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Kochen mit... Grünen-Kandidat Uwe Ringel

Bruchköbel

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    Nudeln aus eigener Produktion: Uwe Ringel kauft seine Spätzle niemals fertig. Die Aufgabe, mit HA-Redakteur Holger Weber über Politik zu sprechen und dabei zu kochen, bringt den Kandidaten nicht aus der Ruhe. Foto: Mike Bender

Bruchköbel. Sieben Kandidaten - Sieben Hausbesuche. Um die Bürgermeisterkandidaten aus Bruchköbel einmal von einer anderen Seite kennenzulernen, haben wir ihnen einen Besuch zu Hause abgestattet, um mit ihnen gemeinsamen zu kochen und zu plaudern ein. In Teil 4 blickt Grünen-Kandidat Uwe Ringel auf seine Anfänge zurück. 

Artikel vom 12. Oktober 2019 - 12:13

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Von Holger Weber

Uwe Ringel ist ein Mannschaftsspieler in der Politik. So jedenfalls beschreiben ihn Parteifreunde, die schon lange an seiner Seite stehen. In der Küche jedoch, da gelten für ihn andere Regeln. Da ist der Bürgermeisterkandidat von Bündnis 90/Die Grünen lieber auf sich allein gestellt.

 Allenfalls seine Frau Christine, mit der er schon seit 1973 zusammen ist, und seine Söhne Valentin und Simon lässt er da noch neben sich am Herd gewähren. „Man hat ja seine gewohnten Abläufe, wenn da ständig einer im Weg ist, kann das auch bremsen“, sagt er, während er das Mehl mit Bedacht in die Schüssel streut. Pro Person rechnet er 60 Gramm und ein Ei für seine Spätzle. Dazu reicht der leidenschaftliche Hobbykoch später Linsen und Saitenwürstchen. Und, ganz wichtig: einen leichten Trollinger Rotwein. „Es muss ja hoffentlich keiner mehr fahren“, sagt er augenzwinkernd.

Das Gericht ist eine Reminiszenz an seine schwäbische Heimat. Ringel ist in Stuttgart geboren, in Nürtingen aufgewachsen und erst im Alter von 16 Jahren nach Bruchköbel gekommen. Gemeinsam mit seinen Eltern sowie seinen beiden jüngeren Geschwistern. Sein Vater hatte damals eine leitende Position bei einer Versicherung in Frankfurt übernommen. Für Ringel war der Umzug nach Bruchköbel schon der dritte seines Lebens.

Im Ländle war es auch, wo mit 13 Jahren sein politisches Bewusstsein geweckt wurde. Wo er quasi „von der Politik geküsst wurde“, wie er schmunzelnd sagt. Es war die Zeit, als die Studenten den Muff von 1000 Jahren unter den Talaren beschrien und und gegen die Generation ihrer Eltern aufbegehrten. „Ich bin durchaus durch die 68er geprägt worden“, sagt Ringel, während er den mittlerweile fertigen Nudelteig durch die Presse, einen sogenannten Spätzleschwob, drückt und die etwa 20 Zentimeter langen Teigfäden so abschneidet, dass sie sanft ins siedende Wasser gleiten.

Schon zur Schulzeiten aktiv

Damals, als Bub, forderte Ringel für seine Schule mit Vehemenz eine Schülermitverwaltung. Ganz im Sinne des damaligen Zeitgeists. Heraus kam dann eine Schülervertretung. Diese war nicht mit ganz so vielen Mitbestimmungsrechten ausgestattet, aber immerhin. „So habe ich schon früh gelernt, dass die Politik aus Kompromissen besteht, man nicht immer gewinnen kann und manchmal auch mit weniger zufrieden sein muss.“ Eine Erfahrung, die ihm in seinem späteren politischen Wirken immer wieder geholfen habe. Auch in seinem wohl schmerzlichsten politischen Moment, seiner Abwahl als hauptamtlicher Erster Stadtrat von Bruchköbel vor sieben Jahren.

Die sei für ihn aus heiterem Himmel gekommen. Vielleicht hätte er sie noch verhindern können, wenn er eine Ahnung gehabt hätte, sagt er mit einem Unterton, aus dem man einen leichten Selbstvorwurf heraushört. Zwei Überläufer aus den Reihen der CDU, die sich dem Bruchköbeler Bürgerbund (BBB) anschlossen, sprengten die Mehrheit der damaligen schwarz-grünen Koalition. In der Folge scheiterte Ringels Wiederwahl und kurze Zeit später auch sein Investorenmodell für den Innenstadtumbau. „Dafür ließ sich damals keiner begeistern.“

Erst im vergangenen Jahr wurde der Innenstadtumbau dann auf die Schienen gesetzt. Auch weil Ringel in der Sitzung, in der das Millionenvorhaben endlich beschlossen wurde, auf eine zügige Entscheidung gedrängt hatte. So wird nun doch ein Projekt fortgesetzt, für das er von Anfang an gebrannt hat, wenngleich die aktuellen Pläne ihm und seiner Fraktion nicht in Gänze gefallen. Aber einiges lasse sich ja jetzt noch ändern, wenn er Bürgermeister würde: die Fassadengestaltung des Stadthauses zum Beispiel. Statt Klinker möchte der Kandidat der Ökopartei lieber einen vertikalen Garten an der markanten Südseite sehen. Das sei optisch ein Gewinn und habe auch Einfluss auf das Kleinklima in der Innenstadt. Und auch bei der Gestaltung des Krebsbachparks gibt es nach Ansicht des Grünen durchaus noch Spielraum für Verbesserungen.

Ringel ist hartnäckig

Dass Ringel hartnäckig ist, Projekte auch gegen Widerstände durchsetzen kann, hat er während seiner Amtszeit als Erster Stadtrat bewiesen: In sechs Jahren verhandelte er mit der bekanntlich behäbigen Deutschen Bahn den Bahnhofsumbau – mitunter gleichzeitig mit drei verschiedenen Bahngesellschaften.

Profiwerkzeug: Den Teig presst Ringel durch einen sogenannten Spätzleschob. Foto: Mike Bender

In seine Schaffenszeit fallen auch die beiden Kreisel vor den Toren der Stadt, die er gegen den Widerstand von Hessen Mobil und letztlich auf städtische Verantwortung realisierte. Und auch die Renaturierung des Krebsbaches in Oberissigheim führt Ringel auf sein Tun zurück. Zumindest Letzteres hat den Anstrich eines Projekts, was man wohl als typisch grün bezeichnen würde. Ansonsten kann man an dem Kandidaten Ringel eigentlich nur wenig Charakterzüge erkennen, die dem Klischee entsprechen. Er bekennt sich zum Flügel der Realos innerhalb seiner Partei.

Und er macht auch keinen Hehl daraus, dass er gerne Auto fährt. Auch mal 1200 Kilometer am Stück, wenn es in den geliebten Ferienort an der französischen Atlantikküste geht. Autos sind schließlich auch ein Teil seines Lebens. Mit dem Taxifahren hat er sein Jurastudium und seine Familie finanziert. Später dann stieg er in die Verbandsarbeit ein, war viele Jahre Geschäftsführer der Hanauer Taxigenossenschaft und saß im Vorstand des BZP, des heutigen Bundesverbandes Taxi und Mietwagen. Deshalb war sein Ausscheiden als Erster Stadtrat auch finanziell kein Problem. Zu diesem Zeitpunkt, mit damals 58, war er bereits abgesichert. „Ich hatte meine Lebensplanung darauf ausgerichtet“.

Kandidat für den Landtag

Zwischendurch kandidierte Ringel auch einmal für den Landtag. Ohne reelle Chance – und auch nicht mit großer Motivation. „Es war mehr ein Testballon“, sagt er. „Ich wollte mal ausprobieren, was geht.“ Sein Steckenpferd sei jedoch die Kommunalpolitik, wo man nah dran sei an den Menschen und tatsächlich etwas bewegen könne. Politisch hat er in seinem Leben immer an der Basis gearbeitet: als junger Mensch und Initiator des Bruchköbeler Jugendtreffs und nach einer Erziehungspause auch in der Parteiarbeit bei den Grünen, in dessen Ortsverband er Anfang der 90er Jahre eintrat.

Dass er bei seinem möglichen Amtsantritt im kommenden Jahr 65 wäre, sieht der Fraktionschef seiner Partei im Stadtparlament gelassen. Ringel spielt die Karte Erfahrung. Nach 40 Jahren in der Kommunalpolitik könne ihm so leicht keiner was vormachen. „Ich kenne die Zusammenhänge.“ Und noch ein Pfund wirft er in die Waagschale: Als Erster Stadtrat weiß er, wie dick die Luft in der Chefetage eines Rathauses werden kann.

Rezept: Linsen mit Spätzle und Saitenwürstchen
Zutaten:
150 g Berglinsen
Suppengemüse (Mohrrüben, Sellerie, Schalotten)
fein gewürfeltes Bauchfleisch nach Geschmack 400ml Gemüsebrühe
60g Mehl
ein Ei Größe M pro Person Salz
1 Paar Saitenwürste
pro Person (Wiener)
Senf
Petersilie
Zubereitung:
fettes Bauchfleisch auslassen, darin klein gewürfelte Mohrrüben andünsten, mit Gemüsebrühe ablöschen, fein geschnittene Lauchzwiebel und Sellerie dazugeben sowie die gut gewaschenen Linsen. Gute halbe Stunde quellen lassen.
Großen Topf Wasser aufsetzen für die Spätzle und einen Topf Wasser für die Saitenwürstchen zum Erhitzen derselben. Mehl, Eier und eine Prise Salz mit dem Rührgerät zum Nudelteig kneten, Teig muss sich beim Kneten von der Rührschüssel lösen. Ruhen lassen. Eine Schüssel mit gesalzenem heißen Wasser vorbereiten und eine Servierschüssel für die Spätzle, beide an den Herd stellen. Mit dem Spätzleschwob den Spätzleteig in das kochende Salzwasser pressen. Zwei, drei Minuten kochen lassen, mit dem Schöpflöffel aus dem kochenden Wasser in die Schüssel mit heißem Salzwasser geben und gleich aus dem Wasser in die Servierschüssel. Zwischenzeitlich die Saitenwürstchen, nachdem das Wasser in dem Topf gekocht, hat zehn Minuten ziehen lassen, am besten ohne zusätzliche Hitze. Dazu einen leichten Trollinger Rotwein.
Wie hat es geschmeckt:
Ausgezeichnet. Vor allem die selbst gemachten Spätzle im Salzwasser waren hervorragend. Die Linsen mit Speck und der leichte Trollinger aus seiner Heimat sind schmackhafte Begleiter.

Bei den Wienern setzt Ringel auf Wiener mit Kalbfleischfüllung. Foto: Mike Bender



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