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Im "Narrenhaus" wurden Geisteskranke inhaftiert

Maintal

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    Der viereckige „Narrenhaus“ an der nördlichen Ringmauer diente tatsächlich der Unterbringung von „Geisteskranken“. Der Name hat sich bis heute gehalten. Foto: Kalle

Maintal. Geschichte ist nicht zwangsläufig verstaubt. Sie kann auch in der Sonne glänzen und funkeln. Wie die Hinweistafeln, die der Verein Heimatmuseum Maintal kürzlich an einigen historischen Gebäuden in Hochstadt anbrachte und die über die Geschichte der Objekte informieren.

Artikel vom 03. August 2016 - 10:41

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Eines der historischen Bauten ist das „Narrenhaus“. Die Bezeichnung hat sich bis heute gehalten und beschreibt die Funktion des einzigen viereckigen Turms an der nördlichen Ringmauer ziemlich treffend. „Hier wurden die Geisteskranken aus Hochstadt und Umgebung untergebracht. Er könnte aber auch, neben den Tortürmen, als Gefängnis benutzt worden sein“, berichtet Peter Heckert, der mit der Geschichte Hochstadts bestens vertraut ist.

Einen Eingang gibt es nur von der Seite des Wehrgangs aus. „Der untere Raum ist überwölbt. Rechts war bis kurz vor 1900 das Halseisen angebracht, an das die Verbrecher und Geisteskranken angeschlossen wurden. Dort waren sie dann völlig von der Außenwelt abgeschnitten, denn kein Lichtstrahl drang in diesen Raum“, blickt Heckert zurück in eine düstere Vergangenheit.

Keine Schießscharten im oberen Teil
Der Turm hat im oberen Teil keine Schießscharten im Gegensatz zu den anderen runden Türmen, weshalb der Hochstädter schlussfolgert, dasss es sich wohl um einen Beobachtungsturm handelte. Bis um 1800 war er mit einem spitzen Dach versehen.

 


„Der Name ,Narrenhaus' kommt schon in der Gemeinderechnung von 1798 vor, in der erwähnt wird, dass Jacob Emmel den Turm gefegt hat. Im Jahre 1600 wird ein Mann aus dem Frankenland in Wachenbuchen beim Diebstahl erwischt und in Hochstadt für acht Tage in den Turm gesperrt. Und 1601 muss die Gemeinde viel Geld ausgeben für eine Frau aus Dörnigheim, die ,narrisch im Turm gesessen hat'“, erzählt Heckert.

Beweise für „Hexenturm“ fehlen
Noch Ende des 19. Jahrhunderts seien Jugendliche in das Narrenhaus gesperrt worden: Wer einen Dumme-Jungen-Streich verübt hat, kam für einige Stunden in den Turm. Dass der runde Turm etwas nördlich des „Narrenhauses“ ein „Hexenturm“ gewesen sein soll, sei, so Heckert, hingegen nicht erwiesen. Ihren Namen haben sich aber beide Türme bis in die Gegenwart erhalten.



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