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Kochen mit... CDU-Kandidat Daniel Weber

Bruchköbel

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    Zwei Weber am Weber-Grill: Daniel Weber hat HA-Redakteur Holger Weber statt in seiner Wohnung in der Bruchköbeler Innenstadt auf den Familiensitz an der Landwehr eingeladen. Auf dem Rost liegen Bärlauch- und Bratwürstchen von einem Bruchköbeler Metzger. Foto: Mike Bender

Bruchköbel. Sieben Kandidaten - Sieben Hausbesuche. Um die Bürgermeisterkandidaten aus Bruchköbel einmal von einer anderen Seite kennenzulernen, haben wir ihnen einen Besuch zu Hause abgestattet, um mit ihnen gemeinsamen zu kochen und zu plaudern ein. In Teil 7 kommt der Christdemokrat Daniel Weber in seiner Küche zu Wort. 

Artikel vom 16. Oktober 2019 - 09:46

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Von Holger Weber

 „Wir können dann gleich noch zusammen den Salat schnippeln“, schlägt Daniel Weber vor. Auf dem Tisch stehen bereits die noch eingeschweißten Bärlauch- und Bratwürstchen, das geschnittene Brot sowie ein Dip. Viel zu tun bleibt also nicht beim Kochtermin mit dem CDU--Kandidaten. Zunächst ist es nur ein Verdacht, dann bestätigt es Weber selbst: „Zu Hause bin ich eher für die Wäsche statt fürs Kochen zuständig.“ Aber Grillen gehe natürlich immer.

Eingeladen hat er auf den ‧familieneigenen Weber-Hof, den wohl südöstlichsten bewohnten Flecken Bruchköbels, direkt an der Landwehr gelegen. Hier ist Weber behütet aufgewachsen: bei seinen Eltern und Großeltern sowie zusammen mit den Brüdern Matthias (31) und Jan (21) sowie seiner Schwester Nicole (29). Landwirtschaft wird auf dem Weber-Hof keine mehr betrieben. Auf den Wiesenflächen rund um das Anwesen stehen hinter hohen Hecken Campingwagen. Seine Familie vermietet die Stellflächen an Wohnwagenbesitzer, die zu Hause für ihr Fahrzeug keinen Platz haben. 

Im Garten haben sich die Webers einen Pool angelegt, wo die Familie im Sommer zusammenkommt. Von dort aus sieht man auch die runden Abdeckungen der Biogasanlage von Hans-Ludwig Wilhelmi. Webers Nachbar, einst Fraktionsvorsitzender der CDU in Bruchköbel und so etwas wie die graue Eminenz im Hintergrund, hat sich neulich wieder mal öffentlich für die Wahl von Thomas Sliwka ausgesprochen – und eben nicht für Daniel Weber, den Jungen aus der Nachbarschaft.

Und das, obwohl der im April mit einer Stimme Vorsprung die parteiinterne Nominierung gegen Sliwka für sich entschieden hatte. Das Verhältnis sei durch Wilhelmis offene Parteinahme für den nunmehr unabhängigen Kandidaten Sliwka nicht getrübt, sagt Weber, während er die Würstchen auf dem Grill wendet. „Man darf in der Politik anderer Meinung sein und sich streiten. Das darf aber für das persönliche Verhältnis keine Rolle spielen“, sagt der 36-Jährige. 

Seit 2017 persönlicher Referent von Maibach

Seit 2003 arbeitet Weber in der Verwaltung von Bruchköbel. Gleich nach dem Abi begann er dort eine Lehre als Verwaltungsfachangestellter. Im Rathaus musste er alle Abteilungen durchlaufen. Später war er im Gewerbeamt und in der Friedhofsverwaltung, für Brand- und Zivilschutz und auch für das Jagdwesen zuständig. Spannend fand der ausgebildete Feuerwehrtaucher vor allem seine Arbeit im Brand- und Zivilschutz. 

2017 dann wurde Weber zum persönlichen Referenten von Bürgermeister Günter Maibach. Kurz zuvor hatte er sein Studium zum Verwaltungsbetriebswirt abgeschlossen. „Da hat Herr Maibach mir angeboten, die Funktion zu übernehmen.“ So förmlich spricht Weber über seinen Chef nur in der Öffentlichkeit. Im Privaten duzen sich der Bürgermeister und sein Referent. Weber hat mit Maibachs Tochter zusammen das Abitur am Lichtenberg Oberstufen-Gymnasium gemacht. Deshalb kannten sich die beiden Männer schon, bevor Maibach 2007 als Bürgermeister ins Rathaus einzog. 

Rezept
Barbecue mit Bärlauchbratwurst und Bratwurst (beides grob) von der Metzgerei Müller
Salat:
1 Kopfsalat
3 Tomaten
1/2 Salatgurke
1 Apfel
1 Frühlingszwiebel
1 Portion Oliven schwarz
1 Portion Feta-Käse
von Obst- und Gemüse Ergen
1 Portion Kidney-Bohnen

Dressing:
2 Zentimeter Senf
100 ml Sonnenblumenöl
50 ml Weißwein-Essig
etwas Himbeer-Essig
Pfeffer, Salz nach Belieben

Beilage:
Brot und Bagohluette von der Bäckerei Ohl, Chilimousse von Obst und Gemüse Ergen
Die Würstchen werden so lange auf dem Grill gelassen, bis sie eine dunkelbraune Farbe und eine knusprige Haut haben. Die Zutaten für den Salat werden kleingeschnitten. Kidneybohnen und Oliven kommen aus dem Glas. 
So hat es geschmeckt: Vor allem das Salatdressing, eine Kreation von Daniel Webers Lebensgefährtin, war sehr lecker. Wird bestimmt mal nachgeahmt.

Aufs Dressing mit Himbeer-Essig kommt es an. Foto: Mike Bender

Sich aus dem Schatten des Chefs heraus ein eigenes Profil zuzulegen ist für Weber zur Herausforderung geworden, weil die gebotene Loyalität gegenüber dem Bürgermeister der Emanzipation oft entgegensteht. 
Hat Maibach ihn in die Rolle des Bürgermeisterkandidaten gedrängt, wie manch einer behauptet? „Nein, hat er nicht.“ Er selbst habe die Initiative ergriffen. Die Kandidatur zum Bürgermeister ist für Weber kein Lebensziel gewesen. Sie hat sich, wenn man so will, im Laufe der Zeit ergeben.

Irgendwie scheint es eine logische Konsequenz gewesen zu sein. Als Referent des Verwaltungschefs ist er nah dran am Entscheidungsprozess, muss oftmals selbst gedanklich in die Rolle des Bürgermeisters schlüpfen. Bei Terminen sagt Maibach schon mal „Daniel, hör gut zu, da müssen wir später drüber reden und eine Lösung finden.“ Und das versuchten sie dann auch, Maibach und er. 

Weber ist der offizielle Kandidat der CDU; dass dann mit Sliwka und Hußing über unabhängige Kandidaturen noch zwei weitere hinzugekommen sind, das hat ihn im Fall seines Kollegen Hußing überrascht, bei Sliwka hat er die Entscheidung „emotional verstehen können“.

Und wenn man ihn fragt, warum der CDU-Wähler ihn statt die beiden anderen konservativen Kandidaten wählen soll, dann muss Weber nicht lange überlegen: „Gegenüber Sliwka bringe ich mehr Verwaltungserfahrung mit.“ Und gegenüber Hußing habe er den Vorteil, dass er wesentlich jünger sei. Dass er sich vor allem in die Lebenswelten junger Menschen eher eindenken könne. Er selbst sieht sich als ehemaliger Feuerwehrmann und Mitglied des Männerballetts Keweler Elfen gut vernetzt in der Stadtgesellschaft. Da steht er unter anderem gemeinsam mit seinem Vater auf der Bühne, wenngleich er sich seit einigen Monaten eine Trainingspause gönnt. Der Wahlkampf und die Arbeit als persönlicher Referent ließen derzeit dafür keinen Spielraum, sagt er. 

Innerhalb des Parlaments genießt Weber durchaus Ansehen, seitdem er eine Vereinsförderrichtlinie konzipiert hat, die Lob von allen Seiten bekam – was im Bruchköbeler Parlament nicht so alltäglich ist. Manche CDUler fordern, dass er als Bürgermeister die BBBler, ehemalige Christdemokraten, die sich nach Maibachs Aufstieg zum Bürgermeister abgespaltet hatten, wieder einfangen müsse. Weber sieht das nicht so: „Alles, was ich muss, ist mit den Fraktionen gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten“, sagt er. Politisch unbelastet bringe er dafür gute Voraussetzungen mit.

Bedarf für zweite hauptamtliche Kraft

Fragt man ihn nach dem Bruchköbel, das er gestalten möchte, schlägt er eher leise Töne an, vielleicht weil er als Verwaltungsmann weiß, dass die Mühlen der Bürokratie langsam mahlen und viele Projekte nur mit Beharrlichkeit und Geduld durchzusetzen sind. Weber hält nichts von dem großen Knalleffekt im Wahlkampf. Er wolle seine Heimatstadt entwickeln, die Voraussetzungen für mehr Gewerbe schaffen. Und er kann sich vorstellen, dass er dies mit der Unterstützung eines hauptamtlichen Ersten Stadtrats tun würde.

Eine Stadt von der Größe Bruchköbels habe den Bedarf für eine zweite hauptamtliche Kraft. Da wäre also dann auch Platz für einen weiteren von den sieben Kandidaten. Im Falle einer Stichwahl könnte dieser Posten ein gewichtiger Verhandlungsgegenstand werden. 

Doch zunächst gilt es für Weber, das mögliche Endspiel zu erreichen. Finalerfahrung hat der junge Bruchköbler, der im vergangenen Jahr mit Hilfe der Kreisvorsitzenden Dr. Katja Leikert und seines Chefs Kreisbeigeordneter werden wollte. Doch in der Abstimmung unterlag er dem Kandidaten eines anderen CDU-Flügels. Das solle ihm nun nicht ein weiteres Mal passieren.



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