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Wandern mit . . . CDU-Kandidat Tobias Dillmann

Langenselbold

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    Im Gleichschritt Richtung Wingerte und zurück: CDU-Bürgermeisterkandidat Tobias Dillmann beim Wander-Gespräch mit Redakteurin Yvonne Backhaus-Arnold. Foto: Mike Bender

Langenselbold. Tobias Dillmann schultert den Rucksack. Jacke zu, Schal an – und los geht's. Es ist kalt heute Vormittag am Weinberg. Die Luft ist klar, der Himmel grau mit blauen Lücken. Der 47-Jährige ist im Wahlkampfmodus – und das schon seit Monaten. 

Artikel vom 07. Januar 2020 - 11:09

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Von Yvonne Backhaus-Arnold

Straße um Straße hat er abgearbeitet, Haustür um Haustür besucht, sich bei zig Vereinen vorgestellt. Bis zum Wahlsonntag am 19. Januar geht's weiter. Der Takt ist schnell. Dass die Wahl kein Selbstläufer wird für die CDU, weiß der Kandidat. Stichwahl? „Ja, die wird es sicher geben.“

Die Christdemokraten haben Tobias Dillmann schon im Mai 2018 aufs Schild gehoben, als klar war, dass Bürgermeister Jörg Muth nicht noch einmal antreten würde. Für die CDU ist er eine gute Wahl. Der vierfache Familienvater verkörpert ihre Werte, lebt das C. Hat das Gemeinwohl im Sinn, die Familie, die Menschen. 

Die Eltern ziehen Anfang der 70er Jahre aus Frankfurt in die Gründaustadt. Sie schätzen, wie ihr Sohn heute auch, schon damals die Nähe zur Natur auf der einen, und die zur Metropole auf der anderen Seite. Dillmann wächst mit einem älteren Bruder und einem Zwillingsbruder auf. Die Mutter arbeitet als Sekretärin bei Schwab, der Vater ist Finanzbeamter. 

Kein gradliniger Weg

Der Weg des Langenselbolders ist im besten Sinne nicht so ganz geradlinig. Kindergarten, Grundschule, Abitur in Freigericht, danach beginnt er ein Studium; Biologie und Chemie auf Lehramt – es ist nicht das Richtige. Dillmann bricht ab und schiebt den Zivildienst beim Deutschen Roten Kreuz dazwischen, arbeitet auf der Rettungswache in Gelnhausen, lässt sich zum Rettungssanitärer ausbilden.

Beruflich startet er danach im Bankenbereich durch. Nach der Lehre bei der Degussa Bank in Frankfurt beginnt er ein Betriebswirtschaftsstudium an der Goethe Universität. Um sich Geld zu verdienen, jobbt er am Retourenfließband bei Schwab, fährt Transporte für einen Freund und trägt jahrelang die LZ aus.

Heute ist Dillmann bei der Deka Bank und hier für den strategischen Einkauf verantwortlich. Was langweilig klingt, ist essenziell für die Mitarbeiter der Großbank, denn Dillmann hat den kompletten Einkauf im Blick – vom Notebook bis zum Telefon. Neue Software, externe Berater – all das geht über seinen Schreibtisch. Dillmann führt und er tut es gerne. Offen sei er, jemand, der erst zuhört, bevor er urteilt, der verstehen will, jemand, der auf Kommunikation setzt. „Nur so kann man weiterkommen“, ist er sicher.

Ein leiser Mensch

Wer am Wahlstand mehr als einen Satz mit ihm gewechselt hat, merkt schnell, dass Tobias Dillmann ein leiser Mensch ist, ruhig, ausgeglichen, strategisch. So ist er auch beruflich vorgegangen, hat seinen Chef schon früh über die Kandidatur informiert. Es hat viel Vertrauensvorschuss und Freiräume eingeräumt bekommen. Außerdem gibt es eine Nachfolgeregelung mit einem Trainee, den der 47-Jährige seit Januar 2019 einarbeitet. Wenn's nicht klappt mit der Wahl, bleibt alles beim Alten. Der Trainee wird so oder so gebraucht, immerhin geht Dillmanns Kollege in knapp zwei Jahren in den Ruhestand.

Politisch war er kurz auf Tuchfühlung mit der SPD, hat sich dann aber doch für die CDU entschieden. 1995 ist er in die Partei eingetreten, hat die Junge Union in der Gründaustadt wiederbelebt und den Wahlkampf von Heiko Kasseckert begleitet. Der ist heute genauso in Dillmanns Wahlkampfteam wie Jörg Muth und Bernd Matt, den Dillmann seinen Mentor nennt. Neben vielen guten Ratschlägen hat er einen Apparat, der dafür sorgt, dass Dillmann präsent ist in Langenselbold mit Videos und Flyern, Plakaten und Wurfsendungen.

Seit 1997 ist Dillmann im Stadtparlament, war Vorsitzender der JU, später Beisitzer und Kassierer, erst Stellvertreter, dann Parteivorsitzender. Von 2001 an hat er 15 Jahre lang den Ausschuss für Soziales, Kultur und Vereine geleitet. Letztere sind ihm eine Herzensangelegenheit und „bei allem Wachstum wichtig, um keine Schlafstadt zu werden.“ „Ohne die vielen Vereine und das Ehrenamt könnten wir den Menschen hier nicht so viele Angebote machen“, sagt er und lebt es auch. Bis zum November war er im Kirchenvorstand aktiv.

Fast überall Mitglied

Freiwillige Feuerwehr, DRK, Turnverein – überall ist Dillmann Mitglied. Ein Vereinsmeier im besten Sinn. Seine Frau Norma ist in der Evangelischen Gemeinschaft. Die Volljuristin managed gerade das Leben im Hause Dillmann – mit vier Kindern zwischen sieben Monaten und zwölf Jahren gibt es jede Menge zu tun. Tobias Dillmann ist seiner Frau dankbar. Ohne ihr Zutun wäre die Jonglage mit Arbeit und Wahlkampf für ihn unmöglich. „Viel Zeit bleibt nicht“, sagt der 47-Jährige, „aber das gemeinsame Abendessen ist Pflicht und das Vorlesen auch.“ 

Die Arbeit im Ausschuss und in der CDU habe er nie auf eine mögliche Bürgermeisterkandidatur ausgerichtet. „Ich habe das für die Gemeinde getan, nicht für mich.“ Parteikarrieren, sagt Tobias Dillmann, sind nicht das Vorbild, das ich für gut halte. „Wir brauchen Menschen aus der Mitte der Gesellschaft für die Politik. Menschen, die arbeiten, Familie haben, nicht welche, die nach dem Abitur studieren und danach direkt in ein politisches Amt anstreben.“ 

Im Parlament, das sagen Beobachter, sei Dillmann zu Beginn eher unscheinbar und unauffällig gewesen. Dass das nicht negativ sein muss und der erste Eindruck manchmal vielleicht auch täuscht, zeigt die Wahl des 47-Jährigen zum Stadtverordnetenvorsteher 2015. Ein Jahr später wurde er wiedergewählt. Im Wahlkampf hat er seine Themen klar formuliert. Er will die Projekte des Vorgängers – Wohn- und Gewerbegebiete – weiterführen mit zukunftsfähigen Firmen und Kriterien wie Ausbildungsplätze. Er will die Digitalisierung des Rathauses vorantreiben, um mehr Freiräume für die Mitarbeiter zu schaffen, für Beratung zum Beispiel. „Die wird künftig immer wichtiger werden“, glaubt Dillmann. Die Digitalisierung bestimmter Prozesse könne der Schlüssel dazu sein.

Schwerpunkt Kinderbetreuung

Ein weiterer Schwerpunkt im Wahlprogramm des Kandidaten ist die Kinderbetreuung. Flexiblere Pakete, mehr Ganztagsplätze, gemeinsames Mittagessen Der Familienvater ist nah dran am Thema, hat viele gute Ideen.
Über die Wingerte geht die Wanderung zurück zum Parkplatz. „Lassen Sie uns da vorn Pause machen“, sagt Dillmann und deutet auf eine Bank von der aus man einen wunderbaren Blick auf die Ronneburg hat. Zum Aufwärmen hat er eine Thermoskanne mit Kinderpunsch dabei und selbst gebackene Butterplätzchen, außerdem Gurke und Kohlrabi – mundgerecht in Schnitzen. Die Sandwiches sind in Eintracht-Frankfurt-Brotdosen verstaut.

„Ja“, sagt Dillmann und ist plötzlich ganz weit weg vom Wahlkampfmodus, „ich bin schon immer Eintracht Fan.“ Manchmal ist er mit seinem ältesten Sohn im Stadion. Der war am Anfang übrigens Bayern Fan, aber nur ganz kurz. Die Brotdose des FCB liegt noch irgendwo ganz unten im Schrank. „Das ist schon okay“, sagt er und lacht. Das Eintracht-Gen hat gesiegt. Der Papa ist halt ein überzeugender Kommunikator. 



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