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Volles Bürgerhaus bei HA-Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl

Bruchköbel

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    Mehr als 700 Gäste kamen zur HA-Podiumsdiskussion ins Bruchköbeler Bürgerhaus, um die sieben Bewerber für das Bürgermeisteramt zu erleben und eine Entscheidung für ihre Wahl zu treffen. Foto: Kai Pfaffenbach

Bruchköbel. Um 19.17 Uhr machte die Feuerwehr dicht: Alle, die am Donnerstag erst kurz vor 19.30 Uhr zum Start der Podiumsdiskussion des HANAUER ANZEIGER gekommen waren, mussten unverrichteter Dinge vor der Tür des Bürgerhauses stehen bleiben.

Artikel vom 19. Oktober 2019 - 10:11

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Von Monica Bielesch

Denn im Saal, der für 580 Personen bestuhlt war, waren zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 700 Menschen.
Sie standen an den Wänden oder drängten sich an den Türen zum Foyer.

Sie alle waren ins Bürgerhaus gekommen, um die sieben Kandidaten für die anstehende Bürgermeisterwahl zu sehen und live zu erleben: Patrick Baier (BBB), Sylvia Braun (FDP), Dietmar Hußing (unabhängig), Uwe Ringel (Grüne), Thomas Sliwka (unabhängig), Perry von Wittich (SPD) und Daniel Weber (CDU).

Sieben Kandidaten stehen zur Wahl

Denn am 27. Oktober gilt es, einen neuen Bürgermeister zu wählen, und bei sieben Kandidaten haben die Bruchköbeler Bürger die Qual der Wahl. „Ich weiß jetzt, wen ich nicht wählen werde“, meinte ein Besucher nach der rund zweistündigen Veranstaltung. Noch lange nach dem Ende diskutierten viele Besucher und vor allem Anhänger der Kandidaten im Foyer weiter. Und es gab viel zu reflektieren.

Die HA-Redakteure und Moderatoren Yvonne Backhaus-Arnold und Holger Weber-Stoppacher befragten die sieben Bewerber zu den Themengebieten Familien und Senioren, Stadtentwicklung sowie Flächennutzung für Gewerbe und Wohnen, bevor zum Abschluss Fragen aus dem Publikum gestellt werden konnten.

Kandidaten konnten bei verschiedenen Themengebieten punkten

Jeder Kandidat konnte im Verlauf des Abends mit seiner Performance unterschiedlich punkten, am meisten jedoch Sylvia Braun, Thomas Sliwka, Daniel Weber, Dietmar Hußing.

Uwe Ringel, der schon seit Jahren hauptamtlich und ehrenamtlich Politik in Bruchköbel macht, offenbarte sich einmal mehr als profunder Kenner der kommunalpolitischen Materie.

Die Redezeit von 90 Sekunden pro Antwort reichte ihm regelmäßig nicht aus, soviel Fach- und Hintergrundwissen wollte er in seinen Beiträgen unterbringen, wurde aber vom Gong immer wieder unterbrochen. Viele Ideen der anderen Kandidaten sind Ringel in seiner langen politischen Laufbahn schon mal begegnet.

Besserer Dialog mit den Bürgern

So wie der Besitzstandskataster, den Dietmar Hußing als Bürgermeister einführen will, um Flächen für Wohnraumbebauung zu schaffen. Als Stadtrat hätte er das bereits versucht, konterte Ringel, aber die meisten Grundstücke seien „Engelgrundstücke“, ein solcher Kataster daher nicht zielführend.

Er plädierte für „kreative Gespräche mit den Bürgern“, um Möglichkeiten für eine Nachverdichtung zu suchen. Einen besseren Dialog mit den Bürgern versprachen sowieso alle Kandidaten und überboten sich mit ihren Ideen, wie sie auch die Bürger der Stadtteile erreichen wollen.

Viele Konzepte schlummern bereits in den Ausschüssen

Bei vielen der von den Kandidaten in ihrem Wahlkampf und auf der Bühne propagierten Pläne wurde im Laufe der Diskussion klar, dass Konzepte oder Beschlüsse des Stadtparlaments dazu bereits bestehen. Nur schlummern sie in den Ausschüssen des Stadtparlaments oder in der Verwaltung.

So erinnerte Patrick Baier daran, dass bereits 2012 das Parlament ein Nahversorgungskonzept für die Stadtteile beschlossen habe, um sie zu stärken. „Aber leider ist bis jetzt nichts dazu passiert.“ Er als Bürgermeister würde ein solches Konzept „zeitnah“ vorlegen.

Sachliche und faire Diskussion

Trotz Wahlkampfs war die Diskussion zu jeder Zeit sachlich und fair. Auch Seitenhiebe auf den amtierenden Bürgermeister Günter Maibach gab es nur unterschwellig. Etwa als Braun betonte, dass sie als Bürgermeisterin beim Stadtumbau das Controlling selbst überwachen und nicht nur auf Berater hören werde. Es hätten bisher zu viele Berater in der Sache gesprochen und die Stadtspitze sei nicht präsent genug gewesen, so die FDP-Kandidatin.

Bei diesem Thema preschte Daniel Weber, offizieller CDU-Kandidat und noch Assistent von Maibach, mit seinem Wissensvorsprung aus der Verwaltung vor und informierte den Saal, dass die Verträge mit dem Generalunternehmer für den Stadtumbau am 29. Oktober unterschrieben werden und am 31. Oktober der Spatenstich erfolgen soll.

Er versprach, die Bauzeit knapp zu halten, um die ansässigen Einzelhändler nicht über Gebühr zu strapazieren. Überhaupt versuchte Weber durch eine betont forsche Art seine von ihm im Wahlkampf propagierte „Jugendlichkeit“ auch mit Leben zu füllen.

Die verschiedenen Ansätze deckten ein breites Spektrum ab

Hußing versprach mehr Bürgerbeteiligung im weiteren Verlauf des Stadtumbaus und will als Bürgermeister eine Freiwilligenagentur zur Stärkung des Ehrenamts aufbauen. Den Stadtumbau sieht er als große, positive Chance für Bruchköbel. Insgesamt zeigte sich Hußing, der CDU-Mitglied ist, aber als unabhängiger Kandidat antritt und mit Andrea Weber, der Leiterin des Stadtmarketings, verheiratet ist, bei allen Themen optimistisch und präsentierte sich als „Kümmerer“.

Sliwka versprach als Bürgermeister eine „starke Führung“ für die Stadt zu sein, ein „Gestalter“. Er wolle schneller und verbindlicher agieren, rief er am Ende in den Saal und bekam dafür viel Applaus. Braun versprach „machbare und nachhaltige Konzepte“ für ein „Bruchköbel für alle Generationen“. Ihr Vorhaben, das offene Gruppenkonzept in den Kitas als Bürgermeisterin zu überdenken, kam beim Publikum gut an. Ebenso ihre Absage, den Bauhof von einem Wohngebiet in ein anderes zu verlegen.

Der Idee des SPD-Kandidaten von Wittich, ein Sportzentrums für alle Vereine am Rudolf-Harbig-Stadion zu errichten, widersprach Sliwka, der den einzelnen Vereinen ihre heimischen Vereinsgaststätten lassen will. Der Grünen-Kandidat Ringel will als Stadtoberhaupt die Verwaltung erneuern sowie schnellere politische Entscheidungen herbeiführen. Und: „Auch die Umwelt- und Klimapolitik in der Stadt steht für mich im Vordergrund.“

Jetzt schon ein Gewinn für Bruchköbel

Insgesamt war der Abend ein Gewinn für die Stadt, egal wie die Wahl ausgeht. Denn nicht nur die Kandidaten, sondern auch die Bürger diskutierten kontrovers und sachlich über viele Themen. Und konkret Zählbares gab es auch: Statt Eintritt sammelte der HA Spenden für den Verein LaLeLu.

Hier können Sie sich nochmal den Livestream anschauen:
https://www.facebook.com/HanauerAnzeiger/videos/2347075828734113/
 

Liebe Leser,
auf Anraten der Feuerwehr haben wir bei der Podiumsdiskussion am Donnerstagabend etwa eine Viertelstunde vor Veranstaltungsbeginn keine weiteren Besucher mehr ins Bürgerhaus lassen können. Zu diesem Zeitpunkt waren nicht nur alle Stühle besetzt, auch standen die Gäste bereits in Zweierreihen an den Wänden. Die Feuerwehr, bei der wir uns an dieser Stelle ausdrücklich für Ihren ehrenamtlichen Dienst bedanken möchten, hat uns auf die Risiken hingewiesen, die mit einem weiteren Zustrom von Besuchern verbunden gewesen wäre. Um die Sicherheit aller nicht zu gefährden, haben wir die Entscheidung getroffen, die Türen zu schließen. Wir hoffen, Sie haben dafür Verständnis und möchten Sie für die dadurch entstanden Unannehmnlichkeiten um Entschuldigung bitten.
Die Redaktion


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