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Geschichtsverein widmet das Jubiläumsjahr den Holocaust-Opfern

Erlensee

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    Erwin Hirchenhain, Vorsitzender des Geschichtsverein, vor der Erinnerungstafel an der Wasserburg, die zum Gedenken an die Opfer des Holocaust angebracht wurde. 28 jüdische Mitbürger aus den Ortsteilen Rückingen und Langendiebach wurden von den Nazis ermordet. Foto: Weber-Stoppacher

Erlensee. Der Erlenseer Geschichtsverein wird 40. Statt ausschließlich sich selbst zu feiern, haben die Mitglieder ihren runden Geburtstag zum Anlass genommen, der Opfer von Holocaust und zwei Weltkriegen in den beiden Ortsteilen Langendiebach und Rückingen zu gedenken.

Artikel vom 18. Mai 2018 - 13:54

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In den vergangenen Tagen wurden an der Wasserburg, wo sich einst die Synagoge in Rückingen befand, sowie an der Friedrich-Ebert-Straße in Langendiebach Gedenktafeln angebracht. In der kommenden Woche sollen dann auf den beiden Friedhöfen Tafeln aufgestellt werden, auf denen die Soldaten und zivilen Opfern der beiden Weltkriege namentlich erwähnt werden.

„Wir sind der Ansicht, dass man die Opfer der Kriege und des Holocaust einzeln für sich behandeln sollte“, meint Erwin Hirchenhain, der Vorsitzende des Geschichtsvereins. 28 jüdische Mitbürger aus dem Bereich des heutigen Erlensee wurden während der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten in Konzentrationslagern umgebracht, zwölf aus Langendiebach und 16 aus Rückingen. Darunter war auch die damals erst 18-jährige Hannelore Stein. Sie ist auf einem Foto zu erkennen, das auf der Gedenktafel an der Friedrich-Ebert-Straße zu sehen ist. Dort befand sich vor der Reichspogromnacht 1938 ein jüdischer Gebetsraum. Das Bild zeigt sie bei der Deportation auf dem Hanauer Bahnhof. Die junge Frau scheint guter Dinge zu sein. „Sie hat zu dem Zeitpunkt noch geglaubt, dass sie irgendwann wieder heimkehrt“, weiß Hirchenhain zu berichten. Hannelore Stein wurde in Sobibor vergast.

Holocaust- und Kriegsopfer
Auf der Tafel in Rückingen ist ein Bild der Familie Gernsheimer zu sehen, ebenfalls auf dem Bahnhof. Ludwig und Therese und deren Söhnen Hans und Lothar wurden ebenso in der Gaskammer ermordet. Nach langer Vorarbeit sollen auf dem Langendiebacher und Rückinger Friedhof in den kommenden Tagen auch die Gedenktafeln angebracht werden, die die Namen der getöteten Soldaten sowie der zu Tode gekommenen Zivilisten der beiden Weltkriege auflisten.

„Das ganze Projekt begann damit, dass unser Mitglied Bernd Jeschonnek sich vor Jahren an die Arbeit machte, alle aus Rückingen stammenden gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs herauszufinden und zusammenzustellen“, berichtet Hirchenhain. Bislang gab es für Rückingen nur eine Tafel mit den Gefallenen des Ersten Weltkriegs, die an der Mauer des Rückinger Friedhofs eingelassen ist. Anders stellte sich die Situation in Langendiebach dar: Dort gibt es bereits ein Gedenkbuch, das in der Kirche ausliegt und in dem die Namen der Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs zu finden sind. Das Buch wurde bereits wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs angelegt. Mit dem Anliegen von Bernd Jeschonnek, neben der bestehenden Tafel an der Wand des Rückinger Friedhofs eine zweite mit den gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs anzubringen, habe sich der Vorstand schwergetan, so Hirchenhain. Man sei der Auffassung gewesen, dass Erlensee nach dem Zusammenschluss von Langendiebach und Rückingen im Jahr 1970, also nunmehr fast vor einem halben Jahrhundert, eine gemeinsame Erinnerungskultur brauche.

Auch Stadt und Kirche waren involviert
So wurde ein Gremium gebildet, das aus Vertretern des Geschichtsvereins, des Magistrats der Stadt, der Kirchengemeinden beider Konfessionen sowie des VdK bestand. Anschließend befasste sich auch noch einmal der Bau-und Umweltausschuss mit dem Thema und schloss sich den Vorstellungen der Arbeitsgruppe an.

Auf den Friedhöfen der beiden Stadtteile werden inhaltsgleiche Tafeln angebracht. Es sei nicht von „gefallenen“, sondern von „getöteten“ Soldaten die Rede, ebenso von getöteten Zivilisten, die ebenfalls namentlich genannt werden. Besonderer Dank gelte Bernd Jeschonnek, der das Projekt vor mehr als zwei Jahren ins Rollen gebracht habe sowie der Stadt Erlensee für deren Unterstützung, betont Hirchenhain.

Eine Festveranstaltung anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Vereins soll es am 17. Juni im Bürgerhaus „Zum Neuen Löwen“ in Erlensee geben. Die Feier beginnt um 11 Uhr.  how



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