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Volksbühne begeistert mit der Komödie "Funny Money"

Maintal

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    Ein Aktenkoffer mit 1,5 Millionen Euro lässt das Leben von Johanna (Simone Pfennig) und Heiner (Peter Nottmeier), aber auch jenes ihrer Freunde Bettina (Saskia Valencia) und Victor (Ralf Komorr, mit dem Geld) aus den Fugen geraten. Foto: PM / Oliver Fantitsch

Maintal. Das Leben bringt oft überraschende und schicksalhafte Momente. In der Komödie „Funny Money“ , die die Volksbühne im Bürgerhaus Bischofsheim zur Aufführung brachte, sorgt ein vertauschter Koffer für Komplikationen und merkwürdige Verhaltensweisen der beteiligten Akteure.

Artikel vom 21. Oktober 2019 - 12:36

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Von Jürgen Gerth

 Die komödiantischen Verwerfungen, die dabei auftreten und in der Regie von Folke Braband mit Drive und Verve inszeniert wurden, führten darüber hinaus zu einer spritzigen und turbulenten Aufführung, die beim Publikum sehr gut ankam. Das Tournee-Theater Thespiskarren aus Hannover brachte außerdem eine insgesamt überzeugende Schar von Schauspielern auf die Bühne.

Heiner Liebig und seine Frau Johanna sind eigentlich ein typisches Beispiel für ein bürgerliches Ehepaar aus der Mittelschaft: er ein ordentlicher Buchhalter, mit Sandwich, Papieren und Notizbuch im Koffer, sie eine etwas geschwätzige, dem Haushalt zugetane Ehefrau, die auf sauberen Tisch und Wohlbefinden achtet. 

Es ist der Geburtstag ihres Mannes, an dem ein befreundetes Ehepaar zum Abendessen erwartet wird. Alles muss bestens vorbereitet sein. Völlig aufgelöst erscheint in diesem Moment Heiner, erklärt wortreich und mit ausufernder Körpersprache von einem folgenreichen Zwischenfall: Durch eine Verwechslung der Aktentaschen in der U-Bahn war er plötzlich im Besitz von 1,5 Millionen Euro.

Ein Anflug Absurdität

Nachdem er in seinem Stammrestaurant kurz das Geld gezählt hatte und sich alkoholisch ein Denkfundament geschaffen hatte, fordert er seine Frau, die sofort völlig aus dem Häuschen ist und in Panik gerät, auf, mit ihm nach Mallorca zu entschwinden. Johanna will auf keinen Fall die Geburtstagsfeier ausfallen lassen.

Nun sorgen mehrere Personen, die nacheinander im biederen Wohnzimmer der Liebigs (Bühne: Tom Presting) auftauchen, für reichlich Chaos. Zunächst erscheint ein angeblicher Kommissar, der das Verhalten von Heiner im Lokal überprüfen will. Es folgen der bestellte Taxifahrer zum Flughafen und das befreundete Ehepaar Bettina und Victor Jansen.

Zuletzt wird es völlig absurd, als ein zweiter Kriminalkommissar erscheint, der verkündet, dass man Heiner Liebig samt dessen Aktenkoffer im Rhein gefunden habe und seine Leiche sofort identifiziert werden müsse. All dies löst nun bei Heiner ein hektisches Taktieren aus, während seine Frau im Alkohol ihre neue Welt findet. Eine Lüge reiht sich an die andere, um die jeweilige Sachlage zu erklären, letztlich blickt aber keiner mehr richtig durch. 

Schimanski im Einsatz

Ein Anruf bringt neue Unordnung in das Verhalten der Beteiligten. Es wird klar, dass das Geld für einen Deal zwischen Drogenhändlern bestimmt ist. Der Tote im Rhein ist wohl ein Kurier, dessen Boss sich jetzt auf der Suche nach Heiner befindet, da er ja den vertauschten Aktenkoffer untersucht haben muss. Nachdem der Kriminalkommissar Keller, der eigentlich Schimanski (!) heißt und als verdeckter Ermittler arbeitet, den Geldkoffer an sich genommen hat, scheint für Heiner alles verloren. Doch wir befinden uns in einer Komödie, da entwickelt sich vieles anders als erwartet.

Am Ende besitzt Heiner auf geschickte Weise den Aktenkoffer mit 1,5 Millionen Euro wieder – also alles erneut auf Anfang. Allerdings wissen jetzt auch Bettina und Victor davon. Was sollte man nun tun? Übrigens der finstere
Mr. Big, der Drogenboss, wurde gemeinsam unschädlich gemacht, was Heiner sogar noch eine Belobigung von Schimanski einbringt. Man durfte als Zuschauer am Ende zufrieden sein, wenn man alle diese zwischenmenschlichen Verwirrungen hatte nachvollziehen können.

Peter Nottmeier gibt einen mimisch wie rhetorisch versierten Heiner, der jeder Situation gewachsen und die Entwicklung im Griff zu haben scheint, obwohl er öfter ins Schwitzen kommt. Simone Pfennig bringt eine überdrehte und aufgelöste Gattin, die zu viel plappert und verrät, auf die Bühne, während Saskia Valencia als Bettina Jansen jederzeit ihr Verhalten, wenn es um Geld und Zuneigung geht, variiert. Dabei kokettiert sie stets mit ihrem Aussehen.

Wie das Leben halt so spielt

Ralf Komorrs Victor Jansen ist hingegen nicht immer auf der Höhe des Geschehens, versucht jedoch seriös zu agieren. Thomas Gimbel als korpulenter Taxifahrer steht für das Gemüt, das in diesem Gewerbe notwendig ist, während Horst R. Naase sich als falscher Kommissar pfiffig den Gegebenheiten anpasst und seinen finanziellen Vorteil immer im Auge hat.

Der verdeckte Ermittler Schimanski von Stefan Preiss verhielt sich erstaunlich nachsichtig und war wohl auch überfordert mit den Vorkommnissen – da half auch sein keckes Hütchen wenig. Raimond Knoll in der kurzen Rolle des Mr. Big zeigt, wie ein Drogenboss in einer Komödie auszusehen hat (Kostüme: Alice Nierentz) und wie er reden muss. Außerdem fiel er situationsgerecht mit dem Gesicht zu Boden.

Es soll auch zum Schluss nicht verschwiegen werden, dass viele Zweideutigkeiten in Sprache und Verhalten auf der bürgerlichen Couch das Publikum zum Lachen brachten. Insgesamt war es eine sehr unterhaltsame Aufführung. Wie das Leben halt so spielen kann . . .



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