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Daniel Weber muss sich dem Wunsch nach Erneuerung stellen

Bruchköbel

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    Muss viel Überzeugungsarbeit leisten: Daniel Weber, hier mit seiner Lebensgefährtin, setzt auf diejenigen, die am Sonntag nicht gewählt haben. Foto: Jan Max Gepperth

Bruchköbel. Eigentlich ist es für ihn gut gelaufen am Sonntag. Fast 25 Prozent – damit hätte er zuvor angesichts des breiten Bewerberfeldes niemals gerechnet, sagt Daniel Weber. Aber: Es gibt mit Sylvia Braun (FDP) eine Kandidatin, die noch mehr Stimmen geholt hat. 

Artikel vom 29. Oktober 2019 - 09:53

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Von Holger Weber

In solchen Situationen besinnt er sich alter Tugenden der Feuerwehr, wo man gerne ein offenes Wort spreche, sagt Weber, der mal Feuerwehrtaucher war. Das wolle er nun auch tun. Er will mit denjenigen das Gespräch suchen, die den unabhängigen Parteifreund Sliwka gewählt haben oder der Wahlurne ganz fern geblieben sind. Das waren viele Menschen. Gerade einmal die Hälfte aller Wahlberechtigten hat sich auf den Weg in die Wahllokale gemacht. Weber sieht da genügend Potenzial, um der Bürgermeisterwahl noch eine Wende zu geben.

Und deshalb will er so weitermachen, als hätte es den ersten Wahlsonntag gar nicht gegeben: Reden, präsent sein, überzeugen, sein Profil schärfen. Und den Leuten klarmachen, dass er mehr ist als nur die Fortsetzung der Ära Maibach im Rathaus. Die Emanzipation von seinem Ziehvater wird große Bedeutung haben. Denn der Wahlsieg Brauns vom Sonntag hat vor allem eines deutlich gemacht: Viele Wähler wollen ein neues Kapitel für ihre Stadt, einen Neuanfang ohne die alten Verbindungen.

„Da fragt man sich schon, ob man noch in der richtigen Partei ist.“

So interpretiert im Übrigen auch Thomas Sliwka, der große Verlierer dieser Wahl, das Ergebnis. Am Morgen nach dem Desaster wirkt der Kandidat, der als Unabhängiger angetreten war, weil ihm die eigene Partei das Vertrauen versagt hatte, noch ziemlich konsterniert. „Ich würde meinen Zustand als orientierungslos beschreiben“, sagt er am Telefon. Er wisse nur, dass da was komplett in die falsche Richtung gelaufen sei und er ein „grottenschlechtes Ergebnis“ eingefahren habe. Aber er weiß auch, dass es da keinen Automatismus innerhalb seiner Fraktion gebe und nun alle auf die Seite von Daniel Weber springen. 

Von einem Gefühl der Zusammengehörigkeit sei man weit entfernt, sagt auch Oliver Gust, der dem Sliwka-Flügel angehört. Es gehe nicht gegen Daniel Weber. Es ist die Art und Weise, wie man mit uns umgegangen ist. Gust spricht von Kränkungen am Wahlabend: „Man hat uns jetzt zweimal am Nasenring durch die Manege geführt“, sagt der Unternehmer. „Da fragt man sich schon, ob man noch in der richtigen Partei ist.“

Hoffnung auf den Sliwka-Flügel

Seit dem 4. April, als die Parteiversammlung Weber statt Sliwka zum Kandidaten kürte, sei viel passiert, was man jetzt in aller Ruhe bewerten wolle, meint Thomas Sliwka. Nur eins, das werde es nicht geben: eine Spaltung der Partei wie 2007, als nach Maibachs Sieg in der Stichwahl der Bruchköbeler Bürgerbund entstand. „Das führt doch zu nichts“, sagt Sliwka, der noch immer Ortsverbandschef ist. Er will sich jetzt auch darüber Gedanken machen, wie es für ihn persönlich weitergeht. Er schließt einen Rücktritt von seinen Ämtern nicht aus. Sicher sei: Es werde in der Partei Veränderungen geben. Ein Weiterso gehe nicht. 

Was aber heißt dies alles für den Kandidaten Daniel Weber? Wohl vor allem, dass er auf den Sliwka-Flügel innerhalb seiner CDU nicht bauen kann bis zur Stichwahl in knapp zwei Wochen. 



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