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Maintaler Suppenfest ist bereits eine Institution

Maintal

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    Wer gerne Suppe isst, für den dürfte das Bischofsheimer Kinder- und Jugendhaus am späten Samstagnachmittag ein wahres Eldorado gewesen sein. 16 verschiedene Suppen warteten dort auf die Besucher des von der städtischen Freiwilligenagentur ausgerichteten sechsten Maintaler Suppenfests. Am Stand der Frauenselbsthilfe nach Krebs (unser Bild) gab es beispielsweise leckere Kürbissuppe. Die Angebotsvielfalt umfasste unter anderem auch Suppen aus Afrika, dem Iran oder der Türkei. Foto: Rainer Habermann

Maintal. Ab wann wird ein Fest zur Tradition? Richtig: wenn es regelmäßig jährlich wiederkehrend stattfindet. Somit kann man das Maintaler Suppenfest bereits als traditionell einstufen, bei dem jedes Jahr im Herbst um die 16 große Suppentöpfe die Düfte dieser Welt aus dem Deckel entlassen.

Artikel vom 21. Oktober 2019 - 11:24

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Von Rainer Habermann

Zumindest die Essensdüfte, denn „Tarhano“ aus der Türkei wetteifert mit „Letcho“ aus Ungarn, „Gemüsesuppe mit hessischen Hochlandlinsen“ streitet sich mit „Rheinischer Bohnensuppe“ um die Gunst des Gaumens, und „Yum Yum“ konkurriert mit „Ash Reshteh“, einer persischen Spezialität.

„Lassen Sie es sich schmecken, kommen Sie miteinander ins Gespräch, und tauschen Sie sich aus bei einem leckeren Essen“, lud Bürgermeisterin Monika Böttcher am Samstagnachmittag die vielen Bürger ein, die im Bischofsheimer Kinder- und Jugendhaus (KiJu) erschienen waren. Den kulinarischen Event veranstalteten zum bereits sechsten Mal die Freiwilligenagentur „Maintal aktiv“ und das KiJu.

Suppen entstehen in privaten Haushalten

Zu den Gastgebern gesellten sich weitere Organisationen wie der Arbeitskreis Asyl, die Erich-Kästner-Schule, Vereine wie der 1. Maintaler Tanzsportclub oder die Bürgerhilfe, um nur einige zu nennen. Erstmals unter den 16 Suppenköchen waren die Männergruppe des Stadtteilzentrums Bischofsheim, die Gruppe „Mama lernt Deutsch“ des Familienzentrums und die „Nachhaltigkeitsgruppe“. 

Es brodelt nicht nur in den Töpfen, auch rund um die Stehtische des Kinder- und Jugendhauses und unter den großen Baldachins, die vor dem Gebäude die Biertischgarnituren vor dem zeitweisen Nieselregen schützen, und an denen es sich gemütlich zur Suppe schunkeln lässt. Wobei man sagen muss: Die köstlichen Süppchen wurden nicht vor Ort gekocht, sondern in privaten Haushalten der Beteiligten und wurden im KiJu warm gehalten. 

Suppen aus den unterschiedlichsten Regionen

Auch ich lasse mir die nette Einladung der Bürgermeisterin nicht zweimal sagen und lege los. Schnell einen der weißen Suppenschalen mit Serviette und Löffel geholt, dann ist keine der Köstlichkeiten vor mir sicher. Doch es geht mir bald wie immer: Die Augen sind größer als der Magen. Vorsichtigerweise lasse ich mir stets nur eine halbe Kelle voll einschenken. Meine erste Wahl fällt auf eine Kürbissuppe am Stand der Frauenselbsthilfe nach Krebs. Sehr würzig und sämig, der Hokkaido lässt grüßen, der richtige „Opener“ für eine kulinarische Genussreise. 

Weiter geht’s zur Bürgerhilfe, wo die „Rheinische Bohnensuppe“ blubbert. Ich denke jetzt schon an meine Verdauung: Was sagt man über Böhnchen? Dann wird es richtig exotisch, was die Gewürze anbelangt. Und Exotik kann man bereits in der Türkei kennenlernen. Die „Tarhana“-Suppe lacht mich an, ruck-zuck verschwindet sie Löffel für Löffel in meinem Magen. Backerbsen darin kitzeln meinen Gaumen, eine Art „Maggi“, allerdings auf Granatapfelbasis, verleiht ihr zarte Säure der fruchtigen Art. Jetzt zum „Letcho“. Paprika rot und grün machen ihren duftigen Gemüsegeschmack aus, geschnibbelte Rindswurst das nötige Pikante. 

Menschen sollen sich treffen und kennenlernen

Ich bin fast schon satt, aber natürlich muss ich auch noch die „Ash Reshteh“ aus dem Iran probieren. Und jetzt wird’s orientalisch. Obwohl die Zutaten zu dieser angenehm kräftigen Suppe in jedem gut sortierten Feinkostladen zu bekommen sind. Die „Türkische Almsuppe“ kommt danach zart cremig mit Joghurt und Minze daher, und ich komme an meine Grenzen. 

Ich bin allmählich pappsatt. Und finde, dass Menschen zu bewundern sind, die sich durch alle 16 Suppen schlürfen. Obwohl ich gar nicht weiß, ob irgend jemand das am Samstag geschafft hat. Jedenfalls hat Katharina Kächelein von der Freiwilligenagentur vollkommen Recht, wenn sie sagt: „Unser Ziel ist es, dass sich die Menschen hier treffen, um sich gegenseitig kennenzulernen, sich nett zu unterhalten und dabei die vielen leckeren Süppchen zu genießen.“ Das Ganze war für die Gäste völlig kostenlos.

„Das Kennenlernen funktioniert am besten über den Magen.“

Es sei denn, sie wollten die fünf Euro Pfand für die Suppenschale nicht zurück, sondern diesen Betrag spenden. Für ein Projekt „Wir tanzen wieder“ des 1. Maintaler Tanzsportclubs. Dieses Projekt wendet sich an Menschen mit und ohne Demenz, die tanzend wieder ins Leben finden können. Böttcher ergänzt: „Das Kennenlernen funktioniert am besten über den Magen. Und wenn einem etwas schmeckt, dann ist ein Fremder ganz schnell nicht mehr fremd, sondern vertraut.“ Das kann ich nur unterschreiben.

 

Rezept für die persische Suppe Ash Reshteh
Zutaten (für vier Personen):

125 Milliliter Olivenöl

2 gehackte Zwiebeln

100 Gramm getrocknete Kichererbsen (über Nacht in viel Wassereinweichen und abseihen)

100 Gramm getrocknete rote Bohnen (über Nacht in viel Wasser einweichen und abseihen)

100 Gramm Tellerlinsen

2 Esslöffel getrockneter Kurkuma

500 Gramm Blattspinat gehackt

1 Bund Petersilie gehackt

1 Bund Schnittlauch (gehackt)

6 Knoblauchzehen in dünne Scheiben geschnitten

2 Esslöffel getrocknete Minze

200 Milliliter Kashd (ersatzweise Sauerrahm oder saure Milch)

3 Liter Gemüse- oder Hühnerbrühe ungesalzen

Pfeffer und Salz
Zubereitung: Das Öl in einem großen Topf erhitzen. Zwiebeln darin anbraten, bis sie eine schöne, dunkle Farbe angenommen haben. Die Hälfte davon herausnehmen und beiseite stellen. Hülsenfrüchte und den Kurkuma zugeben, kräftig pfeffern und fünf Minuten braten. Mit Brühe aufgießen, aufkochen und sanft köcheln lassen, bis die Bohnen weich sind (etwa 50 Minuten), erst dann salzen.

Etwas Öl erhitzen und die Knoblauchscheiben darin frittieren, bis sie goldbraun sind. Aus dem Öl heben, abtropfen lassen und zur Seite stellen. Im gleichen Öl die Minze kurz frittieren, bis sie duftet. Beiseite stellen.

Die Kräuter und die Kichererbsen zur Suppe geben und kochen, bis sie so etwas wie „al dente“ sind (zehn bis zwölf Minuten). Die Suppe auf Schüsseln verteilen und mit den gerösteten Zwiebeln, dem frittierten Knoblauch, der Minze und Kashd garnieren. rh

 



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