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Bulauhochwasser: Großvater springt Enkel in die Strömung nach

Hanau

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    Zwei Tage nach dem Unfall von Erhard Reuther und seinem Enkel steht immer noch Wasser auf dem Rad- und Wanderweg in der Bulau zwischen Hanau und Erlensee, wo es geschah. Das Wasser ist von rechts nach links geflossen und hat den zehnjährigen Jungen nach links ins tiefe Wasser gerissen, berichtet der Rentner. Foto: Privat

Erlensee/ Hanau. Noch Tage später ist Eberhard Reuther mitgenommen und den Tränen nahe, wenn er von seiner Fahrradtour mit seinem Enkel erzählt. In der Bulau ist der zehnjährige Junge in einer Senke von den Fluten mitgerissen worden. Weil das Rad des Jungen in der Strömung verschwand, kaufte der Großvater ihm sofort ein neues.

Artikel vom 20. April 2018 - 11:48

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Von Monica Bielesch

„Plötzlich war mein Enkel mit dem Kopf unter Wasser.“ Eberhard Reuther aus dem Hasselrother Ortsteil Gondsroth steht noch immer leicht unter Schock, als er in der Redaktion des HA anruft. Am Montag vormittag endete eine Radtour mit seinem zehnjährigen Enkel fast in einer Katastrophe.

Sie fuhren von Gondsroth über Neuenhasslau und Niederrodenbach Richtung Hanau-Wolfgang. An der Samendarre des Forstamts Wolfgang radeln die zwei Richtung L3483, überqueren die A66 und biegen an einem Abzweig links in die Bulau ab. Das Wasser habe etwas auf dem Weg gestanden, aber nach seiner Einschätzung nur wenige Zentimeter, berichtet Reuther. Womit er nicht rechnete war, dass der Weg plötzlich durch eine leichte Senke führte. „Mein Enkel wurde mitgerissen, war bis zum Kopf unter Wasser, das Fahrrad war weg“, erzählt Reuther. Das Wasser sei von rechts nach links über den Weg geflossen, „es hat mein Enkelkind Silas nach links ins tiefe Wasser gerissen.“

Beide retten sich wieder an Land
Sofort springt der Rentner dem Jungen, der von der Strömung rasch fortgetrieben wird, hinterher. „Aber die Strömung war so stark, da war kein Rankommen. Was das Wasser für eine Kraft hatte, ist unvorstellbar“, erzählt Reuther unter Tränen. Sein Enkel lässt sich von der Strömung an den Uferbereich treiben, kämpft nicht panisch gegen das Wasser an. Reuther: „Ich bin so stolz auf ihn, er ist ein guter Schwimmer, das hat er so toll gemacht.“ Beide retten sich schließlich wieder an Land, Reuthers Frau holt die zwei klitschnassen Radler mit dem Auto ab. Und Eberhard Reuther kauft direkt nach dem Unfall seinem Enkel ein neues Fahrrad, denn das alte ist in den Fluten verschwunden.

„Wir haben großes Glück gehabt“, so der Senior, der sich drei Tage nach dem Vorfall in ärztliche Behandlung begeben musste, denn: „Das hängt mir noch nach.“ Er ruft noch am Montag bei der Stadt Erlensee an, um auf das Fehlen einer Sperrung an dem betreffenden Weg aufmerksam zu machen. „Mir ist einfach nur wichtig, dass keine anderen Menschen in Gefahr geraten“, betont Reuther.

Die Stadt Erlensee reagierte sofort, obwohl der betreffende Weg auf Hanauer Gemarkung liege, so Bürgermeister Stefan Erb. „Wenn Starkregen ist, so wie am vergangenen Wochenende, dann stellen wir sofort Baken auf“, erklärt Erb auf Nachfrage des HA. „Wir haben die beschriebene Strecke in Augenschein genommen.“

Sorgfaltspflicht der Bürger sei auch gefragt
Dort hätten die Verwaltungsmitarbeiter eine Überspülung des Weges festgestellt. Der Bürgermeister: „Es war eine deutliche Strömung sichtbar, da ist die eigene Sorgfaltspflicht der Bürger auch gefragt.“ Schließlich habe jedes Gelände Höhen und Tiefen.

Der Unfall der Familie Reuther sei tragisch, betont der Rathauschef. Er zeigte sich betroffen und sei froh, dass niemand zu Schaden gekommen sei. Erb zieht auch Schlüsse aus dem Vorfall: Die Stadt Erlensee wolle sich zukünftig noch besser mit Hanau abstimmen, wenn es um die Sperrung überfluteter Wege im Bereich der Bulau gehe.

Der Starkregen am vergangenen Freitag hatte zur Folge, dass am Samstag Vormittag die  Hochwasserwarnstufe 2 ausgerufen worden sei. Jeder Bauhof hätte dann ein vorgeschriebenes Prozedere zu absolvieren und Sperrungen zu vollziehen. Erb: „Im Hochwasseretentionsgebiet ist immer Vorsicht geboten.“



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