellen oder Reisig- und Laubhaufen im Garten aufschichten, die den Tieren Unterschlupf bieten. „Und man kann natürlich beifüttern, auch ganzjährig. Dafür gibt es spezielles Igelfutter“, erklärt Klein. Denn das Nahrungsangebot für die Stachler ist auch in diesem Jahr knapp. „Es war wieder ein ganz schlechtes Schnecken- und Insektenjahr“, schüttelt die Leiterin der Dörnigheimer Pflegestation den Kopf.

Der Winterschlaf ist noch fern.

Das bekommen die Wildtierfreunde natürlich zu spüren. Täglich treffen Igel mit einem für die Jahreszeit deutlich zu niedrigen Körpergewicht ein. „Alles, was weniger als 500 Gramm wiegt, sollte direkt den Weg zu uns finden“, sagen die Aktiven. 

Knapp 60 der Stachler päppeln sie aktuell auf und haben Kapazitäten für bis zu 200. Die Plätze werden voraussichtlich in den nächsten Wochen komplett belegt sein, denn die milde Witterung macht es den Tieren nicht leicht. Der Winterschlaf ist noch fern. „Den beginnen die Igel erst, wenn wir mindestens eine Woche lang Minustemperaturen haben“, sagt Klein. Die Igel sind daher noch putzmunter mit einem entsprechenden Energiebedarf, doch das Nahrungsangebot kann damit nicht mithalten.

„​An diesem Wochenende ziehen sie in ein Revier in der Pfalz um“

Rund 200 Gramm Futter verputzt ein Igel pro Tag, sodass der Verein dankbar jede Spende entgegennimmt. „Katzennass- und -trockenfutter in großen Dosen beziehungsweise Beuteln“, wünscht sich das Team. „Und Handtücher können wir immer gebrauchen“, fügen sie eilig hinzu. Schließlich ist das Patientenaufkommen hoch. „Im Moment haben wir vor allem Igel, Igel, Igel, aber auch eine Schleiereule, die sich im Netz eines Hühnerstalls verfangen hatte, drei verwaiste Nutria-Babys, Eichhörnchen und natürlich unsere vier Rehkitze“, listet Klein die derzeit prominentesten Vertreter auf.

Doch für die mittlerweile groß gewordenen Kitze naht der Auszug. „An diesem Wochenende ziehen sie in ein Revier in der Pfalz um“, erzählt Klein. Mit ein wenig Wehmut wird das Team den Auszug verfolgen. Schließlich haben sie die Kleinen von ihren ersten Lebenstagen an begleitet. Doch auch Abschiednehmen gehört zum Alltag der Wildtierfreunde.

 

Spendenkonten gibt es bei der Frankfurter Sparkasse, IBAN: DE 81 5005 0201 0200 1543 03, und der Frankfurter Volksbank, IBAN: DE 54 5019 0000 6600 9865 10.


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