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Romantische Stimmung bei Hochstädter Kirchenkonzert

Maintal

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    Filigranes Zusammenspiel: Heike Nicodemus und Maximilian Mangold beeindruckten in der Hochstädter Kirche durch ihre feinsinnigen Wiedergaben der romantischen Serenaden, die sie auf Nachbauten historischer Instrumente zu Gehör brachten. Foto: Lars-Erik Gerth

Maintal. Einen feinsinnigen musikalischen Abend auf hohem künstlerischen Niveau erlebten die Besucher der Hochstädter Kirchenkonzertreihe am Mittwoch in der evangelischen Kirche. Die Flötistin Heike Nicodemus und der Gitarrist Maximilian Mangold hatten ein Programm mit romantischen Serenaden dabei.

Artikel vom 25. Oktober 2019 - 13:47

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Von Lars-Erik Gerth

Bei ihren Konzerten greifen die seit vielen Jahren miteinander musizierenden Künstler auf Nachbauten historischer Instrumente zurück. So stellte sich Heike Nicodemus mit einer Traversflöte vor, die nach einem Vorbild gebaut wurde, das aus dem Jahr 1789 stammt. Im Gegensatz zur heute üblichen Querflöte, deren Schöpfer Mitte des 19. Jahrhunderts der Instrumentenbauer und Komponist Theobald Böhm gewesen ist, sorgt die Traversflöte für einen deutlich wärmeren Klang, was bei der Wiedergabe der romantischen Kompositionen sehr zupass kam. 

Dass die Traversflöte ideal mit dem ebenfalls zu filigraneren Tönen neigenden Nachbau einer Biedermeiergitarre aus dem frühen 19. Jahrhundert harmoniert, wurde bereits zu Beginn des Abends beim mit feinem Sentiment intonierten Nocturne op. 37 des Italieners Francesco Molino deutlich. Nicodemus erfreute dabei durch sichere Intonation und bruchlose Übergänge zwischen den getragenen und den lebhafteren Abschnitten. Ihr ziselierter Flötenklang passte dabei sehr schön zum eher melancholischen Charakter der Introduction, aber auch die schnellen Läufe und Triller nahm sie mit stupender Meisterschaft.

Mangold greift auf eine moderne Gitarre zurück

Mangold seinerseits nahm durch sein pointiertes, bisweilen auch sublimes Gitarrenspiel für sich ein. Ihr perfektes Zusammenspiel machte im Anschluss auch Ferdinando Carullis Duo op. 104, Nummer 2 zu einem Hörgenuss, bei dem im Allegretto der tänzerische Duktus sehr schön zum Vorschein kam. 

Bei seinen beiden solistischen Auftritten griff Mangold übrigens auf eine moderne Gitarre zurück, die nicht nur vom Corpus her deutlich größer ist als ihre Vorgängerin aus der Biedermeierzeit, sondern auch im Klang voluminöser und durchschlagskräftiger daherkommt. Dessen ungeachtet legte der Künstler sowohl bei Augustin Barrios' Walzern als auch bei Francisco Tárregas Mazurka „Marieta“ ebenfalls großen Wert auf feinsinnige und ungemein differenzierte Wiedergaben.

Das Duo spielte Stücke von Franz Schubert

Gerade bei Barrios' Vals op. 8, Nummer 3 gelang es dem Interpreten auf vorzügliche Weise, den dunklen und melancholischen Duktus herauszuarbeiten, um dann kurz darauf ohne Substanzverlust zu jener Passage zu wechseln, die mit unüberhörbaren Anklängen zum Wiener Walzer aufwartet. Bei Tárregas „Marieta“ wiederum paarte Mangold auf ideale Weise das zunächst verlangte intensive und ausdrucksstarke Spiel mit dem leichteren, serenadenartigen Charakter des zweiten Satzes.

Der bereits erwähnte Theobald Böhm war nicht nur ein genialer Flötenbauer, sondern machte sich ebenso einen Namen als Komponist und Arrangeur. So bearbeitete er Lieder von Franz Schubert für Altflöte und Klavier. In Hochstadt erklangen nun „Ständchen“, „Wohin?“, „Das Fischermädchen“, „Trockne Blumen“ und „Die Taubenpost“ in der Bearbeitung für Traversflöte und Gitarre. Bei ihren Wiedergaben gelang es dem Duo, insbesondere den romantischen Duktus der Werke freizulegen und das Publikum mitunter auch zum Träumen anzuregen. Besonders im Gedächtnis haften blieb von diesem Programmpunkt das melancholisch-verhangene „Ständchen“, das Nicodemus mit ungemein feiner Phrasierung versah. 

Im Finale erklangen Kompositionen von Francesco Molino

Mit Liedern eröffneten die beiden Künstler auch den zweiten Teil. Allerdings hat diese Felix Mendelssohn-Bartholdy bereits im Original ohne Texte, nämlich als „Lieder ohne Worte“ geschrieben. Nicodemus/Mangold legten bei den drei ausgewählten Stücken op. 38, Nummer 2, op. 30 Nummer 6 und op. 62, Nummer 6 die unterschiedlichen Stimmungen nachvollziehbar frei. Nicht zuletzt der tänzerische Charakter des Finals wurde dabei zu einer hörbaren Delikatesse.

Im offiziellen Finale erklangen dann erneut Kompositionen von Francesco Molino, mit dem die beiden Künstler den Abend eröffnet hatten. Bei seinen drei Duos op. 61 kam nochmals exemplarisch das filigrane und differenzierte Spiel der Künstler zum Tragen, das für eine romantische und anheimelnde Stimmung sorgte.

Die Zugabe war Mozarts "Don Giovanni"

Das begeistert Auditorium ließ Heike Nicodemus und Maximilian Mangold natürlich nicht ohne Zugabe vom Podium. Diese gestalteten sie in Form eines Arrangements aus Mozarts „Don Giovanni“ dann ebenfalls nicht auftrumpfend, sondern wiederum mit feiner Klinge und rundeten damit ein perfektes Kammerkonzerterlebnis passend ab.



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