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Schubkarrenrennen in Roßdorf: Keiner schlägt Familie Maisch

Bruchköbel

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    Die Maisch-Männer in der Staffel: Johannes (links), Vater Reinhold und Felix im Trikot der Roßdorfer Tischtennisspieler. Johannes und Reinhold spielen noch immer in der gleichen Mannschaft Tischtennis. Archivbild: Reinhard Paul

Bruchköbel. In den vergangenen zehn Jahren wurde beim Roßdorfer Schubkarrenrennen bei den Männern fast immer nur ein Familienname als Sieger ausgerufen: Maisch! Die Brüder Johannes und Felix haben die Strecke ums Karree, wie die Roßdorfer den 400 Meter langen Rundkurs nennen, nach Belieben dominiert. 

Artikel vom 19. Januar 2020 - 07:57

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Von Holger Weber

Sechsmal stand Johannes auf dem Siegertreppchen, zweimal sein Bruder Felix, der auch im vergangenen Jahr am schnellsten die 45 Kilogramm schwere Holzkarre über den Asphalt steuerte. Außenseiter hatten eigentlich nur dann eine Chance, wenn die Maisch-Brüder nicht an den Start gehen konnten. So wie vor zwei Jahren, als Johannes auf Weltreise und Felix anderweitig verhindert war. 

Schon der Großvater war dabei

Das Schubkarrenrennen ist mit der 94. Auflage am Montag nicht nur eine Roßdorfer Tradition, sondern auch in der Familie Maisch tief verwurzelt. Schon Großvater Wilhelm gehörte zu den Teilnehmern und Organisatoren der Veranstaltung. 


Der Maisch-Großvater: Opa Wilhelm rannte nicht nur ums Karree, er war auch in der Organisation des Rennens. Archivbild: Hessischer Rundfunk


Sein Sohn Reinhold, Vater von Johannes und Felix, erinnert sich, dass er als Bub mit ihm die Preise organisieren musste, die damals noch sehr praktischer Natur waren: Zumeist handelte es sich um landwirtschaftliches Gerät, auch ein Sack Zement gab es in den Anfangsjahren schon mal für die schnellsten Läufer zu gewinnen.

Jedes Familienmitglied stand auf dem Treppchen

Bei den Maischs hat beim Schubkarrenrennen schon jedes Familienmitglied mindestens einmal auf dem Siegertreppechen gestanden. Mutter Bettina, ähnlich wie ihre Söhne, eine Seriensiegerin, verbucht 15 Gesamtsiege, sechs davon hintereinander.

Auch Anna Lena landete schon auf Platz eins und Vater Reinhold erinnert sich besonders an seinen Triumph Ende der 70er. Zum einen, weil es die 50. Auflage und somit ein Jubiläumsrennen war, und zum anderen, weil er als krasser Außenseiter den Topfavoriten hinter sich gelassen hatte.

Die Maisch-Frauen mit Verstärkung: Anna Lena (vorne) und Bettina (links) sowie Nachbarin Eveline Schnitzer. Archivbild: Reinhard Paul

 

Die Entscheidung sei in der letzten Kurve an der Einmündung von der Oberdorfstraße in die heutige St.-Andrä-Wördern-Straße gefallen, kann Reinhold Maisch den Rennverlauf so rekapitulieren, als ob das Rennen gestern stattgefunden hätte: „Durch einen weiten Bogen musste ich weniger bremsen und habe somit den Schwung auf die Schlussgerade gerettet“.

Streckenrekord hält ein anderer

Auch Sohnemann und Seriensieger Johannes sieht im Schlusspurt die entscheidende Phase des Rennens. „Nach der letzten Kurve muss man dann alles geben.“ Das klingt einfacher, als es in der Realität ist. Denn jeder, der schon einmal schwere Karren geschoben hat, der weiß, dass es sich beim Schubkarrenrennen um eine ganz besondere Disziplin handelt, in der der zählaufende Holzbock einen dynamischen Laufstil fast unmöglich macht.

An den Streckenrekord, den mit 55,55 Sekunden noch immer Christian Dreuth hält, sind auch die Maischs noch nicht herangekommen, obwohl Johannes bei dem Rekordlauf Dreuths nur wenige Zehntelsekunden hinter dem Bruchköbler geblieben war. Bei der Marke von einer Minute trennt sich beim Roßdorfer Schubkarrenrennen auch die Spreu vom Weizen. Alle, die drunter bleiben, gehen in die Geschichte des Rennens ein.

Brüder liefern sich Kopf-an-Kopf-Duell

In den vergangenen Jahren gab es drei direkte Duelle zwischen den Maischbrüdern, zweimal erreichten sie zeitgleich die Ziellinie, einmal hatte Johannes knapp die Nase vorne. Das ist eigentlich verwunderlich, denn während der Ältere hauptsächlich als Fußballer beim Gruppenligisten Marköbel Kondition tankt, ist der jüngere Felix ein waschechter Leichtathlet, der beim Auslandsjahr im US-Staat Indiana sogar einmal Staatenmeister über die 400 Meter geworden war. Ein Beweis mehr: Das Schubkarrenrennen hat seine eigenen Gesetze.

An den Tagen vor und nach den Rennen wird bei den Maischs natürlich viel über die richtige Renntaktik gesprochen und geflachst. Bei Mutter Bettina und Tochter Anna Lena geht es mittlerweile weniger um Renntaktik als um eine ausgefallene karnevalistische Garderobe auf der Strecke. 

Kraft tanken beim Kerbessen

Ein besonderes Ritual gebe es im Vorfeld des Wettkampfs eigentlich nicht, sagt Johannes Maisch. Einzig das Kerbessen am Sonntag vor dem Rennen ist der Familie heilig. Mit den berühmt-berüchtigten Kerb-Schnitzel im Tank läuft es sich erwiesenermaßen gleich noch mal so gut. 

 

Erster Startschuss am Montag um 13.30 Uhr
Am Montag steigt mit dem Schubkarrenrennen der Höhepunkt der Roßdorfer Kerb. Um 13.30 Uhr fällt der erste Startschuss vor dem Feuerwehrgerätehaus an der Kirchstraße. Wer läuft 2020 die rund 400 Meter ums Karree als Einzelläufer oder im Team am schnellsten? Dies erfährt man spätestens bei der Siegerehrung, bei der es die Schubkarren-Renn-Fans erfahrungsgemäß noch mal so richtig krachen lassen! Die Rennparty mit Siegerehrung findet wieder in der Mehrzweckhalle statt. 


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