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Thermo Fisher: Politik, Betriebsrat und IG Metall erhöhen Druck

Langenselbold

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    Thermo Fisher möchte an seinem Standort in Langenselbold über 100 Arbeitsplätze abbauen. Mitarbeiter, Gewerkschaft und Politik wehren sich dagegen. Archivbild: Axel Häsler

Langenselbold. Die Auseinandersetzung bei Thermo Fisher in Langenselbold spitzt sich weiter zu. Auch nach dem Warnstreik im Oktober weigere sich das Unternehmen, mit dem Betriebsrat und der IG Metall über einen fairen Kompromiss zu verhandeln, so die IG Metall. Am Dienstag tagt die gerichtlich eingesetzte Einigungsstelle.

Artikel vom 25. November 2019 - 11:05

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Hintergrund der Auseinandersetzung ist der geplante Stellenabbau und die Verlagerung von Stellen. „Wir bleiben bei unserer grundsätzlichen Haltung, dass die Einigungsstelle in erster Linie eine juristische Möglichkeit für den Konzern darstellt, den angestrebten Arbeitsplatzabbau so schnell wie möglich umzusetzen“, erklärt der erste Bevollmächtigte der IG Metall Hanau-Fulda, Robert Weißenbrunner, erklärte in einer Pressemitteilung.

IG warnt vor weiterer Eskalation

Wenn der Arbeitgeber an einer schnellen und fairen Lösung interessiert sei, werde er sich deutlich auf die Beschäftigten und ihre Forderungen zubewegen müssen. Andernfalls eskaliere der Konflikt weiter, prognostiziert die IG Metall und bedauert, dass die Geschäftsleitung seit fast sechs Monaten Gespräche mit Betriebsrat und IG Metall verweigere. 

Betriebsrat, IG Metall und Belegschaft erwarten nach den Worten Weißenbrunners jetzt einen ernst gemeinten Kompromissvorschlag des Arbeitgebers. Mit dieser Erwartung sind sie nicht allein. Politiker aller Couleurs aus der Region haben den Konflikt von Anfang an begleitet und erhoffen sich ebenfalls von der Geschäfts- und Konzernleitung einen ernsthaften Versuch, eine gemeinsame Lösung herbeizuführen. 

Unterstützung aus der Politik

Die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler versichert die Beschäftigten im Kampf um ihre Arbeitsplätze ihrer vollen Solidarität sowie der Unterstützung der gesamten Region und des Kreistages: „Die ganze Region steht hinter ihnen!“ Es sei inakzeptabel, dass der begonnene Prozess der Gespräche von Seiten der Konzernleitung abgebrochen wurde, wird Simmler in der Pressemitteilung zitiert. Sie fordert alle Seiten auf, an gemeinsamen Lösungen zu arbeiten, die so viele Arbeitsplätze wie möglich am Standort hält.

Die Geschäftsführung dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen. „Aber es geht auch darum, deutlich zu machen, dass nicht Gewinnmaximierung und immer höhere Ausschüttungen auf dem Rücken der Beschäftigten in unserer Region und ganz Deutschland ausgetragen werden dürfen.“

Kündigungen trotz hoher Gewinne

Überhaupt kein Verständnis dafür, dass Thermo Fisher trotz hoher Gewinne langjährig engagierten und verdienten Mitarbeitern kündigen will, zeigt der SPD-Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe: „Ich fordere die Unternehmensleitung auf, wieder an den Verhandlungstisch mit dem Betriebsrat zurückzukehren und eine Lösung im Sinne der Beschäftigten zu finden.“

Der CDU-Landtagsabgeordnete Max Schad betont, Thermo Fisher habe seinen Ruf als verlässlicher Arbeitgeber am Standort Langenselbold mit den weiterhin angestrebten Umstrukturierungen aufs Spiel gesetzt: „Ich stehe fest an der Seite der Belegschaft und fordere die Geschäftsführung auf, sich zu bewegen, um gemeinsam einen Weg für den Erhalt der Arbeitsplätze zu finden.“

Kompromissbereitschaft gefordert

„Noch ist Zeit, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren“, gibt sich laut Mitteilung der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Degen überzeugt. Belegschaft, Betriebsrat und IG Metall hätten in den letzten Wochen Vernunft und Kompromissbereitschaft in der Auseinandersetzung bewiesen. „Das erwarte ich nun auch vom Thermo-Fisher-Konzern“, so Degen.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, Reiner Bousonville, signalisiert der Belegschaft ebenfalls Rückendeckung und erklärt, die Konzernleitung stelle sich gegen ihre Mitarbeiterschaft, dank derer der Konzern am Langenselbolder Standort hohe Gewinnmargen einfahre. Für ihn ist dies „ein Akt reiner Profitgier und lässt jede Menschlichkeit vermissen“. 

Druck auf Unternehmen steigt

Saadet Sönmez, Landtagsabgeordnete Die Linke, erklärt: „Auf dem Rücken der Beschäftigten und ihrer Familien soll der ohnehin schon hohe Profit des Thermo-Fisher-Konzerns erhöht werden.“ Daher verurteile sie die Entscheidung und das Vorgehen des Konzern aufs Schärfste. Sie erwarte, dass das Unternehmen endlich einen fairen Lösungsvorschlag unterbreite. 

Für die Liberalen in Langenselbold melden sich FDP-Parteivorsitzender Christof Sack und Fraktionsvorsitzender Rainer Lamprecht im Stadtparlament zu Wort: Es könne nicht sein, „dass ein höchst prosperierendes Unternehmen, welches am Standort Langenselbold Rekordgewinne macht, nur zur alleinigen Gewinnoptimierung Arbeitsplätze ins Ausland verlegen will“. Man sehe hier, dass die Geschäftsleitung ihre Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern verletze. Der Arbeitgeber sollte endlich in lösungsorientierte Sozialtarifverhandlungen einsteigen. ju



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