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Kochen mit... dem freien Kandidaten Thomas Sliwka

Bruchköbel

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    Es ist angerichtet: Zum Omelett gibt's Toast und einen klitzekleinen Schluck französischen Weißwein. Foto: Mike Bender
  • Hand in Hand in der Sliwkaschen Küche: Der Bürgermeisterkandidat kümmert sich um die Eier, HA-Redakteurin Yvonne Backhaus-Arnold darf die Tomaten schneiden. Foto: Mike Bender

Bruchköbel. Sieben Kandidaten - Sieben Hausbesuche. Um die Bürgermeisterkandidaten aus Bruchköbel einmal von einer anderen Seite kennenzulernen, haben wir ihnen einen Besuch zu Hause abgestattet, um mit ihnen gemeinsamen zu kochen und zu plaudern ein. In Teil 5 besuchten wir den freien Kandidaten Thomas Sliwka.

Artikel vom 13. Oktober 2019 - 17:28

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Von Yvonne Backhaus-Arnold

„Sie dürfen die Tomaten schneiden“, sagt Thomas Sliwka. „Bitte in kleine Würfel.“ Holzbrett und Messer liegen schon bereit. Sliwka schlägt die Eier auf und rührt dynamisch drauf los. Omelett steht heute auf dem Speiseplan. „Normalerweise“, erklärt der 52-Jährige und lacht, „ist meine Frau fürs Kochen zuständig.

Dafür sind meine Desserts und meine Omeletts legendär.“ Am Wochenende gibt’s letztere regelmäßig, mit Salami statt Speck, „weil’s besser schmeckt.“ Sliwkas Geheimnis liegt nach eigenem Bekunden im liebevollen Wenden.

Zu Hause sind die Sliwkas seit 2002 im „Erdbeerfeld“, wie das Neubaugebiet im nördlichen Teil der Stadt im Volksmund genannt wird. Zur Familie gehören Ehefrau Christine und zwei Töchter (17 und 21).

Der Betriebswirt arbeitet seit 2006 bei Honda

Thomas Sliwka hat das Abi „verkackt“, wie er freimütig einräumt, dann eine Lehre im Groß- und Außenhandel gemacht. Er hat seinen staatlich geprüften Betriebswirt draufgesattelt und war anschließend viele Jahre im Bereich Controlling und Einkauf für den Schwab Versand tätig.

Seit 2006 arbeitet Sliwka für das Unternehmen Honda, das seinen Deutschland-Sitz auf der Hanauer Landstraße hat. Als Gebietsleiter für Süddeutschland betreut er mehr als 20 Händler, deren Tun er regelmäßig überprüfen und bewerten muss – von der tschechischen Grenze über München bis zum Allgäu. „Da kommen schnell 5000 Kilometer im Monat zusammen“, erzählt er.

1973 von Oberschlesien nach Deutschland gekommen

Die Sliwkas, Mutter, Vater und die beiden Kinder – Thomas Sliwka hat eine sechs ‧Jahre ältere Schwester – sind 1973 aus Oberschlesien nach Deutschland gekommen. Da war er sieben. Es sei eine klassische Familienzusammenführung gewesen, wie sie damals in Westdeutschland zuhauf vonstatten gegangen sei.

Und warum Hanau? „Die Mutter meiner Mutter war kriegsverwitwet und hat hier neu geheiratet“, erklärt Sliwka. Sein Vater bekam direkt eine Anstellung in der Buchhaltung der Heraeus Quarzschmelze. Die Familie blieb in Hanau. Der Handball brachte den groß gewachsenen Jungen schließlich nach Bruchköbel.

Handball-Trainerlegende Rudi Hawran holte Sliwka zur SGB

Kein geringerer als Trainerlegende Rudi Hawran warb Sliwka, der damals beim TV Kesselstadt spielte, „für ein Paar neue Turnschuhe und einen Benzingutschein über 50 Mark“ ab. Das war Ende der 80er Jahre. Von da an war Sliwka mehr in Bruchköbel als in Hanau. Training, Spiele, Training. Sliwka stand im Tor für seine SGB, erlebte den Oberliga-Aufstieg und Gastspiele von Großwallstadt, Gummersbach und der Weltmeistermannschaft von 1978.

Die Freundschaften von damals haben bis heute Bestand. „Handball“, sagt Thomas Sliwka, „ist die beste Jugendarbeit, die es gibt.“ Dass er am Ende sogar eine Handballerin heiraten würde, war zwar nicht einem Spiel, dafür aber einer Faschingssitzung beim NCC in Niederissigheim zu verdanken.

Seit 2011 engagiert er sich in der CDU

In der Politik ist der Frankreich-Liebhaber – die Côte d’Azur ist seit mehr als 20 Jahren das Ziel seiner Familie – seit 2011. Damals trat er in die CDU ein, „weil die mir inhaltlich am nächsten war“. Als der Fraktionsvorsitzende Andreas Heck 2017 über Nacht sein Amt aufgab, übernahm Sliwka.

Stand eine Stavo an, konnte es auch mal vorkommen, dass er von München zurück nach Bruchköbel fuhr, um nach der Sitzung erneut in die bayrische Landeshauptstadt zu fahren. Sliwka wäre den nächsten Schritt, wie er sagt, gern mit der CDU gegangen, lobt sie in unserem Gespräch für ihre „ordentliche Politik“, und schwört auf die Stärke der 14-köpfigen Fraktion.

Unterlag mit einer Stimme bei parteiinterner Nominierung

Dass er als unabhängiger Bürgermeisterkandidat ins Rennen gehen würde, hätte sich Sliwka am 7. April noch nicht träumen lassen. Bei der parteiinternen Nominierung einen Tag später unterlag er mit einer Stimme Unterschied Daniel Weber.

Warum tut er sich das an, kandidiert zwar mit dem Wissen, dass die Mehrheit der CDU-Fraktion hinter ihm steht, aber ohne einen Parteiapparat im Rücken? „Wir haben gesagt, dass die Nominierung fair, offen, transparent und satzungsgerecht sein muss“, erklärt Sliwka, der selbst von einer gewissen Naivität spricht, damals im April.

Wer die Basisarbeit nicht kenne, dürfe nicht kandidieren

Nichts davon habe er umgesetzt gesehen. Seine Konsequenz: der Antritt als Unabhängiger. Mit seiner Meinung über den Noch-Amtsinhaber Maibach, der ihm öffentlich in den Rücken gefallen sei, die Kreis-CDU, die an ihm vorbei Werbung für den noch nicht nominierten Weber gemacht hatte und den CDU-Kandidaten selbst hält Sliwka nicht hinterm Berg. Wer beim Heringsessen noch nie Kartoffeln geschält oder Stühle gestellt habe, die Parteiarbeit nicht kenne, dürfe kein Bürgermeisterkandidat werden, meint er. Punktum.

Ob man nicht eine Mogelpackung wählt, wenn man Sliwka wählt? „Nein“, sagt der 52-Jährige mit Nachdruck, „man wählt mit mir auch eine tragfähige Mehrheit.“ Wie er sich nach der Wahl positionieren wird mit Blick auf „seine“ CDU lässt Sliwka offen. Es hänge, sagt er, auch davon ab, wie sich die Kreis-CDU positioniere.

Sliwka arbeitet mit Hochdruck und Ehrgeiz an seinem Ziel

Dass Maibach, Leikert & Co. die Rechnung ohne Sliwka und seine Bruchköbeler Unterstützer aus Vereinen und Firmen gemacht haben, dürfte ihnen mittlerweile klar geworden sein. Auch, dass sie den Mann mit den blauen Augen unterschätzt haben. Sliwka weiß, was er will: Bürgermeister werden. An seinem Ziel arbeitet er mit Hochdruck und mit Ehrgeiz, obwohl die Belastung „außergewöhnlich“ hoch und es nicht immer einfach sei, Arbeit und Wahlkampf unter ‧einen Hut zu bekommen.

Die Kombination aus Eiern, Käse, Tomaten und Gewürzen ist nicht nur perfekt für ein Sonntagsfrühstück, sondern taugt auch für ein politisches Mittagessen. Foto: Mike Bender

Sliwkas Wahlkampfteam besteht aus 26 Personen. Die Untergruppen heißen Orga, Front, Strategie und Marketing. Sliwkas Frau Christine führt das Orga-Team an, hat alle Termine im Blick und schaut auf die Uhr, wenn der nächste ansteht.

Schwerpunkt seiner Arbeit sieht er bei den Vereinen

Inhaltlich setzt Sliwka auf Struktur und Themen plus Lösungsansätze. Den Schwerpunkt seiner Arbeit sieht er bei den Vereinen – allein im sportlichen Sektor seien weit über 4000 Menschen in Bruchköbel organisiert, so der Ex-Handballer.

Diese Ausprägung in der Stadt gelte es zu stärken und unter anderem dafür die notwendige und funktionierende Infrastruktur bereitzustellen. Als Bürgermeister will er „Motor und Gestalter“ für die Stadt sein. Er wolle dafür Sorge tragen, dass das historische Rathaus keine zehn weiteren Jahre leer stehe.

„Es gibt keinen Plan B“

Das Omelett ist längst aufgegessen. Zum Nachtisch gibt’s Vanilleeis und frische Früchte. Sliwka stellt die Gläser auf den Tisch. Den hat er selbst gemacht, wie vieles andere im Haus auch. Tisch und Stühle haben sie nach dem Tod des Großvaters aus Polen importiert. Aus dem viereckigen Möbelstück hat Sliwka kurzerhand eine runde Tischplatte ausgeschnitten, mit einer kleinen Drehplatte in der Mitte.

Und was passiert, wenn es nichts wird mit der Wahl zum Bürgermeister? Thomas Sliwka hält, den Löffel in der Hand, kurz inne: „Es gibt keinen Plan B.“
 

Rezept: Käse-Salami-Omelett für vier Personen
Zutaten:
10 Eier
200 g geriebener Gratinkäse
200 g Salami
2 Tomaten
1 halbe Hand voll
Schnittlauch
Pfeffer und Salz
8 Scheiben Toast
Zubereitung:
Aufgeschlagene Eier und Gratinkäse ordentlich vermischen. Salami und Tomaten in kleine Stücke schneiden und in der erhitzten Pfanne auslassen. Tomaten hinzu tun und anschwitzen. Dann Eier mit Käse in die Pfanne, dabei gefühlvoll und durchgängig wenden, damit die Masse homogen anbrät. Temperatur herunter regeln. Den Schnittlauch entweder drunter mischen oder abschließend garnieren. Je nach Geschmack mit Salz und Pfeffer würzen. Serviert wird auf zwei getoasteten Scheiben. Guten Appetit!
So hat es geschmeckt:
Die Kombination aus Eiern, Käse, Tomaten und Gewürzen ist nicht nur perfekt für ein Sonntagsfrühstück, sondern taugt auch für ein politisches Mittagessen. Gut gemacht, Herr Sliwka!


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