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Kochen mit . . . dem freien Kandidaten Dietmar Hußing

Bruchköbel

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    Die Höhenluft war es: Dietmar Hußing, hier in seinem Haus in Oberissigheim, entschied sich im Urlaub in den Südtiroler Alpen für seine Kandidatur zur Bürgermeisterwahl in Bruchköbel. Foto: Mike Bender

Bruchköbel. Sieben Kandidaten - Sieben Hausbesuche. Um die Bürgermeisterkandidaten aus Bruchköbel einmal von einer anderen Seite kennenzulernen, haben wir ihnen einen Besuch zu Hause abgestattet, um mit ihnen gemeinsamen zu kochen und zu plaudern ein. In Teil 3 kommt der freie Kandidat Dietmar Hußing zum Zug.

Artikel vom 11. Oktober 2019 - 10:46

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Von Holger Weber

Dietmar Hußing folgt einem Plan. An der Kopfwand seines Hauses in Oberissigheim hängt ein großer Pappkarton mit vielen gelben Zetteln, die eine symmetrische Anordnung ergeben. Erst beim genauen Hinschauen wird ersichtlich, dass es sich dabei um einen Zeitplan handelt, der vorgibt, wann im Bürgermeisterwahlkampf was getan werden muss. 

Entworfen hat ihn der Verwaltungsangestellte gemeinsam mit seinen Töchtern. Folgt man der Matrix, absolviert er bereits seit 14 Tagen regelmäßig Hausbesuche. Klinkenputzen eben. Für den Bürgermeisteraspiranten ist das normal im Wahlkampf. „Ich habe noch nie Probleme gehabt, auf Menschen zuzugehen“, sagt er, während er die Petersilienblättchen mit einem scharfen und großen Messer zerhackt. Es sind die letzten Arbeitsschritte, bevor der Kandidat sein Gemüserisotto serviert. Ganz und gar fleischlos, weil zwei seiner Töchter, beide Vegetarierinnen, in den Semesterferien zu Hause sind. Seine älteste Tochter lebt in Irland. 

Keine Angst vor direktem Bürgerkontakt

Hußing hat vorgekocht. Man könnte es so interpretieren, dass sich der Mann nicht in die Karten schauen lassen will. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er sich aufs Wesentliche konzentrieren möchte. Auf das Gespräch, das sich noch immer um die Bürgernähe dreht, die man brauche als Bürgermeister: Vor dem direkten Kontakt mit den Menschen auf der Straße habe er im Vergleich zu manch anderem Politiker keine Angst.

„Ich habe schon als Kind vor Werkstoren gestanden und Flugblätter verteilt“, sagt der Sohn des Gewerkschaftssekretärs und späteren Bundestagsabgeordneten Dieter Hußing, der unter anderem in Hanau und in Bruchköbel die Ortsgruppen der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) gegründet hat. 

Einer der ersten männlichen Altenpfleger

1958 in Herne, mitten im Ruhrpott, geboren, kam Dietmar Hußing über Fulda im Alter von fünf Jahren nach Hanau. Die Familie – Hußing hat noch zwei Brüder und eine Schwester – lebte im Musikerviertel. „Dort, wo in den 60ern eigentlich in Hanau alle zu Hause waren, die sich sozialpolitisch engagiert haben“, erinnert sich der Kandidat. Mit seinem Vater, der zwischen 1969 und 1972 sowie zwischen 1973 und 1976 für die CDU im Bundestag saß, war er politisch nicht immer auf einer Wellenlänge.

Doch im Gegensatz zu manch anderen seiner Generation ging er nicht auf Frontalkurs. Er trat sogar in die Partei seines Vaters ein. In einer Zeit, in der man die Politik nicht so einfach nebenher betrieb, sondern fast wie einen zweiten Fulltimejob. Nach der Arbeit – Hußing war einer der ersten männlichen Altenpfleger im Kreis – stand „ich meiner Partei zur Verfügung, oftmals bis spät in die Nacht“, erinnert er sich. 

Härtel-Affäre sei damals schwierig für ihn gewesen

Als Fraktionsvorsitzender im Hanauer Stadtparlament trug Hußing auch Verantwortung, als die Brüder-Grimm-Stadt wegen der Affäre um die damalige Oberbürgermeisterin Margret Härtel bundesweit in den Schlagzeilen stand. Das was Härtel durchgemacht habe, wünsche man niemandem, sagt er. Es sei ihm damals nicht leicht gefallen, sich von ihr politisch zu entfernen. Auch wenn er heute einiges anders machen würde, sei es aus damaliger Perspektive der einzig mögliche Weg gewesen. Heute begegne man sich mit Respekt, wenn man sich in Hanau über den Weg laufe. Und das, was Härtel „aus entwicklungstechnischer Sicht“ für Hanau geleistet habe, sei unbestritten grandios. 

Nach seinem Ausscheiden aus der Hanauer Stadtpolitik blieb Hußing viele Jahre politisch in der Versenkung und baute in der Bruchköbeler Verwaltung ein großes Angebot für Senioren auf: Er schuf die Astronomiegruppe, Selbsthilfegruppen für Betroffene von Schlaganfällen und Krebs und half bei der Gründung der Bürgerhilfe. Das aus Ehrenamtlichen geknüpfte Netzwerk hat heute in der Bruchköbeler Stadtgesellschaft eine immens wichtige Funktion im Seniorenangebot übernommen. 

Engagement während der Flüchtlingskrise

Mit Beginn der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 verschob sich Hußings Aufgabenbereich schlagartig. Plötzlich galt es, innerhalb von nur kurzer Zeit Hunderte Geflüchtete in der Stadt unterzubringen. Da lief Hußing zur Hochform auf. Da wurden seine Managerqualitäten gefragt. Gegen den anfänglichen Widerstand großer Teile der Roßdorfer Bevölkerung setzte er die Notunterkunft in der Mehrzweckhalle durch, war maßgeblich beim Aufbau des Hüttendorfs an der Friedberger Landstraße beteiligt und beschaffte in den vergangenen Jahren insgesamt 40 Wohnungen im Stadtgebiet. Er kümmerte sich auch um einzelne Schicksale, wenn die Menschen seiner Hilfe bedurften. „Der Hußing ist ein Menschenfreund“, sagt einer der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer. 

In der Zeit habe er nur wenig geschlafen, sagt Hußing. Dass er es mit seinem Team geschafft habe, die vielen Ehrenamtler, die im Zuge der Flüchtlingskrise gewonnen wurden, in Strukturen zu überführen, die bis heute hielten, sei ein riesiger Erfolg. Menschen dazu zu bringen, dass sie sich ehrenamtlich für das Gemeinwesen engagieren – darin sieht er auch eine seiner großen Aufgaben als Bürgermeister. 

Persönlichkeit und Erfahrung seien entscheidend

Es stellt sich die Frage, warum sich Hußing, mittlerweile 60, jetzt wieder in die Politik einmischt, nachdem er sich als Verwaltungsangestellter über Jahre an das Neutralitätsgebot gehalten hat. Dies lässt sich für den Kandidaten, der seinen Teller mittlerweile zur Seite geschoben hat, nicht in einem Satz beantworten. Zum einen sei die Kandidatur keine Frage des Alters, zu der sie gerne von den Jüngeren im Siebenerfeld der Kandidaten gemacht werde.

Hussing verfeinert das von ihm gekochte Risotto. Foto. Mike Bender

 

Es seien vielmehr Persönlichkeit und Erfahrung, die über die Fähigkeiten eines Bewerbers entschieden. Bewogen habe ihn letztlich die Situation in der Bruchköbeler CDU. Nach all dem Hickhack der Nominierung, die dazu geführt habe, dass es mit Daniel Weber und dem in der Abstimmung unterlegenen Thomas Sliwka zwei Kandidaten gab, habe er sich gefragt: „Was tun die da eigentlich?“

„Zu Hause ist der Job kein Thema.“ 

Als die Diskussion über einen möglichen neuen Bauhof entbrannte und fast alle Kandidaten Vorschläge für neue Standorte unterbreiteten, kam aus Hußings Lager erst einmal nichts. „Ich finde, bevor man ins Detail geht, sollte man doch die Bürger selbst befragen.“ Und dies nicht nur beim Thema Bauhof. Bruchköbel, so Hußing, brauche ein Instrument wie etwa den Zukunftskongress, den die Stadt Hanau organisiert habe. „Wir müssen erst einmal festlegen, wo wir hinwollen“, meint er. „Und dann suchen wir die Lösungen.“ 

Zur Stadtentwicklung hat Hußing jedoch bereits einen Standpunkt: Nur über einen stabilen Kern könne man auch wellenartig die Stadtteile entwickeln. Die Ansicht mag nicht überraschen, Hußings Frau Andrea Weber ist die Chefin des Stadtmarketings, die an der Entwicklung des Innenstadtumbaus kräftig mitgewirkt hat. Für den Kandidaten stellt die Verquickung von Privatem und Beruflichem kein Problem dar: „Zu Hause ist der Job kein Thema.“ Letztlich entscheide doch das Parlament. Und das, nach Jahren der Zerstrittenheit zu einen, traue er sich zu. 

 

Rezept: Veganes Risotto
Zutaten für vier Personen: 

2 Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
2 EL Olivenöl
1 EL vegane Butter
250 gr Risottoreis
150 ml Weißwein
300 gr Champignons
Spitzpaprika
2 Lauchzwiebeln
1 kleine Chilischote
etwas Ingwer
zwei Spritzer Zitronensaft
1/2 Bund Petersilie
100 gr. Veganer Käse
Salz, Pfeffer, Gemüsebrühe
 
Gemüsebrühe erhitzen und warmhalten. Olivenöl, Butter in einem Topf erhitzen. Zwiebeln, Knoblauch zwei Minuten dünsten, Reis zugeben und unter Rühren kurz mit dünsten. Mit Wein ablöschen und einkochen lassen. Brühe zugießen, damit der Reis bedeckt ist. Offen bei mittlerer Hitze unter häufigem Rühren 20 Minuten garen. Immer wieder Brühe aufgießen, bis sie vom Reis aufgesogen ist. Pilze putzen und kleinschneiden, Spitzpaprika rot in Streifen schneiden und dann in Stücke schneiden. Lauchzwiebeln und Chilischote in kleine Rollen schneiden, etwas Ingwer darüber raspeln, zwei Spritzer Zitronensaft zufügen und alles separat in einer Pfanne drei Minuten andünsten. 7 Min. vor Ende der Garzeit Pfanneninhalt unter das Risotto mischen und mitgaren. Petersilie hacken. Die Hälfte des Käses in den Risotto geben. Mit Salz, Pfeffer abschmecken.
 
Wie hat es geschmeckt: 
Sehr lecker. Man merkt, dass hintzer dem Herd ein geübter und erfahrener Koch steht.

 

Fertig angerichtet sieht das Risotto sehr schmackhaft aus. Foto: Mike Bender 



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