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Am Wahlstand: Uwe Ringel lädt sich Gesundheitsexperten ein

Bruchköbel

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    Im vertrauten Kreis: Die Wahlkampfveranstaltung von Kandidat Uwe Ringel (rechts) im Bürgerhaus wurde fast ausschließlich von Mitgliedern der Grünen besucht. Dennoch gab es interessante Erkenntnisse. Foto: Rainer Habermann

Bruchköbel. Uwe Ringel, Bürgernmeisterkandidat von Bündnis 90/Die Grünen in Bruchköbel, hatte jüngst zu einem Gespräch ins Bürgerhaus der Stadt eingeladen. Mit einem höchst prekären Thema und einem kompetenten Gesprächspartner: „Zukunft des Gesundheitsstandorts Bruchköbel“.

Artikel vom 21. Oktober 2019 - 10:41

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Von Rainer Habermann

Dr. med. Wolf Andreas Fach, praktizierender Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie am Frankfurter Bethanien-Krankenhaus und Beisitzer im Vorstand der Landesärztekammer Hessen, äußerte sich dabei für den Standort zuversichtlich: „Die Stadt steht in puncto medizinischer Versorgung sehr gut da, auch nach Auffassung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Aber das muss man auch bewahren, halten und möglicherweise ausbauen“, sagte Fach, der im Vorstand der Landesärztekammer für Fachärzte zuständig ist.

Dies war eine Steilvorlage für Ringel, der als vormaliger Erster Stadtrat und Baudezernent seine Erfahrungen in der Verwaltung gemacht hat. Die Frage: „Gibt es in der 'Neuen Mitte' künftig auch ein Ärztezentrum?“, konnten allerdings weder Ringel noch Fach abschließend beantworten. Die Resonanz insgesamt auf das Gesprächsangebot an die Bürger fiel an jenem Abend eher dürftig aus. Knapp ein Dutzend Bruchköbler füllten das Kolleg des Bürgerhauses; zumeist Parteimitglieder oder Anhänger der Grünen. 

Ringel mit einem Kompromissvorschlag

Was andere aber verpassten, waren die Vorstellungen Ringels zu den zentralen Themen Bruchköbler Politik wie (natürlich) Klimaschutz, sozialer Mietwohnungsbau, Verlagerung des Bauhofs und der Wertstoffsammelstelle, einer ganzjährigen Öffnung des Hallenbades, oder der künftigen Integration von rund 300 im „Camp“ verbliebenen und zum großen Teil bereits anerkannten Asylbewerbern.

Und sie verpassten auch ein Statement Ringels dazu: „Wir müssen als Stadt mehr tun, um diesen Menschen, aber auch vielen anderen sozial schwächeren Mitbürgern, bezahlbare und vernünftige Wohnungen zu beschaffen. Da hat die Koalition aus CDU und SPD in den letzten Jahren versagt.“ Ringel hat jetzt auch einen Kompromissvorschlag zum Thema Hauptstraße 113 präsentiert. Dort will die Stadt bekanntlich mit Hilfe der Baugesellschaft bezahlbaren Wohnraum schaffen, während FDP und BBB eine Einrichtung für betreutes Wohnen an die Awo andocken möchten.

Gute Rahmenbedingungen schaffen

Ringel will beides: Danach soll die Baugenossenschaft das neue Wohngebäude wie im Vorschlag des Magistrats beschrieben zum maximalen Mietpreis von 7,50 Euro errichten und sich für die Dauer von 20 Jahren an die Preisbindung nach Förderrichtlinie des Landes Hessen zur sozialen Mietwohnraumförderung binden. Die Wohnungen sollen laut Ringel seniorengerecht ausgestattet und auf auf maximal drei Zimmer reduziert werden. Vermietet werden sollen sie nur an Personen, die Anspruch auf den Bezug von Sozialwohnungen und das Mindestalter von 70 Jahren erreicht haben. 

Hauptthema war aber die Gesundheit. Dr. Fach gewährte einige Einblicke in die Zusammenhänge hinter der offiziellen Bühne von Praxen und Ärztezentren in Hessen. Der „klassische“ Hausarzt, so Fach, werde immer seltener. Ärztegemeinschaften und –zentren seien hingegen im Kommen, weil sie den Ärzten viel Bürokratie abnähmen und flexiblere Arbeitszeiten ermöglichten. „Was die Stadt tun kann, ist, für ein gutes Umfeld zu sorgen“, meinte der Arzt. Also gute Rahmenbedingungen für die Niederlassung von Ärzten zu schaffen und für die Menschen in den Stadtteilen die Möglichkeit zu bieten, die Ärzte auch gut zu erreichen. „Worum wir uns besonders kümmern müssen, ist, das Angebot für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen zu sichern und zu erweitern“, meinte Fach im Hinblick auf den stattfindenden demografischen Wandel.

Entlastung für Allgemein- und Fachmediziner

 Bruchköbel habe ein gutes Niveau bei der Versorgung mit Haus- und Fachärzten sowie der ärztlichen Notversorgung. Das könne aber auch schnell verloren gehen. Den heutigen Dokumentationspflichten der Ärzte sei ohne eine zunehmende Zentralisierung kaum mehr nachzukommen. Eine Lanze brach Fach für Krankenschwestern und deren Weiterbildung. „Es muss bei bestimmten medizinischen Diensten nicht immer der Arzt sein, der behandelt. Wir haben tolle Krankenschwestern, die als medizinisches Hilfspersonal hervorragende Arbeit leisten. Hier sollten wir über Zusatzausbildungen eine Entlastung für Allgemein- und Fachmediziner schaffen.“

Generell aber seien die Kassenärztlichen Vereinigungen, die festlegen, welche Ärzte- oder Fachärztequote in den Regionen herrsche, besser als ihr Ruf. 



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