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Flüchtlingshelfer kritisieren Arbeitsweise der Kreisverwaltung

Erlensee

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    Gottfried Kranen kritisiert die Abläufe in der Flüchtlingsbehörde scharf. Foto: Gepperth
  • Die Flüchtlinge müssen oft lange auf Termine warten. Symbolbild: Pixabay

Erlensee/Bruchköbel. Wochenlange Wartezeiten, um wichtige Dokumente zu erhalten und fehlende Empathie den Flüchtlingen gegenüber. So beschreibt ein ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer die Situation in der  Ausländerbehörde des Main-Kinzig-Kreises. Dieser weißt die Kritik größtenteils zurück.

Artikel vom 29. Mai 2018 - 13:05

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Von Jan Max Gepperth

Seit drei Jahren ist Gottfried Kranen, promovierter Diplom-Ökonom, als Flüchtlingshelfer für die Stadt Erlensee aktiv. Dort betreut er insgesamt vier Familien und drei Einzelpersonen. Diesen Menschen will er helfen, sich besser in das Leben in Deutschland zu integrieren.

Ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist auch, die Geflüchteten bei Behördengängen zu begleiten. Dies stellt für ihn mittlerweile jedoch ein ziemliches Ärgernis dar, weil die Abläufe sich in seinen Augen dermaßen verkompliziert haben, dass die Wartezeiten enorm angestiegen sind.

Früher gab es das Prinzip der Wartenummern
Kranen weist darauf hin, dass es früher bei der Behörde das klassische Prinzip der Wartenummern gab. Man ging hin, zog eine Nummer und wartete vor Ort bis man an der Reihe war. „Da gab es damals immer sehr lange Warteschlangen. Aber jeder wurde an dem Tag aufgerufen, an dem er vor Ort war“, berichtet Kranen.

Dies änderte sich zum 1. Dezember vergangenen Jahres, als die Behörde ein neues System der Terminvergabe einführte. Damit sollten in Zukunft längere Schlangen vermieden und die Arbeit der überlasteten Behörde vereinfacht werden. Nach Darstellung von Kranen ist genau das Gegenteil eingetreten.

Neue Terminvergabe
Die Termine müssen jetzt im Vorhinein gemacht werden. Zudem müsse zu dem Termin schon genau angegeben werden, welche Personen zu welchem Anlass vorstellig werden, so Kranen weiter. Anschließend bräuchten die Flüchtlinge noch eine Mailadresse, um den Termin bestätigt zu bekommen. Jedoch kann pro Mailadresse nur ein Termin vergeben werden. Dies sei besonders für die Helfer schwierig, die die Termine für ihre Schützlinge vereinbarten. „Anfangs belief sich die Wartezeit auf ungefähr drei Wochen. Nun sind es zwei bis drei Monate“, beklagt Kranen.

Diese Aussage kann der Main-Kinzig-Kreis nur bedingt bestätigen. „Je nach Art und Umfang der notwendigen Dienstleistung kann der Terminvorlauf derzeit bis zu zehn Wochen [...] betragen. Umgekehrt gibt es aber immer wieder auch kurzfristig zusätzliche Kontingente. Zudem gibt es Sonderkontingente für Notfälle“, erklärt Kreissprecher John Mewes.

Terminvergabe am selben Tag setzt Glück voraus
Dies hält Kranen jedoch für unzureichend: „Man muss morgens früh anrufen und sich erkundigen, ob Termine abgesagt wurden. Dann hat man eine Möglichkeit, spontan einen Termin zu bekommen. Da braucht man aber jedoch etwas Glück.“

Insgesamt wünscht sich Kranen eine weitere Optimierung der Terminvergabe und zieht den Vergleich mit einem Arztbesuch. „Wenn man etwas Akutes hat, kann man ja auch zum Arzt gehen. Man bekommt dann zwar gesagt, dass man länger warten muss, aber man kommt an die Reihe. Und das ist entscheidend.“ Insgesamt sind die Abläufe nach Ansicht Kranens zu unflexibel. Man gehe bei der Behörde auch nicht auf die Mentalität der Flüchtlinge ein, so der Flüchtlingslotse. „Die Flüchtlinge kümmern sich erst morgen um ein neues Dokument, wenn es übermorgen ausläuft. Da ein Dokument ab dem Tag der Ausstellung gültig ist, wollen die Geflüchteten keine Tage verschenken.“

Mewes weißt Kritik zurück
Diese Kritik wird von Mewes vehement zurückgewiesen. Den Vorwurf, man würde in der Behörde nicht auf die Mentalität der Flüchtlinge eingehen, hält der Pressesprecher angesichts von bis zu 50 verschiedenen Nationalitäten, mit denen die Behörde zu tun habe, für „ziemlich absurd.“ Weiter führt er an, dass für die Arbeit der Verwaltung „Grundsätze der Gleichbehandlung, Sorgfalt, Verlässlichkeit und Nachvollziehbarkeit“ gelten.

Auch Walter Wild, Flüchtlingshelfer aus Bruchköbel, kritisiert die praktische Umsetzung der Terminvergabe. „Bei der Terminvergabe muss man einen Grund angeben. Bei manchen Fällen ist dies jedoch nicht so leicht möglich. Da kann es schon einmal vorkommen, dass man in die falsche Rubrik gerät. In solch einem Fall ist es dann sehr schwer, nicht abgewiesen zu werden“, kritisiert Wild. Wenngleich der Bruchköbeler würdigt, dass man durch eine neue Terminvergabe versucht habe, die Situation generell zu verbessern. Er schlägt vor, die Vorgänge und Formulierungen zu vereinfachen.



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