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Durchschnittliche Apfelernte auf den Streuobstwiesen

Maintal

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    Prachtexemplar eines Brettacher Apfels: Anika Hensel sagt, das dunkle Rot und die gelbe Farbe seien ungewöhnlich für die Frucht. Ebenso wie die überdurchschnittliche Süße seien sie bedingt durch viel Sonne. Foto: Christian Balke

Maintal. Obwohl es in Hessen allgemein und in Maintal im Besonderen seit Tagen regelmäßig und ergiebig regnet, ist und bleibt Trockenheit in der heimischen Natur ein Dauerthema. Was auch für die regionale Apfelernte 2019 gilt, wie Anika Hensel vom Vorstand des Maintaler Arbeitskreises Streuobst beim Ortstermin sagt.

Artikel vom 21. Oktober 2019 - 10:35

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Von Christian Balke

Vom Treffpunkt In der Weidbach oberhalb von Hochstadt geht es mit der Maintalerin und Obst-Pädagogin des Frankfurter Mainäppelhauses hinein in die grüne Kulturlandschaft an der Maintaler Peripherie. Anika Hensel bleibt an einer Streuobstwiese mit einigen Dutzend Apfelbäumen der Sorte Brettacher stehen.

Der Brettacher, sagt Hensel, sei ein schmackhafter, robuster und lange haltbarer feinsaurer Apfel, der aus Süddeutschland kommend auch in Hessen sehr beliebt sei. Eben wegen seiner robusten Natur werde sie anhand der Ernte der ausgewählten Parzelle Rückschlüsse auf die Maintaler Ernte insgesamt ziehen können: „Der Ernteertrag 2019 war durchschnittlich“, sagt Hensel.

Gemessen am Spitzenwert für einen alten, hochgewachsenen Brettacher Apfelbaum, der jenseits von 700 Kilogramm liegen könne, sei der Ertrag von durchschnittlich 75 Kilogramm pro Baum mittelmäßig: „Von 20 Bäumen haben wir hier 1,5 Tonnen Äpfel geerntet.“

Äpfel sind in diesem Jahr sehr süß

Rein optisch falle auf, dass der eigentlich grün und blassrot daher kommende Brettacher im Herbst 2019 eine gelblich-dunkelrote Färbung zeige, sagt die Expertin und liest begeistert einen Riesenapfel von der Streuobstwiese auf. So groß, rot und zuckersüß werde der Brettacher eigentlich nie: „Das ist dann der vielen Sonne geschuldet“, sagt Anika Hensel, die diesen Satz während des Ortstermins in Sachen Apfelernte noch einige Male wiederholen wird.

Außergewöhnlich wie die Farbe sei die Süße der Äpfel, die im Ernteherbst 2019 klar über dem Durchschnitt liege: „Wir haben für die Äpfel einen Zuckergehalt von 60 Grad Oechsle ermittelt“, sagt Hensel, „wobei 50 Grad Oechsle eigentlich ideal ist. Auch bei 45 werden die Äpfel zum Keltern des Apfelweins abgegeben.“

Nein, sagt Anika Hensel und lacht in Anbetracht des Unwissens ihres Gesprächspartners, „der Apfelwein wird deshalb nicht besonders süß, sondern der Alkoholgehalt steigt.“ Zu erwarten sei, dass der Jahrgang 2019 mit durchschnittlich 7,5 Prozent Alkoholgehalt deutlich über den eigentlich apfelweintypischen fünf bis fünfeinhalb Prozent liegen werde.

Alte Apfelsorten vertragen Trockenheit offenbar besser

Während von Nordwesten dunkle Regenwolken heranziehen, zeigt Hensel auf einen alten Baum, dessen Äste an zahlreichen Stellen geborsten sind: „Auch wenn es ein wirklich alter Baum ist, zeigt er, was ein großes Problem ist: Wir werden künftig vermehrt mit Trockenschäden, Trockenbruch bei Apfelbäumen zu kämpfen haben.“

Das Niederschlagsdefizit habe schon zu Jahresbeginn bei mindestens 200 Litern pro Quadratmeter gelegen, über den Sommer sei es noch extremer geworden: „Super, dass es jetzt regnet, aber wirklich ausgleichen wird das den Wassermangel nicht.“ Es gebe Quellen, die 1000 Liter Defizit pro Quadratmeter nennen würden, die genaue Zahl sei aber gar nicht so wichtig.

Wichtig sei, sich darauf einzustellen, dass die Trockenheit vermutlich bleiben wird: „Hier ist festzustellen, dass die alten Apfelsorten offensichtlich Trockenheit besser vertragen als neue Züchtungen.“

Profiteure des neuen Klimas

Den Pessimismus einiger Experten, die in 20 Jahren ein Aussterben der Äpfel in Hessen befürchten, teilt Anika Hensel nicht: „Aber wir werden gießen müssen, bewässern.“ 

Außerdem gebe es „Profiteure“ des neuen, wärmeren Klimas: „Die Birnen und Quitten fühlen sich wohl bei der
Trockenheit, und auch meine Feigenbäume haben viele Früchte getragen.“



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