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Kommentar zur Wahl in Selbold: Ein Weiter so darf es nicht geben

Langenselbold

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    Yvonne Backhaus-Arnold, stellvertretende Chefredakteurin des HA, kommentiert den Ausgang der Bürgermeisterwahl in Langenselbold. Foto: Mike Bender

Langenselbold. Nach der Bürgermeisterwahl und der Niederlage von CDU-Kandidat Tobias Dillmann kommentiert Yvonne Backhaus-Arnold, stellvertretende Chefredakteurin des HA, die Lage der Christdemokraten im Main-Kinzig-Kreis.

Artikel vom 03. Februar 2020 - 11:40

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Von Yvonne Backhaus-Arnold

Die CDU im Main-Kinzig-Kreis hat auch ihren letzten Rathaussessel verloren. Noch vor weniger als 20 Jahren hatten die Christdemokraten zwischen Maintal und Schlüchtern mehr als 15 Bürgermeister und eine Oberbürgermeisterin in den 29 Städten und Gemeinden.

Das Dilemma der CDU im Kreis hat viele Kapitel:
Juli 2015: Thorsten Bauroth tritt aus der CDU aus und als parteiloser Bürgermeisterwahl in Großkrotzenburg an. Die CDU mit Max Schad schafft es nicht einmal in die Stichwahl, Bauroth wird Rathauschef.

Herbst 2016: Keiner aus der Spitze der CDU möchte im Landratswahlkampf gegen Thorsten Stolz (SPD) antreten. Srita Heide aus Hanau stellt sich zur Verfügung, wird zum Bauernopfer und bei der Besetzung der Hauptamtsstelle glatt übergangen. 

Debakel bei der Landratswahl

März 2017: Die SPD gewinnt die Landratswahl im ersten Wahlgang, die CDU verliert. 20 Prozent. Ein Debakel

März 2018: Johannes Heger wird bei der Wahl zum Parteivorsitzenden abgestraft.

Mai 2018: Die Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert wird zur neuen Parteivorsitzenden gewählt. Sie nennt sich selbst eine „Teamspielerin“. Doch der mittlerweile stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundes-CDU gelingt es nicht, das Ruder herumzureißen. 

CDU zerfleischt sich in Bruchköbel selbst

Bei der Bürgermeisterwahl Ende 2018 in Freigericht kommt die CDU nicht mal in die Stichwahl. 2019 in Gründau findet sich kein Kandidat. Das Abschneiden in Erlensee: peinlich. In ihren eigenen Stadtverband in Bruchköbel treibt die Parteivorsitzende einen Keil. Die Folge: ein CDU-Bewerber, zwei Unabhängige mit CDU-Parteibuch und am Ende eine Siegerin aus den Reihen der FDP. 

2020 sieht es nicht besser aus: kein Kandidat für Rodenbach, bisher keiner für Neuberg. Die SPD zeigt wie’s gehen kann, hat längst nominiert.

Und dann Maintal: Am Montag will sich Martin Fischer, Fraktions- und Parteichef der Maintaler CDU und gleichzeitig Leiter der Kreisgeschäftsstelle, zum hauptamtlichen (gut bezahlten) Stadtrat wählen lassen, obwohl er das vor kurzem noch ausgeschlossen hatte. Kandidiert hat er vorbei an Stadtverband und – scheinbar – auch ohne das Veto der Parteivorsitzenden, die Fischer hätte stoppen müssen.

Leikert kassiert Niederlage um Niederlage

Leikert hat ihre Basis längst verloren. Personelle Fehlentscheidungen, Niederlagen um Rathäuser, die sicher geglaubt waren, Mitgliederschwund. Während der Fraktionsvorsitzende Michael Reul seine Reihen im Kreistag – zumindest nach außen – geschlossen auf Linie hält und Winfried Ottmann als Kreisbeigeordneter mit guter Sacharbeit glänzt, muss Leikert eine Niederlage nach der anderen verdauen. 

Wer mit ihr darüber sprechen will, erlebt eine dünnhäutige Berufspolitikerin, die von oben herab spricht und von oben herab urteilt. Arrogant. Schnell persönlich beleidigt. Nie an der Sache orientiert. Berlin hat sie so werden lassen, sagen viele.

Kein Weiter so mit Leikert

Am 20. März müssen die CDU-Delegierten eine neue Parteivorsitzende oder einen neuen Parteivorsitzenden wählen, einen oder eine, die wieder mehr vor Ort ist, die Zeit hat, sich tatsächlich zu kümmern, die gern mit Menschen an der Basis arbeitet und ihnen auch zuhört. Ein Weiter so mit Katja Leikert kann es nicht geben. Normalerweise hätte sie das selbst längst erkennen und einen Nachfolger aufbauen müssen – das wäre sie ihrer Partei schuldig gewesen.

Schaffen die Christdemokraten diese Erneuerung nicht, werden sie (ohne Rathaus doppelt schnell) in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Eine schwache CDU macht Parteien wie die AfD, die sich bei Bürgermeisterwahlen bisher kaum eingeschaltet hat, stark. Das kann und darf nicht im Sinn der CDU sein. 



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