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Kochen mit . . . SPD-Kandidat Perry von Wittich

Bruchköbel

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    Der SPD-Kandidat kam ursprünglich in den Vereinigten Staaten von Amerika zur Welt. Nun versucht er etwas in Bruchköbel zu bewegen. Foto: Mike Bender

Bruchköbel. Sieben Kandidaten - Sieben Hausbesuche. Um die Bürgermeisterkandidaten aus Bruchköbel einmal von einer anderen Seite kennenzulernen, haben wir ihnen einen Besuch zu Hause abgestattet, um mit ihnen gemeinsamen zu kochen und zu plaudern ein. In Teil 6 kommt der Sozialdemokrat Perry von Wittich in seiner Küche zu Wort. 

Artikel vom 15. Oktober 2019 - 09:22

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Von Holger Weber

In der Familie von Wittich kocht die Frau des Hauses. Daraus macht der Kandidat der Sozialdemokraten kein Geheimnis. Perry von Wittich gesteht augenzwinkernd: Er habe nicht gerade große Freudensprünge gemacht, als er vom Format erfuhr, mit dem die Bruchköbeler Bürgermeisterkandidaten sich in dieser Zeitung vorstellen sollten. Aber er hat sich auch nicht beklagt. Das würde seinem Naturell zuwiderlaufen. 

Von Wittich ist keiner, der jammert. Er geht die Sache lieber an. Und deshalb ist er am Wochenende vor dem Kochtermin mit seiner Frau Anja, einer gelernten Köchin, auch die Arbeitsschritte durchgegangen, wie man Tagliatelle mit Lachssoße einfach und schmackhaft zubereitet: Nudelwasser aufsetzen. Fisch anbraten. Sahne und Tomatenmark hinzufügen. Würzen und aufkochen lassen. Und wenn die Nudeln bissfest sind, einfach unterheben. Fertig. Eigentlich auch gar nicht so schwer. Um es vorwegzunehmen: Das Resultat war ausgesprochen lecker. 

 

 

Manch einer hätte die Unerfahrenheit in der Küche wohl nicht so zugegeben, weil man im Wahlkampf eben ungern über Dinge spricht, die man nicht so beherrscht. Und sei es nur das Kochen. Von Wittich jedoch zieht es vor, mit offenen Karten zu spielen. Er bestätigt das, was auch jemand sagt, der ihn seit vielen Jahren kennt: „Der Perry, das ist eine ehrliche Haut“. 

Der Kandidat geht auch offen damit um, dass er als IT-Recruiter seit einigen Monaten auf Arbeitssuche ist, weil das Unternehmen, für das er zuletzt gearbeitet hat, seine Abteilung geschlossen hat. Klar gebe es Leute, die jetzt sagen, er habe sich aufstellen lassen, weil er einen Job brauche. Damit müsse man leben, sagt er. Aber wer sich ein bisschen in der Politik auskenne, der wisse, dass man sich um das Amt eines Bürgermeisters nicht allein des Jobs wegen bewerbe. Wer von Wittichs Wahlkampf in den vergangenen Wochen beobachtet hat, der glaubt ihm, dass es ihm vor allem um seine Stadt geht.

Von Wittich wirft bereits das dritte Mal seinen Hut in den Ring

Der 55-Jährige ist fleißig. Er versorgt die Bürger in aller Frühe am Bahnhof mit Äpfeln, vor dem Bäcker verteilt er Flyer. Er war so ziemlich der erste aller Kandidaten, der sein Wahlprogramm zusammen hatte. Es gibt kaum eine Veranstaltung, die von Wittich nicht besucht. Nachmittags geht er dann von Haustür zur Haustür. Mit der Zusage zur Kandidatur habe er auch beschlossen, es richtig zu machen. Für die Leute, die auf ihn vertrauen und für die Menschen in Bruchköbel allgemein.

Dabei hat er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Als ihn seine Genossen im vergangenen Jahr erstmals fragten, ob er sich vorstellen könnte, noch einmal anzutreten, da hat er erstmal nein gesagt. Man muss wissen: Es ist bereits das dritte Mal, dass von Wittich bei einer Bürgermeisterwahl in Bruchköbel für die Sozialdemokraten seinen Hut in den Ring wirft. 2001 unterlag er dem damaligen CDU-Mann Michael Roth.

Er wolle etwas bewegen

Sechs Jahre später scheiterte er denkbar knapp am Einzug in die Stichwahl. Er hatte nur 176 Stimmen weniger als Günter Maibach, der sich am Ende im Finale gegen Roth durchsetzte. Dass er es nun doch ein drittes Mal versucht, ist auch ein wenig seinem sozialdemokratischen Vorbild Willy Brandt geschuldet. „Der hat es ja auch erst im dritten Anlauf zur Kanzlerschaft gebracht“, sagt von Wittich und lacht. 

Nach der ersten Absage an seine Genossen sei er dann noch einmal in sich gegangen und habe sich gefragt, warum er es nicht noch einmal versuchen sollte. „Es hat sich doch nichts geändert. Ich will was bewegen, ich mag den Kontakt mit den Menschen und will immer noch das Beste für meine Heimatstadt herausholen.“ 

Kaum Erinnerungen an Kindheit in den Staaten

Heimatstadt wurde Bruchköbel für von Wittich, der heute mit seiner Frau Anja und dem 13-jährigen Filius Robin in Bruchköbel Nord lebt, erst im Alter von acht Jahren. Geboren wurde er 1963 in New York. Dorthin waren seine Großeltern, Flüchtlinge aus dem Osten, nach dem Krieg ausgewandert. Die Familie betrieb in der Millionenmetropole ein Schnellrestaurant. An seine Kindheit in Amerika kann sich von Wittich aber nur noch bruchstückhaft erinnern.

Ende der 60er kehrte die gesamte Familie bis auf seine Tante Rosemarie nach Deutschland zurück. Die englische Sprache, die dann zu Hause nicht mehr gesprochen wurde, blieb ihm leider nicht im Gedächtnis. Nach Real- und Handelsschule machte von Wittich zunächst eine Ausbildung zum Buchhändler in Hanau und führte dann später gemeinsam mit seiner Mutter einen eigenen Buchladen in Bad Orb. Beruflich hat der 55-Jährige Erfahrungen in unterschiedlichen Branchen gemacht.

Einstieg in die SPD im Jahr 2002

Er hat in führender Position bei Versicherungen gearbeitet, verdiente zuletzt sein Geld im Personalmanagement der IT-Branche und er kann auch Verwaltungserfahrung vorweisen: Anfang der 90er arbeitete er rund dreieinhalb Jahre in der Passstelle der Bruchköbeler Stadtveraltung. „Da habe ich gelernt, wie wichtig ein guter Bürgerservice ist“, sagt er. Und darum wolle er sich dann auch kümmern, wenn er zum Verwaltungschef gewählt wird. 

Gemeinsam braten von Wittich und unser Redakteur Holger Weber-Stoppacher den Lachs an. Foto: Mike Bender

Der Schlüsselmoment für seinen Einstieg in die SPD ereignete sich 2002 am Gartenzaun seiner Schwiegereltern, als ihn das SPD-Urgestein Fritz Kunkel für die Partei warb. „Im Oktober stand ich auf der Liste, im März war ich bereits stellvertretender Fraktionsvorsitzender“, erinnert er sich. Irgendwann machten sie ihn dann auch zum Vorsitzenden der Fraktion. Erst 2011 schied er aus und verabschiedete sich zunächst einmal aus der aktiven Politik, weil es zu Querelen innerhalb der Partei gekommen war.

Spaß an der Politik

Er verlor aber nie ganz den Kontakt. Doch seit 2015, als zum stellvertretenden Ortsverbandsvorsitzenden gewählt wurde, ist er wieder nah dran an seinen Genossen. Er ist bei den Fraktionssitzungen dabei und auch immer im Zuschauerraum der Stadtverordnetenversammlungen zu sehen. Mit seinem Plan, zwischen Roßdorf und Bruchköbel Nord ein Sportzentrum für alle Ortsverein zu bauen, setzte er bereits früh Akzente im Wahlkampf. Die Politik macht ihm wieder Spaß – wenn er nicht gerade kochen muss. 

 

Rezept: Tagliatelle mit Lachssoße

Für 3 Personen: 

350 g Tagliatelle 
250 g gewürfeltes Lachsfilet, TK
Butter
1,5 Becher Sahne
125 ml Tomatensoße
1 EL Tomatenmark
Salz, Pfeffer
 

Butter in einer Pfanne erhitzen, die Lachswürfel darin ca. 5 Min. anbraten. 
Die Nudeln in der Zwischenzeit kochen. 
Lachswürfel aus der Pfanne nehmen, in eine Schüssel geben. 
1–2 EL Mehl in die Pfanne einrühren, Sahne und Tomatensoße dazu rühren. Mit Tomatenmark, Salz und Pfeffer abschmecken. Lachs wieder in die Pfanne geben, alles nochmal aufkochen lassen und dabei die Würfel zerkleinern. Nudeln dazu. Vermengen. Fertig.
 
Wie hat's geschmeckt: 

Sehr gut. Der Autor kannte die Variation bisher nur ohne Tomatenmark und wird diese Anregung künftig in die eigene Rezeptsammlung integrieren. 

 

So sehen die fertigen Nudeln aus. Foto: Mike Bender 



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