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4000 Schüler pro Jahr an der Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik

Maintal

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    Sind von der Ausbildung überzeugt: Meisterschülerer Sabrina Fischer (Foto rechts oben) Jonathan Nordhoff (Foto rechts mitte) und Geschäftsführer Dipl.-Ing. Jörg Peters (links). Fotos: Mike Bender

Maintal. „Handwerk hat goldenen Boden“, weiß der Volksmund. Und nicht nur der: Auch Tausende junge Menschen wissen das, entscheiden sie sich schließlich nach ihrem Schulabschluss für eine handwerkliche oder technische Ausbildung. Doch es sind immer noch nicht genug, der Bedarf an Fachkräften steigt in nahezu allen Bereichen.

Artikel vom 21. Oktober 2019 - 10:53

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Von Carolin-Christin Czichowski

Trotz der steigenden Zahl angehender Gesellen, Meister, Techniker und anderer Lehrgangsteilnehmer an der Bundesfachschule werden in den Betrieben nach wie vor händeringend Fachkräfte gesucht. „Auch die Berufsschulen platzen aus allen Nähten, der Bedarf in den Firmen ist aber immer noch nicht gedeckt“, so Peters. Die Gründe dafür sind vielfältig. Vor allem aber gäbe es durch den Klimawandel mehr und mehr Aufträge im Bereich der Kälte- und Klimatechnik. „Je wärmer es wird, desto mehr muss gekühlt werden“, erklärt er.

„Handwerk ist heute Hightech“

Nicht zuletzt aufgrund der daraus resultierenden guten und stetig steigenden Auftragslage könnte der Beruf des Mechatronikers für Kältetechnik so attraktiv für Schulabgänger sein. „Das Problem ist nur, dass der Beruf relativ unbekannt ist. Deshalb haben wir uns zur Aufgabe gemacht, ihn mehr in die Öffentlichkeit zu rücken“, so der Geschäftsführer. Auch mit Vorurteilen gegenüber dem Handwerk möchte er aufräumen. „Es ist nicht mehr nur Blaumann und Dreck“, sagt der 55-Jährige. „Ganz im Gegenteil. Handwerk ist heute Hightech, man braucht Wissen in vielen Bereichen, etwa von Elektronik, Software und Hardware.“ 

Man könne kreativ arbeiten und die Aufstiegschancen seien durch den Besuch der Meisterschule oder ein an die Ausbildung anschließendes Studium vielfältig. „Man kann sich selbstständig machen und sein eigener Chef sein oder in einem großen Unternehmen eine verantwortungsvolle Position übernehmen“, sagt Peters. Deshalb gelte es, Schulabgänger und nicht zuletzt deren Eltern davon zu überzeugen, dass eine handwerkliche Ausbildung eine gute Basis für die berufliche Zukunft ist.

Internat bei der Berufsfachschule

„Viele Eltern sehen ihre Kinder lieber an einer Hochschule. Aber die Verdienst- und Aufstiegschancen sind nach einer Ausbildung oft genauso groß wie nach einem Bachelor-Abschluss. Wenn nicht sogar noch größer“, so der Geschäftsführer. Außerdem tragen ausgebildete Kältetechnik-Mechatroniker eine hohe Verantwortung, etwa wenn sie Kühlsysteme für Medikamente oder den Transport von lebenswichtigem Blut oder Organen planen, bauen, montieren und warten.

Von den Vorzügen einer handwerklichen Ausbildung sind auch Sabrina Fischer und Jonathan Nordhoff überzeugt. Die beiden besuchen seit Januar die Meisterklasse an der Berufsfachschule. Dort wird die weiterführende Ausbildung, die unter anderem dazu befähigt, selbst Gesellen auszubilden, in Vollzeit und Teilzeit angeboten. Fischer und Nordhoff haben sich für die Variante in Vollzeit entschieden, bei der sie im Internat der Bundesfachschule leben. 

„Ich habe ursprünglich eine kaufmännische Ausbildung gemacht“

„Eine Ausbildung im Handwerk ist eine solide Basis“, ist sich Nordhoff sicher. Der 26-Jährige kommt aus der Nähe von Altenkirchen in Rheinland-Pfalz und ist schon früh mit der Kälte- und Klimatechnik in Berührung gekommen. „Ich habe nach der Schule in unserem Familienbetrieb gejobbt und mich da schon in das Handwerk verliebt“, erklärt er. Zwar hat er danach zunächst ein Studium begonnen, aber schnell gemerkt, dass ihm das praktische Arbeiten viel mehr liegt – und schließlich die Ausbildung zum Kältetechnik-Mechatroniker begonnen.

Die Entscheidung bereut er nicht, wie er sagt. Im Gegensatz zu Jonathan Nordhoff ist Sabrina Fischer eine Quereinsteigerin. „Ich habe ursprünglich eine kaufmännische Ausbildung gemacht“, erklärt sie. Auf die Bundesfachschule Kälte-Klima-Technik wurde die 28-Jährige durch ihren Vater aufmerksam. „Er hat schon vor 30 Jahren seinen Meister hier gemacht“, sagt sie. Mit dem Meisterbrief, den sie voraussichtlich im Dezember in der Tasche hat, möchte sie irgendwann das Familienunternehmen weiterführen.

Von den bis zu 4000 Schülern, die die Bundesfachschule pro Jahr besuchen, sind im Schnitt nur ein bis zwei Prozent weiblich. Doch davon lässt sich Fischer nicht abschrecken. „Ich kann auch als Frau im Handwerk Karriere machen. Denn die Hauptsache ist doch, dass man Spaß hat an dem, was man macht.“



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