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Langenselbold: Landwirte protestieren erneut mit Mahnfeuer

Langenselbold

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    Mit einem Mahnfeuer protestierten Bauern aus Selbold und Umgebung am Freitag gegen die vorherrschende Agrarpolitik. Foto: Anja Goldstein

Langenselbold. Bereits bei den Neujahrsempfängen von SPD und CDU hatten die heimischen Landwirte ihrem Unmut mit Protestaktionen in der Gründaustadt Luft gemacht. Nun initiierten sie parallel zu den Aktionen der Bauern bei der „Grünen Woche“ in Berlin am Freitagabend ein Mahnfeuer, das neben dem Feuerwehr-Areal entfacht wurde.

Artikel vom 20. Januar 2020 - 11:49

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Von Anja Goldstein

An der Aktion nahmen über 100 Personen teil. Beim Neujahrsempfang der Selbolder CDU am 12. Januar, an dem auch Ministerpräsident Volker Bouffier teilnahm, hatten rund 100 Bauern mit etwa 70 Traktoren vor dem Schloss protestiert.

Teil von bundesweiten Protestaktionen

Mit ihren bundesweiten Aktionen erinnern die Landwirte an ihre prekäre Situation: Reglementierungen wie die Düngemittelverordnung, die Tierhaltungsregelung und „andere Schikanen“ würden ihnen das Leben schwer bis unmöglich machen, wie sie auch bei ihrem Mahnfeuer in Selbold erklärten.

Die Bauern sorgen sich um ihre Zukunft und möchten zugleich ihren Berufsstand wieder stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Jeder Bauer versorge statistisch gesehen 150 Bürger mit Nahrung, führten sie an.

Protest auch mit grünen Kreuzen

Rund 100 Landwirte, Angehörige und interessierte Bürger hatten sich am Freitagabend an der Ravolzhäuser Straße eingefunden, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Gespenstisch in die Dunkelheit gehüllt, standen etwa 40 Traktoren, an denen Transparente befestigt waren, auf dem Feld und leuchteten das Mahnfeuer an. 

Neben den erwähnten Protestaktionen bei den Neujahrsempfängen von SPD und CDU machen die Bauern auch schon seit Wochen mit grünen Kreuzen und ironisch gemeinten „Danke, Julia“-Plakaten (Adressatin ist Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner von der CDU) auf Selbolder Feldern auf ihre Lage aufmerksam. 

17 Stunden Fahrt zur Demo in Berlin

Einige der Landwirte aus dem Main-Kinzig-Kreis waren gar mit dem Traktor bis nach Berlin gefahren, um dort zu protestieren. Insgesamt 17 Stunden habe es für die rund 1000 Kilometer lange Strecke gebraucht, berichteten sie nun am Rande des Mahnfeuers in Selbold. Die Heimfahrt habe man direkt im Anschluss an die Demonstration am Brandenburger Tor gestartet, da das Melken der Kühe nicht warten konnte.

Der Unmut über neue und in den Augen der Landwirte „unfaire und sinnlose“ Auflagen und Reglementierungen ist seit langem groß. Viele fürchten um ihre Existenz, denn kostspielige Investitionen seien „einfach nicht mehr tragbar“. Höfe, die seit Generationen weiter vererbt werden, stünden plötzlich vor dem Aus: Der Nachwuchs sei nicht mehr bereit, am Existenzminimum 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche zu arbeiten.

Wut über neue Düngemittelverordnung

Dazu kommen viele weitere Themen. Unter anderem die Düngemittelverordnung, die laut der LSV auf einer Falschmeldung beruhe: Nur 270 nitritbelastete Messstationen seien der EU gemeldet worden. Über 10 000 einwandfreie Stationen würden nicht auftauchen.

Ebenso unsinnig seien Insektenschutzverordnungen und Tierwohlbestimmungen. Seit Jahren kümmerten sich die Landwirte auf freiwilliger Basis um Blühstreifen und bekämen dafür Fördermittel. Mit einem Zwang dazu fiele diese Förderung weg.

Tierwohlbestimmungen erschweren Arbeit der Landwirte

Auch immer neue Tierwohlbestimmungen machten den Milch- und Fleischbauern das Leben schwer: „Jedes Jahr kommen andere Bestimmungen, so schnell kann ich gar nicht umbauen. Was in dem einen Jahr noch förderwürdig war, ist im nächsten schon nicht mehr gesetzeskonform. Und dann wird in Südamerika garantiert nicht biologisch produziertes Rindfleisch subventioniert und überschwemmt hier den Markt. Da können wir einfach nicht mehr mithalten“, meinte ein Landwirt, der namentlich nicht genannt werden möchte, am Freitagabend gegenüber unserer Zeitung.

Obwohl das Mahnfeuer Unterstützung und Verständnis bei einigen Langenselbolder Bürgern fand, waren nicht alle Anwohner an der Ravolzhäuser Straße mit der Aktion einverstanden. „Die lassen seit Stunden ihre Motoren laufen und produzieren jede Menge Rauch und Abgase. Das kann ja wohl auch nicht im Sinne des Klimaschutzes sein“, merkte eine Bürgerin kritisch an.



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