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Wachenbucher Klaus Karber nimmt erneut am Ironman auf Hawaii teil

Maintal

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    Endlich im Ziel. Klaus Karber hat seine angepeilte Zeit nur um drei Minuten überschritten.

Maintal. Die Teilnahme am Ironman auf Hawaii ist für Triathleten die Königsdisziplin. Dabei zählen die deutschen Sportler jährlich zu den Favoriten. Wieder im Teilnehmerfeld mit dabei war auch Klaus Karber. Der Maintaler ist gewissermaßen Wiederholungstäter, wenn es um den härtesten Wettkampf der Welt geht.

Artikel vom 22. Oktober 2019 - 12:30

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„Wer hätte das gedacht? Dass ich ein zweites Mal innerhalb von zwei Jahren die Chance bekommen würde, bei der World Championship in Kona zu starten“, muss Klaus Karber auch im Rückblick immer noch ungläubig den Kopf schütteln.

Der Athlet, der auch regelmäßig am Ironman Frankfurt teilnimmt und als Maintaler dann mit dem Rad auf seine Hausstrecke geht, sicherte sich den Startplatz für Big Island durch seine Teilnahme am Ironman in Kärnten und „mit viel Glück“, wie er schreibt.

Neuer Trainingsplan

„Es ging mir schon oftmals durch den Kopf, wie ich es damals, 2017, bei meinem ersten Start, hätte besser machen können, als ich beim Marathon viel 'gewandert' also gegangen bin“, erzählt er. Auf der Grundlage dieser Erfahrung richtete er seinen Trainingsplan neu aus. „Ich habe nach einer siebentägigen Pause die folgenden Wochen nur lockeres Regenerationstraining gemacht. Danach erst ging es langsam mit dem Vorbereitungstraining für Hawaii los“, berichtet er. 

Zwölf Tage vor der Weltmeisterschaft begann seine Reise auf die andere Seite der Welt mit dem Flug nach Kailua-Kona auf Big Island in Hawaii. Die folgenden Tage akklimatisierte sich Karber und bereitete sich physisch und psychisch auf den großen Tag vor.

Durchstehen ist die Divise

„Die Trainingseinheiten auf der Wettkampfstrecke gaben mir das Gefühl der Sicherheit und wieder einmal die Erkenntnis, dass der Wettkampf in Hawaii nicht umsonst als das härteste Rennen der Welt bezeichnet wird. Durchstehen ist hier die Devise und mit einem Lächeln auf den Lippen über die Ziellinie laufen, auch wenn mir das Lachen zwischen Start und Ziel gewiss hin und wieder vergangen ist“, erzählt er.

Die Nacht vor dem Wettkampftag ist für Karber kurz, bietet ihm aber genügend Zeit, um sich in Ruhe auf das Kommende einzustellen. Während er frühstückt und letzte Grüße aus Deutschland liest, hat im Dunkeln auf dem Alii Drive bereits eine Völkerwanderung Richtung Hauptschauplatz begonnen. 

Punktgenauer Start

Der Ironman Hawaii beginnt mit dem Bodymarking, nächste Station ist das Wiegen, dann die Wechselzone, um das Rad vorzubereiten. Anschließend geht Karber zum Startblock seiner Gruppe und verfolgt auf der Leinwand den Start der Profis. 

Bald darauf begann sein eigenes Rennen: einschwimmen bis zur Startlinie, die einige Surfer markierten, die auf ihren Boards hin- und herpaddelten. „Punkt 7.10 Uhr kam das Zeichen für die geschätzt 600 Starter, den Tag ihres Sports zu beginnen“, so der Wachenbucher. „Leider fand ich wieder keine Füße für das Wasserschattenschwimmen.

Triathlet profitiert vom Rückenwind

Trotzdem lief das Schwimmen gut und bald schon hatte ich den Schwimm‧ausstieg vor Augen. Treppe hoch, duschen – in einem Zelt hingen Wasserschläuche von der Decke mit denen man das Salzwasser abspülen konnte – und danach ab aufs Rad“, erzählt der Triathlet.

Die ersten 14 Kilometer der Radstrecke führten in einer Schleife durch Kailua-Kona, wo Zuschauer am Straßenrand die Sportler lautstark anfeuerten. Dann ging es hinaus auf die einsame Strecke durch die Lavafelder in Richtung Hawi im Norden der Insel. „Das – wenn auch eintönige – Panorama der Radstrecke faszinierte mich wieder einmal und ich kam zügig in einen gleichmäßigen Tritt“, berichtet Karber, der auf dem Hinweg vom Rückenwind profitierte.

Starke Winde fordern komplette Konzentration

Doch nach dem Wendepunkt in Hawi musste er sich auf den ersten Kilometern stark auf die seitlichen Winde konzentrieren, damit er nicht unkontrolliert von der Fahrbahn abkam. Auf der Strecke durch die Lavafelder herrschte vor allem Gegenwind. „Hier wehte ein warmer Wind und obwohl ich Kopf und Körper an jeder Verpflegungsstellen kühlen konnte, wobei ich immer zwei Flaschen Wasser über den Körper verteilte, war das kurz nach dem Passieren der Verpflegungsstelle schon alles wieder verdunstet“, schildert der Sportler.

Dann war die Radstrecke geschafft. Im Wechselzelt ließ sich der Maintaler ein „Ice-Towel“ zur Abkühlung geben. „Dabei zog ich die Laufschuhe an, verstaute meine Verpflegung für die Laufstrecke und los ging es. Die ersten Kilometer gingen locker, ich bremste mich trotzdem ein wenig, denn es lagen ja noch einige vor mir“, schreibt er.

Die Strecke entlang des Alii Drive versprach Abwechslungsreichtum – sowohl aufgrund der vielen Zuschauer als auch wegen der Strecke an sich. Ab und zu ein Blick aufs Meer und ein kleines Lüftchen reichten Karber, um sich glücklich zu fühlen.

Begeisterte Zuschauer

Seine Strategie, sich an den Verpflegungsstationen etwa alle 1,7 Kilometer gut zu verpflegen und abzukühlen, indem er sechs Becher mit Eiswürfeln im Anzug verteilte und die Mütze im Eiswasser schwenkte, hielt er gut ein. „Ab Kilometer 15 konnte ich leider wegen eines Magenproblems keine Nahrung mehr zu mir nehmen. Wenigstens ging Cola noch und so verpflegte ich mich auf der restlichen Marathonstrecke damit. Leider wurde mein Tempo zwischen den Laufstationen dadurch langsamer“, blickt er zurück. 

In diesem Jahr erreichte Karber das Energy Lab noch vor Sonnenuntergang. Als die Sonne hinter dem Horizont verschwand, war er noch etwa zwölf Kilometer vom Ziel entfernt, wenngleich er zu diesem Zeitpunkt etwas weiter sein wollte. „Wieder in Kona angekommen, standen unglaublich viele Zuschauer jubelnd am Rand und bewunderten, wie ich und andere dem Ziel entgegenliefen. 'Looking good' und 'Great Job, great Job' bekam ich zu hören. Für Augenwischerei ist man hier ja immer zu haben“, erzählt er augenzwinkernd.

Maintaler ist überwältigt

Auf den letzten Kilometern zog Karber noch einmal das Tempo an, um vielleicht doch noch unter zwölf Stunden zu bleiben. „Die letzte Kurve, der Zielkanal, der Teppich, der Zielbogen und ich hatte es geschafft! Ich war wieder einmal schlichtweg überwältigt von der genialen Stimmung im Zielbereich. Leider habe ich es nicht geschafft, unter zwölf Stunden zu bleiben. Um 19.13 Uhr, nach zwölf Stunden und drei Minuten, bin ich eingelaufen und hatte die 2,4 Meilen (3,86 Kilometer) Schwimmen, 112 Meilen (180 Kilometer) Rad und 26,2 Meilen (42,2 Kilometer) Laufen bewältigt.

Als Fazit bleibt, dass ich mich in allen Disziplinen sowie bei den Wechselzeiten verbessert habe. Ich habe das gesamte Rennen genossen“, erzählt Karber und ruft allen, die ihm vor Ort und aus der Ferne Glückwünsche übermittelt haben, „Mahalo lui noa“ zu.



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