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Kommentar: Wechselwind in Bruchköbel

Bruchköbel

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    Foto/Grafik: Mike Bender/HA

Bruchköbel. Die Ergebnisse der Bruchköbeler Bürgermeisterwahl hielten einige Überraschungen parat. Unser Redakteur Holger Weber richtet den Blick auf die kommende Stichwahl und die Zukunft der Kandidaten.

Artikel vom 28. Oktober 2019 - 11:52

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Die Stadt Bruchköbel ist nah dran an einer politischen Zeitenwende. Dass es die Liberale Sylvia Braun als Chefin der kleinsten Fraktion im Stadtparlament in die Stichwahl schaffen würde, war für die wenigsten am Wahlabend noch eine Überraschung. Immer wieder war sie in den zurückliegenden Wochen als Geheimfavoritin für die Teilnahme an der zweite Runde gehandelt worden. Dass sie gegenüber dem Zweitplatzierten Daniel Weber jedoch einen Vorsprung von fünf Prozent herausholt – damit war freilich nicht zu rechnen gewesen. Brauns Anhänger können jetzt tatsächlich davon träumen, dass in der Geschichte der Stadt erstmals eine Frau den Chefsessel im Rathaus besetzten wird.

Dennoch: Allein wird es die FDP trotz des fulminanten Ergebnisses nicht schaffen. Sie braucht Unterstützung und muss jetzt auch Wähler überzeugen, die bisher noch ihr Kreuzchen bei anderen Parteien gemacht haben. Die größten Chancen liegen für Braun sicherlich im Lager des BBB, der zwar eine konservative Grundausrichtung hat, aber sich eigentlich in der Ablehnung zur Bruchköbeler CDU begründet. Auch bei den Grünen und den Hußing-Wählern hat Braun sicherlich großes Potenzial, weil diese ebenfalls für einen politischen Wechsel in der Stadt votiert haben.

CDU muss sich versöhnen

Die CDU hat hingegen nur noch eine Chance: Sie muss es innerhalb von zwei Wochen schaffen, ihre beiden Flügel wieder zu versöhnen. Dabei ist auch die Kreisvorsitzende Dr. Katja Leikert gefragt, die während des Wahlkampfes in ihrer Heimatkommune nur wenig präsent war und mit Bürgermeister Günter Maibach die Hauptverantwortung für die Spaltung der Partei trägt. Nur wenn die beiden Lager von Sliwka und Weber wieder an einem Strick ziehen, können die Christdemokraten ihren Bürgermeisterposten eventuell noch verteidigen.

Eine enge Zusammenarbeit von Sliwka und Weber würde vielleicht auch diejenigen wieder an die Wahlurne bringen, die wegen des parteiinternen Streits gleich ganz zu Hause geblieben sind. Und das waren nicht wenige, wenn man auf die Wahlbeteiligung von rund 51 Prozent blickt. Gerade einmal vier Prozent mehr als vor sechs Jahren haben insgesamt gewählt. Das ist enttäuschend – angesichts des großen Kandidatenfelds und des unheimlich intensiven Wahlkampfes, den alle Bewerber geführt haben.

Sliwka kann in Niederissigheim nicht punkten

Derjenige, der in der Stadt am meisten Präsenz gezeigt hat, war der große Verlierer der Wahl: Thomas Sliwka hatte sich selbst bei 18 Prozent gesehen – einen Wert, den er noch nicht einmal in seinem Stadtteil Niederissigheim erreicht hat. Ein Grund war sicherlich die immer wieder auftauchende Frage seiner Wahlkampffinanzierung. Die Geschichte mit den vermeintlich gekauften Likes am vergangenen Wochenende wird dabei nicht mehr groß ins Gewicht gefallen sein. Denn auch bei Briefwählern lag Sliwka weit hinten. Jetzt heißt es nur noch: Braun oder Weber? Bruchköbel stehen zwei weitere spannende Wochen bevor. 



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