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Wachenbucher Kerb ist auch am Montag ein Stimmungsmagnet

Maintal

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    Deutliche Worte: „Es ist einfach geil hier“, antwortet Jenny (links) auf die Frage nach der aktuellen Stimmungslage. Sie feiert mit den „Kerbgängern“ Markus und Sascha sowie Katrin (rechts). Foto: Habermann

Wo Studenten womöglich dem „Blue Monday“ entgegendämmern, Außendienstler längst auf der Autobahn sind und die ansonsten arbeitende Bevölkerung ihren Jobs in Büros und Werkstätten nachgeht, bildet ein Event den Fels in der Brandung nachlassenden Feierwillens: die Wachenbucher Kerb. 

Artikel vom 14. August 2018 - 14:44

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Von Rainer Habermann

Am Montag ging sie weiter und setzte  noch einen drauf in Sachen Stimmung pur.

Kann ein Festzelt noch voller werden als am Wochenende zuvor? Es kann. Montag ist der traditionelle Hochtag des Wachenbucher Blasorchesters bei der Kerb. Seit wie vielen Jahren eigentlich? Keiner weiß es so ganz genau.

Doch die Kerb-Chronik gibt Auskunft: „Wann's Kerb war in Wachebuche, war alles uff de Baa: die Lisbeth, de Hannes, die Marie un de Schah“. 1951 jedenfalls wurde im damals noch selbstständigen Dorf die erste dreitägige Kerb nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert. Die Kapelle der freiwilligen Feuerwehr hatte daran einen Löwenanteil. 

Und einer, der zwar nicht im ersten, dafür aber im Jahr 1954 Kerb-Premiere hatte, feierte im Januar 2018 seinen 80. Geburtstag: Erich Stock. Ihn treffen wir am Tisch mit seiner Frau Vera. Musste sie damals schon auf ihn aufpassen? „Nee, nee“, lacht sie laut. „Mir war'n immer brav!“ Erich Stock grinst, was soll er auch sagen, wenn seine Frau dabeisitzt, mit der er immerhin 61 Jahre zusammen und seit 55 Jahren verheiratet ist? „Das waren damals andere Zeiten. Aber die Wachenbucher Kerb war schon immer etwas ganz Besonderes“, strahlt Stock. „Natürlich hat man da Mädels kennengelernt, aber ich hatte ja schon meins.“ Charmant, der Mann. 

In eben jener Blaskapelle der Wachenbucher Feuerwehr, dem Vorgänger des Wachenbucher Blasorchesters, hat der gelernte Diamantschleifer musiziert. „Damals haben wir am Mittwoch, am Sonntag und dann wieder am Mittwoch in drei verschiedenen Sälen gespielt“, erinnert sich der Handwerker und Musiker, dessen Handwerk damals in Wachenbuchen hoch gefragt war. „Es gab in den 50ern und 60ern etwa sechs Diamantschleifereien im Ort und Umgebung. Als Lehrling hatte ich im Monat 24 Mark. Beim zweiten Bier war dann das Geld alle“, lacht Stock. „Die Kerb ist mit den Jahren noch viel besser geworden. Ich würde sagen: sie ist die beste im ganzen Main-Kinzig-Kreis.“ Das lockt auch Gäste aus ganz anderen Landstrichen an, wie Mary und Holger Brandt aus Hamm/Westfalen. Sie sind Freunde der Stocks und nur wegen der Kerb die paar Hundert Kilometer gefahren. 

24 Mark? Das passiert Azubis heute wohl nicht mehr, dass ihnen die Euros ausgehen. Aber ein Spektrum von 16 oder 18 bis 80 Jahren und darüber ist geblieben. Wir treffen Katrin, Jenny, Markus und Sascha an einem weiteren Tisch im voll besetzten Zelt, in dem neben dem Bär auch etliche weitere Spezies männlicher und weiblicher, jedenfalls menschlicher Natur steppen. „Es ist einfach geil hier“, übertönt Jenny mühsam den Äppelwoi-Tisch und die Soundkulisse im Zelt.

Die Gruppe zwischen Mitte 20 und Mitte 30 aus Dörnigheim, Rödermark, Hochstadt und Petterweil (!) schunkelt und feiert ausgelassen, gerade ist „Mendocino“ vom Altmeister Michael Holm dran.

Katrin hat die Jungs und Mädels zusammengetrommelt, sie ist Kerbgirl, „seit sie denken kann“. – „Markus hat mit seinen Jungs T-Shirts bedruckt. 'Kerbgänger' steht drauf. Das haben wir auch als Wimpel gemacht, weil es einfach so toll ist hier“, schreit sie. Ihre Stimme ist schon ziemlich heiser, sie und die anderen haben drei Kerbtage hinter sich.

Was ist das Besondere gerade am Montag für Leute, die schon das ganze Wochenende gefeiert haben, fragen wir. „Das ist immer super. Zwar Musik, die man nicht immer hört, aber das Feeling: Das nimmt einen einfach mit“, meint Jenny. Und Katrin krächzt nur noch: „Ob Alt oder Jung: Alle feiern einfach freundlich und fröhlich zusammen. Das macht die tolle Atmosphäre der Kerb aus. Und dafür lohnt es sich auch, sogar noch ‧einen vierten Tag dranzu‧hängen.“ Ist dem noch etwas hinzuzufügen? Wir finden nicht.



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