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Warnstreik bei Thermo Fisher: Über 600 Menschen demonstrieren

Langenselbold

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    Die Mitarbeiter von Thermo Fisher und ihre Unterstützer zeigten bei ihrem Demonstrationszug durch Selbold Flagge gegen die geplante Stellenverlagerung. Foto: Lars-Erik Gerth

Langenselbold. In Langenselbold zeigten die Mitarbeiter von Thermo Fisher Flagge gegen den geplanten Stellenabbau. 

Artikel vom 16. Oktober 2019 - 12:05

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Von Lars-Erik Gerth

Es war schon ein beeindruckendes Bild, als die über 600 Teilnehmer am ersten Warnstreik der Selbolder Belegschaft des US-amerikanischen Technologieunternehmens Thermo Fisher Dienstagvormittag eine zuvor mit 52 Pappkartons aufgebaute Mauer einrissen, um dann ihren Demonstrationszug durch die Selbolder Innenstadt zu starten, der bis zum Rathausplatz führte. Dort informierte unter anderem Betriebsratsvorsitzender Walter Heidenfelder nochmals über den Stand der Dinge im Kampf gegen die von der Geschäftsführung geplante Verlagerung von rund 80 Arbeitsplätzen nach Schottland und Ungarn.

Die Weigerung der Geschäftsführung, mit Betriebsrat und IG Metall nicht einmal über die Einrichtung einer Transfergesellschaft für jene Mitarbeiter zu sprechen, deren Arbeitsplätze in Selbold wohl nicht gehalten werden können, symbolisierte der Satz „Thermo blockiert faire Lösung“. Dieser war auf der Mauer zu lesen, ehe sie von den Demonstranten niedergerissen wurde. 

Landtagsabgeordnete dabei

Unter diesen befanden sich auch die Landtagsabgeordneten Christoph Degen (SPD) und Max Schad (CDU) sowie Abordnungen der Hanauer Vacuumschmelze und vom Thermo-Standort in Bremen. Wie Betriebsratsvorsitzender Holger Behrmann berichtete, seien er und seine Kollegen aus der Hansestadt bereits um 5 Uhr losgefahren, um am Warnstreik in Selbold teilzunehmen.

„Wir hatten versprochen, mit einer Abordnung vertreten zu sein, wenn es hier zum Warnstreik kommt. Und wir halten Wort. Gleichzeitig nehmen in Bremen 250 Kollegen an einer Solidaritätskundgebung für euch hier in Selbold teil. Denn was hier passiert, kann auch uns passieren“, unterstrich Behrmann bei der abschließenden Kundgebung auf dem Rathausplatz die Wichtigkeit der Solidarität mit den betroffenen Thermo-Mitarbeitern in der Gründaustadt. 

Besonders große Freude kam gegen Ende der Kundgebung auf, als ein Bus mit 50 Personen aus Rheinland-Pfalz eintraf. Sie gehören zu den Belegschaften des Riva-Stahlwerks in Trier und Horath, die sich seit 19 Wochen im Tarif-Arbeitskampf befinden. Sie bestärkten die Thermo-Belegschaft ebenfalls im Kampf um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. 

"Thermo an den Tisch"

Ihre Solidarität mit der Selbolder Belegschaft bekundeten laut Heidenfelder gestern ebenso die Thermo-Mitarbeiter in Hennigsdorf (Brandenburg), Karlsruhe, Erlangen, Schwerte (Nordrhein-Westfalen), Osterode (Niedersachsen), Dreieich und Freiburg mit Aktionen und Demonstrationen. „Über diese bundesweite Unterstützung freuen wir uns sehr“, zeigte sich der Betriebsratsvorsitzende beeindruckt und dankbar.
Seinerseits beeindruckt von der großen Resonanz beim Warnstreik war Robert Weißenbrunner, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall. „Das ist eine eindrucksvolle Kundgebung, mit der ihr der Thermo-Geschäftsleitung deutlich macht, dass ihr so mit euch nicht umspringen lasst“, rief Weißenbrunner der Selbolder Belegschaft zu. 

Bereits während ihres Zugs durch die Selbolder Innenstadt skandierten die Demonstranten immer wieder „Thermo, Thermo, Thermo an den Tisch“, forderten damit die Geschäftsführung auf, in die Sozialtarifverhandlungen mit der IG Metall einzusteigen. Das lehnt die Thermo-Leitung jedoch weiterhin ab, die auf die Einigungsstelle verweist, die vom Arbeitsgericht auf Antrag der Unternehmensführung eingesetzt worden war.

Klare Ansage an Wissenbach

Von dieser erwarten IG Metall und Betriebsrat jedoch nichts. „Dort will der Konzern nur seine Interessen einseitig durchsetzen“, ist Weißenbrunner überzeugt. Dieser freute sich auch über die Solidaritätsbekundungen der Ersten Kreisbeigeordneten Susanne Simmler (SPD) und der DGB-Regionsgeschäftsführerin Kathrin Harth. 

Klar machte er allerdings, dass er überhaupt keinen Wert auf die Solidarität des AfD-Landtagsabgeordneten Walter Wissenbach legt. Jener hatte in einer E-Mail an ihn, so Weißenbrunner, bedauert, dass er keine Einladung zu Warnstreik und Demonstration bekommen habe, obwohl er und seine Partei solidarisch an der Seite der Thermo-Fisher-Beschäftigten stünden. „Wer eine Politik der Spaltung betreibt, auf Hass und die Zersetzung von Demokratie und Gesellschaft setzt, der kann niemals ein Bündnispartner der IG Metall sein“, ließen Weißenbrunners Worte diesbezüglich nichts an Deutlichkeit vermissen.



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