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"Wir sind Maintal": Buch mit persönlichen Maintaler Geschichten

Maintal

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    „Wir sind Maintal“ ist eine Hommage der Hobby-Autorin Carola S. Ossig an ihren Wohnort und beleuchtet das Leben in Maintal aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Foto: Privat

Maintal. "Wir sind Maintal": Die Schriftstellerin Carola S. Ossig erzählt die junge Geschichte ihrer Wahlheimat aus verschiedenen Perspektiven.

Artikel vom 19. November 2018 - 12:27

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Von Ulrike Pongratz

Welche Geschichten erzählt der erste Maintaler Bürgermeister Erwin Henkel aus seiner Amtszeit? Woran erinnern sich Heinrich Burger und Alfred Koch, beide fast 90 Jahre, wenn sie über Maintal sprechen? Wie erlebt die junge Mutter Jaqueline Dorn, wie Künstler, Pfarrer oder Unternehmer das Leben in der Kleinstadt?

Diese und weitere persönliche Geschichten hat die Autorin Carola S. Ossig in ihrem neuen Buch „Wir sind Maintal“ gesammelt. Ihre Gesprächspartner kommen in der Ich-Form sehr persönlich und authentisch zu Wort. So entsteht ein buntes, vielfältiges Bild einer Stadt, die als Maintal erst seit zwei Generationen existiert. „Es gibt keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, sagt die Autorin. „Ich habe versucht, möglichst viele Aspekte zu berücksichtigen, ein lebendiges, unterhaltsames und für Leser interessantes Buch zu gestalten.“

Zu Wort kommen Frauen und Männer, Alt und Jung, Menschen aus Bischofsheim, Dörnigheim Hochstadt und Wachenbuchen, Menschen, die sich in Vereinen, in der Kirche, bei der Feuerwehr oder in der Stadtverwaltung für „ihre Stadt“ einsetzen. Ergänzt werden diese persönlichen Geschichten durch ein Kapitel mit Foto-Impressionen aus den vier Stadtteilen.

Maintal existiert seit 1974, seit die Gebietsreform vier traditionsreiche und eigenständige Orte zu einer Einheit zusammengefasst hat. Die Schriftstellerin Carola S. Ossig hat dieser Geschichte sehr informativ, sachlich und sehr unterhaltsam in ihrem Buch nachgespürt. „Wir sind Maintal“ hat die Autorin ihr aktuelles Buch überschrieben, das nach ihrem Roman „36, attraktiv, sucht. . .“ und dem Frankfurt-Krimi „Nebeltanz“ nun eine zeitgemäße Hommage an ihren Wohnort beinhaltet.

Ausgangspunkt für dieses Buchprojekt war die eigene Geschichte der Autorin: „Es war die Liebe, die mich dazu brachte, mich in das Abenteuer einer neuen Beziehung zu begeben. So zog ich 2006 nach Maintal. Für mich war Maintal eben Maintal, was sonst? Ein Schlafort, hübsch anzuschauen, die Arbeit gibt es woanders. Das pralle Leben findet in Frankfurt oder Hanau statt. Doch was hat Maintal zu bieten?“, fragte sich Carola S. Ossig.

Sie beginnt nachzuforschen und allmählich konkretisiert sich das neue Buch, das sich mit drei unterschiedlichen Teilen als ein modernes „Geschichtsbuch“ über die jüngsten vier Jahrzehnte Maintals lesen lässt. Vor fast einem Jahr genau, am 12. Dezember, stellt Carola S. Ossig ihre Idee der Öffentlichkeit vor, verbunden mit dem Aufruf an alle Bürger, ihre Geschichte zu erzählen. Heute, nach einer überaus arbeitsreichen Phase, hält sie mehr als zufrieden und glücklich ein Buch in Händen, das die Leser „gleich dreifach in eine besondere Welt entführt“.

Im ersten Teil lässt die Autorin die wichtigsten Meilensteine der deutschen Geschichte Revue passieren. Dieses Kapitel richtet sich an die Leser, die sich gerne an Fakten, Zahlen und Daten orientieren. Es bietet einen kurzen Abriss über wesentliche Aspekte der vergangenen vier Jahrzehnte. Die gesellschaftspolitischen Tendenzen seit den 1970er Jahren werden mit den Entwicklungen in Maintal in Beziehung gesetzt. So gründen beispielsweise in den emanzipatorischen Jahren auch in Maintal zwei Frauen, Kornelia Heinzerling und Ilse Schulz, einen „Frauen-Verein“, FRAK, den die zuständige Behörde in Hanau nur durch den Druck demonstrierender Frauen und sehr widerwillig in das Register einträgt.

In Teil zwei schildern Friseurmeister Edo Kerla und Sabine Beier-Lindner, die sich in Dörnigheim um ihre Kunden bemühen, Szenen aus dem Maintaler Leben, die Carola S. Ossig als emotional berührende Kurzgeschichte verfasst hat.

„Für den dritten Teil war die Auswahl nicht einfach, ich wollte ja eine möglichst bunte Mischung und verschiedene Geschichten“, sagt die Autorin. Ihre Gespräche hat sie immer nach demselben Interviewleitfaden geführt, dann allerdings literarisch bearbeitet. Auf diese Weise sind fast 40 sehr unterschiedliche, wahre Geschichten entstanden, die einen sehr persönlichen Einblick in das Leben in Maintal geben.

Vier Künstler – Ilse Cap, Herbert Herzog, Christel Schätzler und Elke Westhöfer – gewähren Einblick in ihr Leben und Kunstschaffen, Claus Eisele erzählt, wie er mit Tatkraft, Mut zum Risiko, aber auch ein wenig Glück „vom Tellerwäscher zum Millionär“ wurde. Die Leser erfahren, wie der Bischofsheimer Jugendbeauftragte Schmidt zu Hause den Alltag mit jugendlichen Geflüchteten aus Eritrea bewältigte oder die ermutigende Geschichte von Ilse Martin, die mit 50 Jahren das Abitur machte und sich mit ihrer Praxis in Hochstadt einen Lebenswunsch erfüllte.

Diese und viele weitere spannende, berührende, manchmal unglaubliche Erzählungen machen deutlich: Auch in Maintal „ist eine multikulturelle Welt entstanden. Allgemeine Toleranz ist gefragt. Das ist nicht immer einfach“, schreibt die Autorin in ihrem Vorwort. Ihr Buch macht deutlich, welche Werte die Menschen über die Ortsteile hinweg trennen, vor allem aber, welche sie gemeinsam teilen.

Das Buch „Wir sind Maintal“ hat 380 Seiten und kostet 12,99 Euro. www.carola-s-ossig.de



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